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[Rezension] Amber Kizer: Meridian – Dunkle Umarmung (Fenestra #1)

11. Juli 2011
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„Die Insekten waren die ersten, die zu mir kamen; am Morgen, nachdem meine Eltern mich aus dem Krankenhaus nach Hause brachten, mussten sie tote Ameisen aus meinem Tragekörbchen befreien. „Tot“ war das erste Wort, das ich lernte.“

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.Autor: Amber Kizer

Titel: Meridian – Dunkle Umarmung

Reihe: Fenstra, Band 1

Verlag: PAN, 2009

Seiten: 346

ISBN: 3426283018

Preis: 12,95 €

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Die Versuchung: Das Buch bekam ich im letzten Jahr geschenkt. Eine Leseliste, auf die ich es gesetzt hatte, hat mich dazu motiviert es zu lesen (sonst wäre es wohl im Regal verstaubt).

Was habe ich erwartet: Ich bin mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen. Die Grundidee klang interessant und die Rezensionen waren überwiegend gut, aber da ist auch noch meine „Igitt, ein romantischer paranormaler Jugendroman“-Phase, die einfach nicht enden will.

 Was habe ich bekommen: Einen Roman, wie man ihn flacher nicht hätte schreiben können. Unterentwickelte, eindimensionale Charaktere stolpern durch einen ungeschickt konstruierten Plot und verbreiten nichts als Langeweile.

Schon immer war Meridian klar, dass sie anders ist. Kleine Tiere scheinen sich von ihr angezogen zu fühlen und sterben in ihrer Nähe. Die ganzen 16 Jahre ihres Lebens ist der Tod Meridians ständiger Begleiter. Bis zu dem Tag, an dem die Anrufe beginnen und ihre Eltern anfangen, sich seltsam verhalten. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse und Meridian wird weit weg zu ihrer Tante geschickt. Dort erfährt sie, was wirklich mit ihr los ist: Sie ist eine Fenestra, halb Engel, halb Mensch, die Sterbenden als Tor ins Jenseits dienen. Während Meridian noch versucht, sich mit dieser Enthüllung abzufinden, wartet schon der nächste Schrecken: die Fenestra haben mächtige Gegenspieler und die haben bereits Meridians Fährte aufgenommen …

Meine erste Rezension zu diesem Buch war eine reine Meckerorgie, also ging ich noch einmal in mich und versuchte dem Roman doch noch etwas Positives abzugewinnen.
Viele Rezensenten haben den Roman als berührend und poetisch beschrieben und ich habe wirklich versucht, das zu sehen. Aber sehe nur ein Buch, das ein Thema anschlägt, das man durchaus mit Tiefgang behandeln kann, genau das aber nicht tut.

Von Anfang an fühlte ich mich von diesem Roman auf Distanz gehalten, alles wurde schön oberflächlich erzählt, nie wurde das Geschehen lebendig vor meinen Augen. Das liegt unter anderem daran, dass die Autorin wirklich nur „erzählt“ und nicht „zeigt“. Sie neigt eher dazu, einfach Adjektive statt lebendiger Beschreibungen zu wählen und das macht den Text ziemlich flach. Mein Lieblingssatz, der ihre Art zu schreiben ziemlich gut demonstriert: „Ich aß einen Keks, der wirklich sehr lecker schmeckte.“ (S.181)
Unterstützt wird das noch von den unausgereiften Charakteren. Da ist die gütige Tante, der gutaussehende anfangs abweisende, irgendwie geheimnisvolle Junge, der die Rolle des Beschützers und Love Interests zu spielen hat, Meridian selbst natürlich und ein Pappkamerad von einem Bösewicht. Sie alle werden von der Autorin so durch die Geschichte gelenkt, wie sie es gerade braucht, was nicht immer in einem plausiblen oder glaubwürdigen Verhalten resultiert.
Entsprechend bleiben einem die Figuren immer etwas fremd und auch der obligatorischen Liebesgeschichte fehlt es an Gefühl und dem nötigen Knistern.

Was mich aber vor Frust fast in die Buchkante beißen hat lassen, war der plumpe, durchschaubare Plot und die vielen logischen Fehlerchen und Ungereimtheiten. Da wohnt die Tante, ebenfalls eine Fenestra, ihr halbes Leben lang in diesem Häuschen in einem Dorf, wo sich mindestens einer ihrer Feinde niedergelassen hat. Aber erst, als Meridian kommt, werden die Gegenspieler aktiv. Wenn sie doch das Ziel haben, alle Fenestra um die Ecke zu bringen, warum haben sie sich die alte Frau in all den Jahren nicht geschnappt? Vor allem bevor sie ihrer Nichte etwas beibringen konnte. Und wenn, wie die Tante sagt, noch nie eine Fenestra die Begegnung mit den Bösen überlebt hat, wundert es mich umso mehr, dass die zu so ineffektiven Mitteln greifen, um Meridian zu schaden.
Wann immer man beginnt, mehr über das, was gesagt und erzählt wird, nachzudenken, kommt man an den Punkt, an dem man merkt, dass das alles nicht so wirklich funktioniert, weil die Geschichte schlicht nicht durchdacht ist. Plump werden Handlungselemente aneinandergereiht, egal ob sie wichtig sind für die Gesamthandlung oder sich logisch einfügen. Von den glücklichen Fügungen, die die brenzlige Situation am Ende lösen, will ich gar nicht erst anfangen.

All das resultiert in frustrierender Langeweile beim Lesen. Mir fällt tatsächlich nichts an diesem Buch ein (abgesehen vielleicht von der Ausstattung und der Grundidee), das ich gut fand. Ich kann mich einfach nicht dafür begeistern, wenn ein paar unausgereifte Figuren endlose, sich nicht selten widersprechende und sich vor allem wiederholende Dialoge führen, in die ein paar plumpe Weisheiten über das Leben und den Tod und Gott und die Welt eingeflochten sind. Vor allem dann nicht, wenn die Konstruktion der Handlung ebenfalls so große Schwächen aufweist.

Mal wieder ein PAN-Buch, das sich für mich als nichts als heiße Luft in hübscher Verpackung erweist. Ich glaube, ich sollte mich von dem Verlag einfach fernhalten, sein Programm und ich, wir harmonieren nicht.
Auch von der Übersetzerin werde ich mich übrigens fernhalten. Von Anfang an gefiel mir die Sprache nicht, die ich irgendwie als steif und in der Wortwahl manchmal als unpassend empfand. Mir fiel ein, dass mich ähnliche sprachliche Eigenheiten schon in einem anderen Buch gestört hatten und musste feststellen, dass es tatsächlich die gleiche Übersetzerin war.

Wertung: 1,0 von (5 Punkten)

5 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2011 10:04

    Da hab ja selbst ich das Buch besser bewertet mit 5/15 Punkten!😉

    Ich versteh aber trotzdem ganz genau, was du meinst, ich war von diesem Buch auch maßlos enttäuscht und fand es in sich furchtbar unlogisch. Und was deine Kritik an der Sprache angeht, kann ich ebenfalls nur zustimmen, ich fand die stellenweise auch extrem unpassend. Ob das aber nun an der Übersetzung liegt oder ob die Sprache schon im Original so „unauthentisch“ ist, weiß ich natürlich nicht …

    • 11. Juli 2011 11:00

      Hätte es mich nicht gar so genervt und gelangweilt, hätte es vielleicht auch ein Pünktchen mehr gegeben, es ist ja immerhin lesbar. Aber diese Punkte sind ja eher mein emotionales Urteil und da konnte ich mich einfach nicht dazu bewegen, mehr zu vergeben.

      Vermutlich ist die seltsame Sprache ein Resulat von Original und Übersetzerin gemeinsam. Aber zum Beispiel bei diesem ständigen „Was wird hier gespielt?“ (Es hat mich wahnsinnig gemacht!), bin ich mir ziemlich sicher, dass die Übersetzerin ihre Finger im Spiel hat. Zumal eine Übersetzung derartige Schwächen ja ausgleichen könnte.

  2. 11. Juli 2011 11:48

    Ich finde es völlig in Ordnung, dem Buch nur 1/5 Punkten zu geben!😉

    Ja, dieses „Was wird hier gespielt?“ fand ich auch unfassbar. Hatte ich ja auch in meiner Rezension erwähnt – da fuchtelt „Die Tante“ auf einmal in heller Aufregung mit dem Schrotgewehr rum, und Meridian sagt: „Was wird hier gespielt?“ Das ist einfach albern!

  3. 14. Juli 2011 14:30

    Das Cover kommt mir irgendwie bekannt vor; ich glaube, ich habe es erst kürzlich auf der LBM und im Buchladen gesehen.
    Schade, dass das Buch so platt ist, denn das Cover gefiel mir. Aber das ist wohl auch der Sinn davon.
    Für mich hätte Twilight auch nichts getaugt, wenn ich es auf Deutsch gelesen habe. Ich fühlte mich für die Wortwahl und den Schreibstil zu alt. Zu simpel. Aber ich habe es zufällig und unabhängig von dem Hype irgendwann in unseren Fantasy-Buchlädchen entdeckt und es aufgrund des simplen Covers gekauft.
    Vielleicht hätte dir daher das Buch besser gefallen, wenn du in Original gelesen hättest😉 Hast du wohl deshalb nicht, weil du’s geschenk bekommen hast, schätze ich mal, oder?

    Jedenfalls, danke für die Rezension, ich werde bei Gelegenheit mal reinlesen, ob’s wirklich so schlimm ist. ^^
    Liebe Grüße!

    • 14. Juli 2011 14:49

      Bei Twilight finde ich es eigentlich gar nicht so schlimm. Den ersten Band hatte ich als Vorabexemplar in der Arbeit bekommen. Die weiteren habe ich auf Englisch gelesen und hatte das gefühl, dass die Übersetzerin zumindest Frau Meyers Hang zu den ewig gleichen Wörtern ein wenig ausgeglichen hat.
      Aber es stimmt schon, die Übersetzung kann generell viel ausmachen. Leider war bei Meridian ja nicht nur die Sprache schlecht, das kann nicht allein die Übersetzung gewesen sein, es sei denn, die Übersetzerin hätte eigentständig ein völlig neues Buch geschrieben.😉

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