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Meljean Brook: Here there be Monsters (The Iron Seas Novelle)

11. Januar 2011

Ich bin keine große Anhängerin paranormaler oder phantastischer Liebesromane oder von „Nackenbeißern“ generell. Umso ungewöhnlicher, wenn ich mich einmal für einen Titel dieses Genres begeistern kann.
Die Reihe, die mein Herz gegen alle Erwartungen erobert hat, ist Meljean Brooks neue Steampunk-Serie The Iron Seas. Bislang sind eine Novelle und ein erster Roman erschienen, die ich beide nacheinander hier vorstellen möchte.

 

Plastering on a smile, she pulled her trouser legs and curtsied to Mad Machen. His laugh followed her  to the stairs – and Ivy decided she could make a statement, too. A brass finial shaped like an egg decorated the end of the banister. Ivy closed her gray hand around it. Metal shrieked as she crushed the finial between her fingers.
His laughter stopped.
She released the mangled brass, and called over her shoulder, „I await your mighty prick, sir!“


Autor: Meljean Brook

Titel: Here There be Monsters

Reihe: Iron Seas

In: Burning Up (Anthologie)

Verlag: Berkley 2010

ISBN: 0425235955

Preis: ca. 6 Euro

Besonderheit: Keine Übersetzung

 

Die Versuchung: Meljean Brook ist Teil eines Gemeinschaftsblogs von fünf Autorinnen (The Odd Shots), dem ich manchmal folge. Ich fand sie immer sympathisch, aber sie schreibt eben Romance und dafür kann ich mich nur bedingt erwärmen. Als sie dann vor über einem Jahr Steampunk-Romance ankündigte, schnappte ich nach dem Köder. Die ersten Vorabrezensionen waren nicht nur gut, sondern euphorisch, also musste ich den Versuch wagen.

Was habe ich erwartet? Nicht viel, ehrlich gesagt. Einen typische paranormalen Liebesroman, mit dem Fokus auf Liebe und Erotik und eher dürftigem Weltenbau und Plot.

Was habe ich bekommen? Eine ziemlich irre Mischung aus alternativer Geschichte, Science Fiction Steampunk, Krimi und Romance, die mir extrem viel Spaß bereitet hat.

Bevor ich mit der Inhaltszusammenfassung beginne eine kurze Einführung in die Welt, in der die Geschichten angesiedelt sind. Bitte nicht sofort die Flucht ergreifen, das hört sich zugegebenermaßen alles ziemlich wild an.
Wir befinden uns in Europa (vorwiegend London) des 19. Jahrhunderts. Doch es ist völlig anders, als wir es aus den Geschichtsbüchern und zeitgenössischen Romanen kennen. Bereits zwei Jahrhunderte zuvor wurde ganz Europa von Mongolenhorden überrannt, denen es mit ihrer überlegenen Nanotechnologie gelang, die Bevölkerung unter ihre Kontrolle zu bringen. Kleine „Bugs“ – Nanoagenten eingespeist in den Blutkreislauf der Menschen – machten ihre Opfer nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch durch Radiowellen steuerbar.
Nur 10 Jahre ist es her, seit diese zwei Jahrhunderte währende Schreckensherrschaft von dem „Iron Duke“, Rhys Trahaearn, niedergeschlagen wurde und von einem normalen Leben kann noch immer keine Rede sein.
Wir befinden uns also in einer entsprechend düsteren, fremden Welt. Die Wunden in den Menschen sitzen tief, die auf Mechanik basierende Technik ist weiter fortgeschritten, als sie es in der Realität je war und es wimmelt nur so von Seeungeheuern, Luftschiffpiraten, Zombies und mechanischen Ungetümen. Also einfach ein Riesenspaß.
Jetzt wird mancher sagen: Moment, sagte sie nicht am Anfang etwas von Liebesromanen? Doch, stimmt schon, auch in dieser Welt gibt es breitschultrige Helden mit ausgeprägtem Ego und ebensolcher Libido, die sich anschicken, widerspenstige Frauen nach allen Regeln der Kunst zu verführen und in ihnen nicht nur die perfekte Bett- sondern auch ihre individuelle Seelengefährtin finden.

Here there be Monsters ist eine Novelle von etwa 100 Seiten, die in der Anthologie „Burning Up“ erschien. Die anderen Novellas in „Burning Up“ habe ich nicht gelesen und werde es wohl auch nicht mehr tun.
Protagonistin ist Ivy, sie ist ein sogenannter Blacksmith, was so etwas wie ein extrem fähiger Mechaniker ist, der auch verlorene Körperteile durch künstliche ersetzen kann, die wie die ursprünglichen funktionieren.
Ivy will London aus Anfangs nicht genannten Gründen so schnell wie möglich verlassen und braucht dringend einen Kapitän, der sie auf seinem Schiff mitnimmt. Ihre Verzweiflung ist so groß, dass sie sogar bereit ist, mangels einer entsprechenden Barschaft, ihre Jungfräulichkeit als Zahlungsmittel einzusetzen (Ja, ich weiß… *seufz*). Worauf sie sich eingelassen hat, als sie ausgerechnet dem berüchtigten Eben, der nicht ohne Grund von allen „Mad Machen“ genannt wird, dieses Angebot macht, begreift sie erst, als es beinahe zu spät ist.

Melean Brook ist mit dieser Novelle ein kleines Kunststück gelungen: Sie schafft es innerhalb von nur 100 Seiten, einigermaßen verständlich in eine sehr komplexe Welt einzuführen und vor diesem Hintergrund eine Liebesgeschichte zwischen zwei gut charakterisierten Figuren zu erzählen, die, was den Annäherungsprozess angeht, durchaus überzeugend ist und als Sahnehäubchen noch einige erotische Szenen daraufzusetzen.
Vieles, was ich so oft an anderen paranormalen Liebesromanen bemängle und warum ich sie nicht mag, macht Meljean Brook besser und dafür liebe ich sie.
Ich bin es von vielen Liebesromanen gewohnt, dass jegliches Weltenkonzept und ein nichtromantischer Plot nur sehr spärlich und simpel vorhanden und selten mehr als Staffage sind. Wie man nach meinen Ausführungen schon festgestellt haben dürfte: Das ist hier absolut nicht so. Die Welt der „Iron Seas“ ist so detailreich, dass klar wird, dass hier ein durchgeplantes Konzept im Hintergrund steht. Man könnte bemängeln, dass mit Meljean Brook ein wenig die Pferde durchgegangen sind, als sie ihre Welt mit Riesenkraken und anderen Ungetümen bevölkert hat und so manchen Naturwissenschaftler dürfte das kalte Grausen bei den technischen und biologischen Details packen, aber man merkt den unglaublichen Spaß und das Engagement, das hinter der Gestaltung dieser Welt steht und wird davon mitgerissen. Meljean Brook beschreibt ihr Universum so atmosphärisch, dass man glaubt mittendrin zu sein und beweist damit gleichzeitig, dass sie eine wirklich gute und fähige Schreiberin ist.
Bei der Liebesgeschichte kann dann aber über die Verortung des Romans im Romance-Genre kein Zweifel mehr sein: Die Protagonisten Eben und Ivy passen wunderbar in die beliebten Rollenmuster. Er ist groß und stark, Typ raue Schale, weicher Kern. Sie dagegen schön, selbstbewusst und in gewissen Dingen erschreckend naiv. Ich gebe zu, ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie etwas weniger in die üblichen Schablonen gepasst hätten, aber ich bin schon froh, dass sie sich zumindest ein wenig Individualität bewahrt haben.
Ivy ist definitiv keine Jungfer in Nöten, die Frau ist tough, klug (wenn es nicht gerade um den Einsatz ihrer Unschuld geht…) und hat ein Händchen für Technik. Eben „Mad“ Machen ist teilweise tatsächlich etwas unheimlich, ich kann Ivy zumindest zu Beginn sehr gut verstehen. Fast ein wenig Schade, dass seine weiche Seite für den Leser zu schnell zum Vorschein kommt, ich mochte den bedrohlichen Eben.
Mir gefiel das übliche Spiel von Anziehung und Abstoßung zwischen diesen Zwei recht gut. Am Ende hatte mich diese Romanze dann fast (aber nur fast) auch emotional überzeugt. Oft geht es mir bei Liebesromanen so, dass da viel von „ewiger Liebe und Leidenschaft“ steht, ich aber rein gar nicht mitfühlen kann, weil die Figuren zu flach sind, zu viel erzählt und zu wenig gezeigt wird oder andere Dinge nicht funktionieren. Hier hatte ich trotz der Kürze zumindest einen Anflug von emotionaler Beteiligung.
Was die Freunde der Erotik angeht: Auch ihr kommt auf eure Kosten, am Ende dieser Novelle kann Ivy ihre Unschuld definitiv nicht mehr als Zahlungsmittel einsetzen. Wie immer sind das Geplänkel und die fliegenden Funken davor für mich interessanter als der eigentliche Akt, aber Meljean Brook macht ihre Sache diesbezüglich ganz gut.

Alles in allem, eine Geschichte die Spaß macht, selbst wenn ich es Schade finde, dass der Stoff so kurz abgehandelt wird. Ivys und Ebens Geschichte hätte mit weniger Schnitten und etwas mehr Fokus auf die nichtromantische Handlung durchaus einen ganzen Roman füllen können.

Wertung: 4,0 (von 5,0 Punkten)

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