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Diana Wynne Jones ist tot

27. März 2011

Dass  die Kinder- und Jugendbuchautorin Diana Wynne Jones im Sterben liegt, das wusste ich schon seit einigen Monaten. Vor nicht ganz einem Jahr hat sie die Chemotherapie gegen ihre Krebserkrankung abgebrochen und die Ärzte prognostizierten ihr, dass sie nur noch wenige Monate zu leben habe. Es gab eine schöne Aktion von Fans, ihr Briefe zukommen zu lassen, was wohl auch zahlreich genutzt wurde. Gestern ist sie nun im Alter von 76 Jahren gestorben, wie ich gerade bei den Booksmugglers und auf anderen Blogs gelesen habe.
Hier in Deutschland ist Diana Wynne Jones nicht ganz so bekannt, aber für mich ist und bleibt sie eine der wichtigsten Autorinnen meiner Kindheit. Auch wenn ich lange nichts mehr von ihr gelesen habe, ich habe die meisten ihrer Bücher in sehr warmer Erinnerung und ich merke, dass mich diese Nachricht, obwohl sie abzusehen war, doch sehr trifft.

Eigentlich bringt es mich immer zum Augenrollen, wenn sich pünktlich zum Tod eines Künstlers alle Welt auf dessen Werke stürzt, obwohl sie die meisten vorher nicht interessiert haben. Es gibt keinen schlechteren Anlass, um zum Lesen eines Buchs animiert zu werden, als den Tod seines Autors. Aber, und ich verspreche, das bleibt mein einziger salbungsvoller Phrasen-Moment, irgendwie leben Schriftsteller durch ihre Werke auch weiter und es gibt keine schönere Art sich an sie zu erinnern als noch einmal in ihren Bücher zu schmökern.

Deshalb hier ein kleiner Überblick für alle, die sich auch erinnern wollen oder noch gar keine Bekanntschaft mit dieser wunderbaren Autorin gemacht haben. (Ich werde in den meisten Fällen wenig Eigenes zum Inhalt sagen können, weil es teilweise 15-20 Jahre her ist, seit ich diese Bücher gelesen habe und bei mir nur noch emotionale Eindrücke geblieben sind.)

Mein absolutes Lieblingsbuch der Autorin ist Feuer und Schierling (=Fire and Hemlock). Es ist ein Jugendbuch (etwa ab 14), das mich fasziniert hat wie kaum ein anderes. Es geht im die neunzehnjährige Polly, die im Haus ihrer Großmutter ein altes Bild wiederentdeckt, das sie an etwas erinnert, was beinahe zehn Jahre zurückliegt: Damals lernte die Thomas Lynn kennen, einen erwachsenen Mann, mit dem sie sich anfreundete. Wenn sie mit ihm zusammen war, erfanden sie Geschichten, deren Helden sie selbst waren (ein wenig wie in einem Rollenspiel). Realität und Phantasie vermischten sich immer mehr und die Lage wurde schließlich regelrecht bedrohlich. Polly kann sich nicht erinnern, was damals aus Tom geworden ist und warum sie sich erst jetzt erinnert, also macht sie sich auf die Suche nach ihm…
Es ist eine großartige Geschichte über das Erwachsenwerden und den Verlust der Phantasie und der Fähigkeit, das Magische in den Dingen zu sehen. Ein rätselhaftes, aber gerade deswegen sehr faszinierendes Buch, das ich sicher bald noch einmal lesen werde.

Sophie im Schloss des Zauberers (=Howl’s Moving Castle) ist ein Märchen, das hier vor allem durch den tollen Anime von Hayao Miyazaki Das wandelnde Schloss bekannt geworden ist.
Es geht um die junge Hutmacherin Sophie, die von einer bösen Hexe in eine alte Frau verwandelt wird. Um diesen Fluch wieder loszuwerden, geht sie auf die Reise und trifft auf den berüchtigten Zauberer Howl und sein wandelndes Schloss.

Die Chrestomanci-Romane waren der Harry Potter meiner Kindheit. Auch hier geht es um Hexen und Zauberer und kleine magische Absurditäten. Die Romane wurden in Deutschland ursprünglich bei Dressler verlegt und im Zuge des Potter-Booms von Carlsen noch einmal neu aufgelegt (sind mittlerweile aber auch vergriffen). Mein Lieblingsroman der Reihe war: Wir sind aufs Hexen ganz versessen (= Neun Leben für den Zauberer = Charmed Life), in dem es um zwei Waisenkinder geht, die bei einem Magier aufgenommen und von ihm unterrichtet werden. Es gibt 4 weitere Romane. Einen Überblick gibt es bei Wikipedia.

Mein Lieblingsbuch als Kind war Der Fluch des Ringes (=Power of Three). Vor kurzem hatte ich den Finger schon auf dem Bestell-Button, als ich entdeckte, dass es davon zumindest eine englische Neuauflage gibt. Ich kann mich nur noch erinnern, dass es um die Kinder verfeindeter Stämme in einem Moor geht, die durch ein bestimmtes Ereignis zusammenfinden und sich anfreunden. Den englischen Klappentext kann man hier lesen.

Ich habe noch eine Reihe anderer Bücher der Autorin gelesen und in meinen Regalen stehen, aber das sind die, die mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben sind.

6 Kommentare leave one →
  1. 28. März 2011 08:54

    Achje, die Nachricht macht mich unheimlich traurig! Mir ist die Autorin hier und da immer mal wieder empfohlen worden. „Feuer und Schierling“ kannte ich noch nicht, es klingt aber sehr interessant.
    Ich glaube aber, dass sie auch Bücher für ältere Leser geschrieben hat.

  2. 28. März 2011 09:06

    Ja, hat sie, aber nicht viele, glaube ich. Drei davon habe ich auch im Regal stehen, aber bislang sind sie noch ungelesen, deshalb tauchen sie in der Übersicht hier nicht auf.

  3. 28. März 2011 11:46

    Das hab ich gestern auch gelesen😦 Ich habe bisher nur Howl’s Moving Castle von ihr gelesen, aber viele ihrer anderen Bücher stehen schon lange auf meiner Wunschliste. Sie hat doch letztes Jahr sogar noch ein neues buch herausgebracht oder?

    • 28. März 2011 13:36

      Ja, „The Enchanted Glass“. Das hatte ich mir noch gar nicht genauer angesehen.

  4. 9. April 2011 09:39

    oh, das ist traurig zu lesen. Ich möchte ihre Werke. War kein Fan im klassischen Sinne, aber ihre Titel haben mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Sie schrieb Bücher, die im Herzen berühren …

  5. Missi permalink
    26. Juni 2011 19:13

    Sophie im Schloss des Zauberers und Feuer und Schierling habe ich auch, letzteres erst gerade gelesen. Ich bin vor einigen Wochen mehr oder weniger zufällig auf Wikipedia gekommen und habe dort gelesen, dass D.W. Jones dieses Jahr gestorben ist. Es ist immer traurig, wenn jemand gehen muss. Aber immerhin hat sie wundervolle Werke der Nachwelt hinterlassen und somit bleibt sie länger in Erinnerung, als die meisten anderen Menschen…

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