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[Rezension] Caitlin Kittredge: The Iron Thorn

17. April 2011

There are seventeen madhouses in the city of Lovecraft. I’ve visited all of them.


Autor: Caitlin Kittredge

Titel: The Iron Thorn

Reihe: The Iron Codex, Band 1

Verlag: Delacorte Books, 2011

ISBN: 0385738293

Seiten: 492

Preis: ca. 15 Euro

Besonderheiten: Bislang keine deutsche Übersetzung angekündigt

Die Versuchung: Wie man an diesem Eintrag sieht: Dieses Buch war einfach zu hübsch, um es nicht zu kaufen. Abgesehen davon, klang es natürlich auch inhaltlich gut.

Was habe ich erwartet: Ich hatte ehrlich gesagt keine großen Erwartungen und gemischte Gefühle im Bezug auf dieses Buch. Ich habe bereits vorher etwas von Caitlin Kittredge gelesen, ihren UF-Roman „Night Life“, und bei der Hälfte abgebrochen.

Was habe ich bekommen: Ein sicher wenig massentaugliches, sehr atmosphärisches Buch, vollgestopft mit Ideen und Motiven aus Mythologie, Schauerliteratur und Steampunk.

Aoife lebt in Lovecraft, einer Stadt, die von Technik und Vernunft regiert wird. Der Verstand ist das wertvollste Gut in Lovecraft, denn ein Nekrovirus befällt immer mehr seiner Bewohner und treibt sie in den Wahnsinn. Für Aoife ist diese Bedrohung erschreckend nah: Sowohl ihre Mutter als auch ihr Bruder verloren an ihrem 16. Geburtstag den Verstand und sie selbst ist nur noch wenige Wochen von diesem Zeitpunkt entfernt.
Eines Tages erhält sie einen verzweifelten Hilferuf von ihrem Bruder Conrad. Sie soll das „Witch’s Alphabet“ finden. Magie und Aberglaube sind aber in Lovecraft verboten, ihre Anhänger werden von den Aufsichtsbehörden verfolgt und öffentlich hingerichtet. Deshalb weiß Aoife, dass es ihren Tod bedeuten kann, als sie sich gemeinsam mit ihrem besten Freund Cal und dem schlitzohrigen Dean auf die Suche nach ihrem Bruder macht. Aber wer den Wahnsinn vor Augen hat, der hat nicht mehr viel zu verlieren. Zumindest glaubt sie das.

Bei diesem Buch weiß man kaum wo man anfangen soll. Es ändert seine Richtung mehr als einmal und ist so voll von Motiven und Ideen, dass man kaum weiß, wie man es fassen soll.

Das beste an „The Iron Thorn“ sind für mich die düstere Atmosphäre und die Schauplätze: Da ist die eiserne Stadt Lovecraft mit ihren Irrenhäusern, angetrieben von riesigen Maschinen und bestimmt von der paranoiden Angst vor und der Verfolgung von Magie und Aberglauben. Später betreten wir mit Aoife das Haus ihres Vater, das vor dunklen Geheimnissen nur so strotzt und dessen eisernes Innenleben so schauerlich wie faszinierend gleichermaßen ist.
Diese Dinge habe ich geliebt. Atmosphärisch ist es, als wäre dieses Buch genau für mich geschrieben worden. Düster, fast schon melancholisch, aber auch bedrohlich und rätselhaft. Einfach toll.
Sprachlich schlägt Kittredge in ihren mehr oder weniger poetischen Beschreibungen manchmal ein wenig über die Stränge, vieles fand ich aber sehr schön und passend zur Stimmung des Romans.

Die Figuren waren die Sache, bei der ich zu Beginn die meisten Bedenken hatte. Immerhin waren die Charaktere der Grund für mich, mein erstes Kittredge-Buch abzubrechen. Die Bemühungen, ihre Heldin so tough wie nur möglich wirken zu lassen, wirkten damals angestrengt und machten sie unglaubwürdig und vor allem unsympathisch.
Tendenzen davon habe ich auch bei Aoife gesehen, die mir in so mancher Situation ein wenig zu kaltblütig ist. Aber: Ich bin so froh, mal wieder ein starkes Mädchen als Heldin eines Roman zu haben. Eine, die sich mit Technik beschäftigt, eine die sich nicht ständig von ihren männlichen Begleitern beschützen lässt und eine, die nicht zwischen zwei Jungs hin und her wabert, weil sie ganz gut weiß was (oder wen) sie will und es sich auch eingesteht, statt sich mädchenhaft zu zieren. Lieber ein wenig zu stark als noch eines dieser schwachen Mädchen, die ständig über ihre eigenen Füße fallen und nur für ihr männliches Anhängsel leben. (Ich habe generell kein Problem, ab und an mal so eine Heldin zu haben, aber ihre inflationäre Verbreitung in der heutigen Jugendliteratur kotzt mich, mit Verlaub, an).
Ich mag auch Dean, ihren etwas zwielichtigen Führer mit der großen Klappe und einer guten Portion Charme. Unerträglich nervig ist dagegen Cal, der nur am Jammern und Meckern ist, aber auch mein Bild von dieser Figur hatte sich zum Ende hin ein wenig verändert. Gefühle entwickelt Aoife letztlich nur für einen der beiden und es ist wohltuend zu sehen, wie unaufdringlich aber deutlich, mit kleinen Gesten und Blicken diese Romanze eingeleitet wird. Sie bleibt im Laufe des Romans absolut im Hintergrund. Keine ewige Liebe auf den ersten Blick, um die sich die ganze Geschichte dreht, sondern Sympathie und wachsende Gefühle am Rande eines gefährlichen Abenteuers. Auch das fand ich sehr angenehm.
Alles in allem sind es keine Figuren, die mir extrem ans Herz gewachsen sind, das ist noch immer nicht Kittredges Stärke. Aber es sind immerhin Charaktere mit denen ich gerne ein Abenteuer erlebt habe und die ich gerne wieder begleite.

Die Handlung ist ungewöhnlich und ändert oft ihre Richtung. Gerade wenn man denkt, man weiß, warum es in dem Roman geht, passiert etwas und man hat plötzlich das Gefühl in einer neuen Geschichte zu stecken. Die knapp 500 Seiten haben zwar durchaus ihre Längen, die überraschenden Wendungen entschädigen aber dafür.
Man muss allerdings gerade gegen Ende aufpassen, dass man nichts verpasst und sich nicht verwirren lässt. Mit Erklärungen wird sich generell nicht lange aufgehalten, – was ich im Grund begrüße, nichts nervt mehr als fortwährendes Infodumping – man muss selbst sehen, dass man die Welt und die ganzen Zusammenhänge versteht. Bei mir bleiben einige Fragezeichen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie tatsächlich nicht beantwortet wurden oder ob ich einfach nur etwas überlesen und falsch verstanden habe. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass mit der Autorin bei diesem Buch ein wenig die Pferde durchgegangen sind und an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre.
Das Ende ist teilweise offen. Zwar wird Aoifes Mission größtenteils beendet, das stößt aber neue Dinge an, um die es in einem weiteren Band gehen wird, für den es noch keinen Erscheinungstermin gibt.

Kein Buch für Leute, die gerne alle Fragen beantwortet haben, aber eines für Leser, die es ungewöhnlich, düster und rätselhaft mögen. Eines zumindest kann man Caitlin Kittredge nicht vorwerfen, nämlich, dass sie keine Ideen hätte.

Eine US-Rezensentin hat es gut ausgedrückt, als sie meinte, dass sie das Buch lieben wollte, es am Ende aber nur mögen konnte. Genauso geht es mir auch. Ich mag „The Iron Thorn“.

Wertung: 4,0 (von 5,0)

4 Kommentare leave one →
  1. 5. Mai 2011 06:53

    Ich bin gerade dabei mich durch die Hörbuchversion von „The Iron Thorn“ zu hören und ich muss wirklich verdammt gut aufpassen, dass mir nichts entgeht. Trotzdem finde ich das Buch bisher aber sehr interessant und gut. Mal sehen, ob das so bleiben wird.

    • 5. Mai 2011 08:54

      Das kann ich mir vorstellen, ich habe das Buch ja auch eher häppchenweise gelesen.
      Ich bin gespannt, wie am Ende dein Gesamturteil aussieht.

  2. 22. September 2014 11:03

    Ich musste gerade stutzen als ich den Namen „Aoife“ gelesen haben…da wurde die Protagonistin bei der Übersetzung doch tatsächlich umbenannt😀

    Mich hat vor allem irritiert, dass man bei dem Buch lange Zeit nicht weiß, wo man es zeitlich anzusiedeln hat. Diese Steampunk-SciFi-Fantasy-Mischung war an sich echt cool, aber ich hab schon gerne einen Rahmen..also, entweder muss ich von Anfang an wissen, dass es eine komplett andere Welt ist oder ich will wenigstens ein ungefähres Datum😀 sonst kann ich mir so ein Setting echt schwer vorstellen.

    Lieben Gruß

    Rica

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