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Malinda Lo: Ash

14. November 2010
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„Unvermittelt sprang sie auf und hielt Ash die Hand hin. Diese nahm sie überrascht. Kaisas Griff war zwar fest, aber sie wandte sich ab. Ash bemerkte, dass ihre Ohrmuschel rosig angelaufen war.“

Autor: Malinda Lo

Titel: Ash

Originaltitel: Ash

Seiten: 269

Verlag: PAN (Droemer Knaur) 2010

ISBN: 3426283441

Preis: 12,99 €

Die Versuchung: Im Prinzip waren es zwei Dinge: Das unglaublich schöne, atmosphärische Cover und die Aussicht auf eine phantastische Liebesgeschichte, in der mal nicht der Prinz das Objekt der Begierde ist.

Was habe ich erwartet? Eine zarte, etwas andere Liebesgeschichte

Was habe ich bekommen? Eine teilweise poetische, aber nur bedingt verzaubernde Aschenputtelversion, die leider hinter meinen Erwartungen zurückblieb

Als Ashs Vater sich nach dem Tod ihrer Mutter eine neue Frau sucht, ahnt das Mädchen nichts Gutes. Und sie soll Recht behalten, denn als auch der Vater stirbt, wird Ash zur Dienstbotin ihrer raffgierigen Stiefmutter und deren Töchtern.
Ihr einziger Trost ist das Märchenbuch ihres Vaters mit den Geschichten über das Feenvolk, das einst unter den Menschen lebte. Obwohl sie um die Gefahr weiß, die von den geheimnisvollen Wesen ausgeht, treibt es Ash immer wieder auf die geheimen Pfade im Wald, die in das Reich der Feen führen.
Doch dann lernt sie jemanden kennen, der sie mehr fasziniert als das Feenvolk: Kaisa, die Jägerin des Königs.

Malinda Lo erzählt, wie so viele vor ihr, das Märchen vom Aschenputtel neu. Es ist eine ungewöhnliche Version, denn es ist nicht der Prinz in dessen Arme sich die jugendliche Heldin Ash wünscht, es ist eine Frau.
Es gibt viel zu wenige Bücher auf dem deutschen Markt, in denen auch homosexuelle Liebesgeschichten erzählt werden, entsprechend habe ich mich über diese Abwechslung gefreut und zugegriffen, als das Buch diesen Monat erschien.
Am Ende war ich etwas ernüchert. Malinda Lo balanciert mit ihrem Buch irgendwo zwischen Märchen und Moderne und das Ergebnis ist leider nicht sehr ausgewogen. Wie viele Märchen, ist auch dieses aus einer gewissen Distanz erzählt. Nur selten werden Szenen ausgeschrieben, meistens wird einfach nur „erzählt“, was passiert ist. Das gibt dem Buch von Anfang an so ein „Zeitraffergefühl“, die Handlung selbst wirkt beinahe gehetzt. Wirklich Raum bekommen lediglich die sehr schönen, poetischen Beschreibungen von Ashs Umgebung.
Im Ergebnis kommt der Leser der Protagonistin nie wirklich nahe. Nichts für Leute, die am liebsten in die Figuren eines Romans hineinkriechen würden, um mit ihnen zu fühlen, zu lachen und zu weinen. Leider ist Ash auch nicht gerade eine temperamentvolle Figur, die meiste Zeit wirkt sie sehr passiv und auch deshalb bleibt sie eine sehr unscheinbare Protagonistin.
Ähnlich blass ist ihre Romanze mit Kaisa. Es gibt einfach keinen Funken zwischen diesen beiden Figuren, der mich als Lesern mit ihnen mitfiebern hätte lassen. Selbst mit den männlichen Figuren in diesem Roman hatte Ash mehr Chemie als mit Kaisa.
Den großen Bonus, die wirklich schöne Sprache, zerstören schwache Dialoge, die viel zu modern im Vergleich zum Rest des Textes klingen. Es wäre schön gewesen, wenn da die Übersetzung etwas nachgebessert hätte (wenn das denn im Original schon so war).
Am Ende lösten sich dann alle Probleme – in bekannter Zeitraffermanier – beinahe reibungslos in Luft auf, dafür verlaufen andere Teile der Handlung ins Leere. Nicht zuletzt deshalb macht das Buch einen halbherzigen Eindruck auf mich. Die Idee ist toll, der Welt mangelt es an Profil, aber nicht an Potential und die schöne Sprache hätte dieses Buch zu etwas ganz besonderem machen können. So ist es aber nur eine nette Geschichtemit schöner Sprache, die sich zwischen zwei sehr hübschen Buchdeckeln verbirgt und mein Herz leider nicht für sich gewinnen konnte.
Trotzdem ein Kompliment an den PAN-Verlag, der sich an ein so wenig massentaugliches Buch gewagt hat.

Wertung: 2,5 (von 5 Punkten)

One Comment leave one →
  1. 20. April 2011 20:35

    Eine sehr schöne Rezension, die ich in allen Punkten unterschreibe. Vor allem das Zeitraffergefühl trifft es sehr gut.

    Liebe Grüße,
    Nina

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