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Nostalgie: „Alanna von Trebond“ von Tamora Pierce

12. Januar 2011

Ich habe Alanna, die Heldin von Tamora Pierces vierteiliger Jugendfantasyreihe, mit 14 kennengelernt und sie war mir viele Jahre lang eine gute Freundin. Wieder und wieder habe ich die Bücher gelesen und mir irgendwann sogar die ersten zwei englischen Hörbücher (noch auf Kassette) besorgt. Nachdem ich der im Regal stehenden Alanna über Jahre nur nostalgische Blicke zugeworfen hatte, war es gestern soweit: Die Hörbücher wurden herausgekramt und ich habe mir die ungekürzte Lesung von Alanna – The First Adventure (deutsch: Die schwarze Stadt) gegeben.

1. Alanna. The First Adventure (Die schwarze Stadt)
2. In the Hand of the Goddess (Im Bann der Göttin)
3. The Woman Who Rides Like a Man (Das zerbrochene Schwert)
4. Lioness Rampant (Das Juwel der Macht)

Oft ist es ja so, dass solche Lieblingsbücher mit den Jahren ihren Zauber verlieren. Aber zu meiner Überraschung war das in diesem Fall keineswegs so, ich war schon nach wenigen Minuten wieder gefangen und habe wie früher mit den liebgewonnen Figuren mitgefiebert.

Für die, die die Reihe nicht kennen eine kurze Einführung:

Alanna und ihr Bruder Thom sind Zwillinge, aber sie sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Alanna liebt es, auf die Jagd zu gehen und sich von dem alten Krieger Coram das Kämpfen beibringen zu lassen und Thom beschäftigt sich lieber mit der Gabe, magische Kräfte, die beide Zwillinge in sich haben.
Als die beiden zehn Jahre alt sind, soll Alanna in die Klöster, lernen wie man eine Dame ist und Bücherwurm Thom soll am Hof des Königs zum Ritter ausgebildet werden. Man kann sich die Begeisterung der beiden vorstellen. Also kommt Alanna auf eine gewagte Idee: Sie schneidet sich die Haare und geht als Alan an den Königshof, während ihr Bruder zu den Klöstern reist, wo auch Magier ausgebildet werden.

Der Leser begleitet Alanna die nächsten zehn Jahre ihres Lebens. Es ist für mich eine der schönsten Geschichten über das Erwachsenwerden, die ich je gelesen habe. Alannas Weg ist nicht leicht, sie feiert Erfolge, muss aber auch viele Rückschläge einstecken, sie trifft auf Feinde, aber auch auf Freunde und Geliebte und vor allem lernt sie, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Auch jetzt, Jahre später, sehe ich noch, warum mir diese Reihe so gut durch die schwierigen Teeniejahre geholfen hat.
Alanna ist eine starke weibliche Figur und für mich eine der großartigsten Jugendbuchheldinnen überhaupt. Sie stur und weiß, was sie will, aber sie hat auch eine weiche Seite. Sie verliebt sich, aber sie verliert sich nie darin. Alanna ist keines dieser Mädchen, die den phantastischen Jugendroman dieser Tage viel zu oft bevölkern, die nur noch wie ein Satellit um ihren Geliebten kreisen und kein eigenes Leben mehr führen. Es gibt nicht die eine, unsterbliche Liebe: Alanna verändert sich, sie wächst und mit ihr auch ihre Beziehungen und Gefühle.

Obwohl die Serie ein einer sehr einfachen Fantasywelt spielt, die einem harmlosen Bildbuchmittelalter entspricht, fühlen sich die Konflikte der Protagonistin vergleichsweise realistisch an. Mir fiel beim erneuten Anhören auf, mit wie wenig Aufwand Tamora Pierce ihre Figuren oft nur durch ihr Verhalten und ihre Worte charakterisiert. Davon könnten sich viele Autoren eine Scheibe abschneiden.
Die Handlung der Bücher ist wie das Weltenkonzept eher schlicht, aber auch sehr dicht, was ich angenehm finde. Zu viele Autoren versuchen, einfache, geradlinige Geschichten auf zu viele Seiten aufzublasen (Hallo, Trudi Canavan…).

Für mich ist und bleibt es eine Wohlfühlreihe, an der ich auch weit jenseits des Teeniealters noch Spaß habe.

Ich überlege gerade stark, ob ich mir ein Audible-Abo leiste, um an die letzten zwei englischen Hörbücher zu kommen. Ein Reread meiner deutschen Ausgaben schließt sich leider aus. Mittlerweile bin ich durch das viele Englischlesen ein kleiner Snob geworden, dem sich beim ersten Blick auf die deutsche Übersetzung die Zehennägel aufrollten.

One Comment leave one →
  1. 9. November 2011 19:27

    Ich lese gerade mein zweites Buch von Tamora Pierce, Bloodhound, und bin begeistert. Buch 1 in der Alana – Serie habe ich mir auch gleich zugelegt. Ich bin richtig happy diese tolle Autorin endlich entdeckt zu haben.

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