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Kdrama – 1. Halbjahr 2011

1. August 2011

Für alle Interessierten und Neugierigen fasse ich hier meine Eindrücke zu den in diesem Jahr bislang gelaufenen und von mir begutachteten Kdramas in Minirezensionen zusammen. Es sind eine ganze Menge geworden, weil ich in der ersten Jahreshälfte viel Ablenkung brauchte und einen großen Teil meiner Freizeit aufs Dramagucken verwendet habe. Ich habe 8 Serien vollständig gesehen, 2 angefangen und 2 abgebrochen, das ist mehr als ich sonst manchmal im ganzen Jahr gesehen habe.

 

Secret Garden (시크릿 가든)

SBS, 20 Episoden (13. November – 16. Januar), DramaWiki

Das Jahr begann mit den letzten Folgen der 2010 begonnenen tragisch-komischen Fantasy-Romanze Secret Garden. Die Geschichte vom neurotischen Firmenboss, der sich in eine Stuntfrau verliebt und aufgrund unglücklicher magisch-mystischer Verkettungen den Körper mit ihr tauscht, konnte mich zunächst so gar nicht reizen. Ich hasse Körpertauschgeschichten. Aber kaum hatte ich Secret Garden eine Chance gegeben, war ich hin und weg. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, mal zum Schreien komisch, mal beängstigend und tragisch und die meiste Zeit sehr emotional. Das besondere Highlight ist Hauptdarsteller Hyun Bin, dessen Reiz ich nie wirklich begreifen konnte, bis ich ihn in der Rolle des exzentrischen Kim Joo Won gesehen habe, die er einfach großartig spielte. Nie wurde ein funkelnder Trainingsanzug mit so viel Würde getragen.

Die erste Hälfte der Episoden war richtig großartig, man fieberte mit und entwickelte mit anderen Fans Theorien: Was die genauen Ursachen für den Körpertausch wären, was das Moment, das ihn auslöst und nicht zuletzt, ob es ein Happy End gibt oder ob mindestens einer unserer Helden am Ende dahingerafft wird.

Ab der Hälfte begann das Drama aber seinen Glanz zu verlieren. Konflikte wurden zu weit hinausgezögert, es wurde klar, dass die Geschichte in den üblichen 16 statt in 20 Folgen besser erzählt gewesen wäre.

Die Auflösung das Hauptkonfliktes war halbgar, teilweise beinahe unlogisch und so verpuffte die ganze aufgebaute Erwartung mit einem Mal. Außerdem merkte man zum Ende den Zeitdruck, denn die letzten Folgen sahen etwas stümperhaft aus, was Effekte und Schnitt anging (zur Erklärung: diese Art Serien wird meist noch während der Ausstrahlung gedreht, um auf Publikumsreaktionen eingehen zu können.  Das Ergebnis sind immer mal wieder schlecht produzierte hintere Folgen, bei denen man manchmal die Augenringe der Schauspieler auch durch die dicke Schminke sieht). Alles in allem hätte Secret Garden mein neuer Favorit werden können und war am Ende nichts als eine Enttäuschung.

Ein netter Nebeneffekt: Die Serie spielt mit Elementen der „Kleinen Meerjungfrau“ und „Alice im Wunderland“. Sie löste so eine Begeisterung in Korea aus, dass es „Alice im Wunderland“ zur Zeit der Ausstrahlung auf Platz 2 der südkoreanischen Bestsellerliste schaffte. Das muss bei uns erst mal eine TV-Serie hinkriegen. Und Joo Wons glitzernde Trainingsanzüge werden wohl noch über Jahre ein gern gesehener Running Gag bleiben …

Dream High (드림하이)

KBS2, 16 Episoden, (03. Januar – 28. Februar), DramaWiki

Dream High erzählt eine sehr einfache, altbewährte Geschichte: Sechs sehr unterschiedliche junge Menschen besuchen eine Musikschule und träumen alle von der großen Karriere. Bis es aber soweit kommt, muss noch so mancher Konflikt durchgestanden und sich charakterlich weiterentwickelt werden.

Was erst ein Lückenfüller für mich war, entwickelte sich zur positiven Überraschung. Zwar konnte die Serie nie komplett mein Herz erobern, aber sie überraschte mich mit sehr individuellen, gut durchcharakterisierten Figuren, die alle eine Entwicklung im Lauf der Serie durchmachen, und vor allem mit einem sehr soliden Skript, das bis zur letzten Folge keine Schwächen zeigte. Die Schauspieler der Jugendlichen waren zum Teil koreanische Popsternchen, entsprechen waren sie nicht alle die größten Schauspieler, aber das störte gar nicht so sehr, teilweise spielte man sogar gekonnt mit dieser Schwäche.

Ich empfand die „Dream High“ als deutlich herzlicher und authentischer als die amerikanische Disney-Produktion „High School Musical“, die sich bei dem Thema zwangsläufig als Vergleich aufdrängt. Alle Figuren, selbst die Lehrer, wuchsen mir sehr ans Herz und ich habe jede Woche wieder gerne zugesehen.

Kein dauerhafte Liebling, dafür kann ich mich für das Thema nicht genug begeistern, aber definitiv das erste kleine Highlight 2011.

My Princess (마이 프린세스)

MBC, 16 Folgen, (05. Januar – 24. Februar), DramaWiki

Oh, Kitsch schwere Not, bei My Princess versprachen die Promobilder eine wahre Saccharinbombe.

Die Geschichte ist auch schnell erzählt: Junge, unbekümmerte Studentin aus einfachen Verhältnissen erfährt, dass die die letzte Nachkommin der Königsfamilie ist. Ein greiser Millionär, der eine alte Schuld zu begleichen hat, will ihr ein Krönchen aufsetzen und erwirkt deshalb eine Volksabstimmung zur Einführung einer konstitutionellen Monarchie. Sein Enkel, ein Diplomat, soll die Prinzessin in Ausbildung betreuen. Nur blöd, dass die beiden zuvor einige etwas unangenehme Zusammenstöße hatten. Den Rest kann man sich denken.

Eine zumindest zu Beginn locker-flockige Romantic Comedy mit zwei sehr charmanten Hauptdarstellern, die gut miteinander harmonierten. Leider verlor sich das mit der Zeit ein wenig, als sich dann doch bemerkbar machte, wie dünn die Story eigentlich ist. Nichtsdestotrotz nett anzusehen, wenn auch schnell wieder vergessen.

Royal Family (로열 패밀리)

MBC, 18 Episoden (02. März – 28. April), DramaWiki

Schwiegermütter können böse sein und in Korea gibt es offenbar die furchterregendsten von allen, glaubt man der Kdrama-Welt. Die Heldin dieser Serie ist mit einem ganz besonderen Exemplar dieser Spezies geschlagen. Schon nachdem sie in die Millionärsfamilie eingeheiratet hatte, musste sie mit Repressalien der ganzen Familie leben, aber nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes, ist sie ihrer Schwiegermutter schutzlos ausgeliefert. Ihr kleiner Sohn macht sie erpressbar und so kann sie sich kaum wehren, als man versucht, sie möglichst unschön loszuwerden. Zum Glück ist da noch ein junger Anwalt, dem sie einmal geholfen hat und der sich ihr emotional verbunden fühlt. Er schleust sich in die Familie ein und versucht ihr zu helfen, ihre Freiheit und ihre Rache zu bekommen.

Ich habe nur 6 Folgen gesehen, beabsichtige aber auf jeden Fall, den Rest noch nachzuholen. Ich mochte dass Beziehungs- und Intrigengeflecht, das sich in dieser Serie entfaltete. In jeder Folge wechselten die Positionen und neue Dinge wurden enthüllt. Nie konnte man sich sicher über die Motivationen einer Figur sicher sein. Selbst die Heldin selbst wirkt bisweilen etwas dubios in ihrem Vorgehen. Ich hoffe, dass mich der Rest genauso überzeugt.

49 Days (49일)

SBS, 20 Episoden (16. März bis 19. Mai), DramaWiki

49 Days erzählt von einer jungen Frau, Ji Hyun, die wenige Tage vor ihrer Hochzeit mit dem Auto verunglückt und danach im Koma liegt. Von einem Todesboten, dem Scheduler, erfährt sie, dass es ihr noch nicht bestimmt gewesen wäre zu sterben, ihr Unfall also im Plan des Schicksals nicht vorkam. Deshalb bekommt sie eine zweite Chance: Gelingt es ihr, innerhalb von 49 Tagen drei Menschen (Familienmitglieder ausgeschlossen) zu finden, die ehrliche Tränen um sie weinen, darf sie zurück ins Leben. Da Ji Hyun als Geist schlecht mit ihrer Außenwelt in Kontakt treten kann, darf sie für wenige Stunden am Tag den Körper einer anderen jungen Frau, Yi Kyung, übernehmen. Auf keinen Fall aber darf sie jemandem ihre wahre Identität oder ihren Auftrag enthüllen. Eines der ersten Dinge, die Ji Hyun herausfindet ist, dass nicht jeder Mensch, der vorgibt ein Freund oder Geliebter zu sein, es tatsächlich auch ist, es aber dafür andererseits Menschen gibt, die ihr Herz nicht offen mit sich herumtragen. Während dieser Zeit lernt Ji Hyun viel über ihre Mitmenschen, über sich selbst und auch über Yi Kyung, die Frau, deren Körper sie nutzt und die seit dem Tod ihres Geliebten jeglichen Lebensmut verloren hat.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich mit einer Freundin nach den ersten 3-4 Folgen unterhalten habe und wir meinten, das einzig Interessante an der Serie sei der Scheduler und sonst sei das alles eine vorhersehbare Sache. Der Scheduler, grandios gespielt von Mädchenschwarm Jung Il Woo, eine Art exzentrischer Tod, der den klapprigen Gaul gegen ein Bike, die Sense gegen eine Gitarre und das Stundenglas gegen ein Smartphone eingetauscht hat, ist tatsächlich eins der Highlights der Serie. Aber sonst irrten wir uns, denn ab Folge 5 startete 49 Days richtig durch. Mit einem Mal entfaltete sich ein spannendes emotionales Geflecht zwischen Figuren, die alle ihre eigenen Geheimnisse und Motivationen hatten. In jeder Folge gab es Wendungen und Enthüllungen, die die Geschichte vorantrieben und eine enorme Sogwirkung entfalteten. Selbst die Bösewichte waren irgendwie noch menschlich und die Guten, wie Ji Hyuns herzzerreißend grummeliger Verehrer Han Kang, der die Herzen der weiblichen Zuschauer im Sturm eroberte, gewann man schnell lieb.

Spannend war auch zuzusehen, wie die beiden Frauen, die ja nie direkt miteinander kommunizieren können – Yi Kyung weiß zunächst ja nichts von ihrer „Mitbewohnerin“ -, plötzlich beginnen, eine Beziehung zueinander aufzubauen. So muss nicht nur Ji Hyun einen Weg zurück ins Leben finden, sondern auch Yi Kyung.

Viele Zuschauer sagten hinterher, die Serie habe sie nachdenklich gemacht, über das Leben und den Tod und das, was wirklich wichtig ist. Ich muss sagen, mir ging es nicht so. Sicher, man kann nicht leugnen, dass das zu den Hauptthemen der Serie gehört, aber diese Art von Weisheiten und Erkenntnissen sind jetzt auch nicht so arg neu.

Die Serie hatte natürlich auch ihre Schwächen. Teilweise betätigten sich die Figuren beinahe schon als chronische Lauscher und Stalker und wurden dabei nie entdeckt, was zum Ende hin beinahe albern war. Einige Male erschließen sich die Figuren auch sehr unglaubwürdige Sachen von selbst. Aber abgesehen davon ist gerade der Mittelteil der Serie sehr gut.

Der Schluss ist Geschmackssache. Ich fühlte mich etwas betrogen um Erwartungen, die aufgebaut worden waren. Es machte auf mich den Eindruck, dass der Autor versuchte, sehr mutig und ungewöhnlich zu sein und deshalb etwas gemacht hat, was für mich vom Gefühl her nicht zum Rest passt. Ich kann verstehen, warum viele das Ende sehr passend finden, aber ich kann nicht leugnen, dass es mir die Serie verdorben hat. Bis ich die Rezension hier verfasst hatte, hatte ich keine positiven Erinnerungen an 49 Days. Erst beim Schreiben überfiel mich für einen Moment wieder die Begeisterung, die mich zu dieser Zeit für einige Wochen ergriffen hatte. Oh, Kang-aaaahhh!

Manny (매니)

tvN, 16 Episoden (13. April – 02. Juni), DramaWiki

Manny ist der zweite Lückenfüller des Jahres und bei weitem kein so befriedigender wie es Dream High war. Die Handlung ist schnell erzählt: Männliche Nanny zieht bei einer chaotischen alleinerziehenden Mutter und ihren zwei Kindern ein.

Eine Weile war es ein niedlicher Zeitvertreib, wie da jede Woche kleine Familiendramen gelöst wurden. Letztlich kristallisierte sich aber zu sehr das Muster „Kluger Mann erklärt dummer Frau, was sie in der Kindererziehung alles falsch macht“ heraus. Gah!

Irgendwo um Folge 12 habe ich die Sache abgebrochen und ich frage mich ernsthaft, warum ich überhaupt so lange durchgehalten habe.

Lie to me (내게 거짓말을 해봐)

SBS, 16 Episoden (09. Mai – 28. Juni), DramaWiki

Die größte Enttäuschung meines ersten Kdrama-Halbjahres war mit Sicherheit Lie to me. Dabei hatte ich mich so auf Hauptdarstellerin Yoon Eun Hye gefreut.
Die Story versprach im Vorfeld eine seichte, aber unterhaltsame Romantische Komödie:

Um sich von ihrer ehemaligen besten Freundin, die ihr ihre Jugendliebe ausgespannt und mittlerweile geheiratet hat, nicht ausstechen zu lassen, gibt die junge Beamte Ah Jung vor, ebenfalls verheiratet zu sein. Durch einen unglücklichen Zufall nimmt plötzlich jeder an, Hotelmanager Ki Joon sei ihr Angetrauter. Ah Jungs Groll ist groß genug, dass sie diesen Irrtum zunächst nicht aufklärt, immerhin ist Ki Joon ein so guter Fang, dass es ihrer Rivalin vor Neid die Tränen in die Augen treibt. Wenig später hat sie nicht nur einen wütenden Hotelmanager, sondern auch eine Klage am Hals. Aber die Natur der RomCom verlangt natürlich, dass aus hitzigen Streitgesprächen bald hitzige Küsse werden.

Als ich schon in der ersten Folge die Vorlauftaste betätigen musste, ahnte ich nichts Gutes. Und trotzdem fühlte ich mich von den ersten 8 Folgen gut unterhalten und hätte das Drama durchaus gegen seine, bereits zu diesem Zeitpunkt zahlreichen, Kritiker verteidigt. Zwar waren die Nebenfiguren so unterentwickelt, dass sie in langweiliger Belanglosigkeit verschwanden, aber das Hauptpärchen hatte eine phänomenale Chemie auf dem Bildschirm und die Kussszenen, die in koreanischen TV-Serien gerne mal sehr krampfig sind, waren wirklich nett. Dass die Autorin ein gutes Gespür für erfrischende und charmante Momente zwischen den beiden hatte, lenkte ein klein wenig davon ab, dass die Story sich nur im Schneckentempo bewegte und keinerlei interessante Entwicklungen oder Wendungen hatte.
Entsprechend war dann aber leider nach dem großen Geknutsche auch die Luft raus. Was macht man, wenn man sein Paar glücklich beisammen hat und die Lüge, der Aufhänger der Geschichte, auch enthüllt ist, aber noch 8 Stunden Sendezeit zu füllen sind? Genau, man zieht sich Konflikte an den Haaren herbei, bis das Verhalten aller Beteiligten irgendwann jeglicher Logik entbehrt. „Lie to me“ ist das klassische Beispiel eines nicht zu Ende gedachten Skripts. Wie kann man ein Drama mit 16 Folgen zu filmen beginnen, ohne zumindest grob den Plot geplant zu haben? Für einen zweistündigen Film wäre die Story ideal gewesen, für eine sechzehnstünde Serie fehlte es an allen Ecken und Enden.
Ab Folge 10 übernahm ein anderer Autor die Misere und danach ging es rapide bergab. Die erzwungenen Konflikte blieben, die Figuren verhielten sich plötzlich, als hätte man auch sie charakterlich ausgewechselt und statt frischer, charmanter Flirtszenen gibt es plumpe Kitschbomben, wie das entsetzliche Candle Light Dinner mit roter Beleuchtung. Geknutscht wird auch nicht mehr, weil sie nun plötzlich „Zeit braucht“. Warum auch immer. Diesen Satz kann man übrigens für so ziemlich alles benutzen, was in der zweiten Hälfte passiert: Der Chinese versteht plötzlich Koreanisch, obwohl er das einige Folgen vorher noch nicht konnte. Warum auch immer. Sie will ihn nicht. Und doch wieder. Und wieder nicht. Ah, und jetzt doch. Warum auch immer.
Ehrlich, ich mag Yoon Eun Hye sehr und für 8 Folgen habe ich den kleinen Leberfleck auf Kang Ji Hwans Nasenspitze angestarrt und mich gefragt, wieso er trotzdem (oder gerade deshalb) so verdammt sexy wirkt, obwohl ich nie etwas für den Mann übrig hatte; dieses Pärchen hat eine unglaubliche Bildschirmpräsenz, aber die Geschichte, die sie mir vorspielen mussten, war so sinnlos, unlogisch und platt, dass es irgendwann nicht mehr zu ertragen war und ich die letzten beiden Folgen nur noch als Inhaltszusammenfassungen zu mir genommen habe.
Egal wie toll das Pärchen ist, wenn das Skript, wie in diesem Fall, Schrott ist, ist das kein gutes Drama. Umso verwunderter macht es mich, dass gerade diese Serie einen unglaublichen Hype bei den Online-Fans ausgelöst hat, die teilweise auch noch versuchen in dieses Desaster etwas Tiefgründiges hineinzuinterpretieren. Ich kann ja durchaus noch verstehen, dass man trotz der vielen Schwächen Spaß an der Serie hat. Nur, immer wenn mir jemand erzählt, Lie to me wäre ein „gutes Drama“, dann möchte ich mit Ki Joons albernen Ansteckblümchen nach ihm werfen.

Best Love (auch: The Greatest Love) (최고의 사랑)

MBC, 16 Episoden (04. Mai – 23. Juni), DramaWiki

Eigentlich kümmere ich mich nicht viel um die Namen der Drehbuchautoren, mir fällt es schon schwer, mir die der Schauspieler zu merken, aber wenn der Name „Hong“ im Zusammenhang mit einem bevorstehenden Drama auftaucht, führe ich ein kleines Freudentänzchen auf. Die Schwestern Hong stehen seit 7 Jahren für zuckrige romantische Komödien, voller liebenswerter Charaktere, irrer Metaphern und Popkulturanspielungen.
Seinen Höhepunkt erreicht all das im diesjährigen Hong-Drama Best Love:

Der erfolgreiche Schauspieler Dokko Jin ist am Höhepunkt seiner Karriere angekommen: Seine Fans liegen ihm zu Füßen und sogar ein Angebot aus Hollywood ist in greifbarer Nähe. Er beherrscht das Spiel mit den Medien perfekt: Nach außen gibt es den noblen Strahlemann, tatsächlich aber ist er ein selbstverliebter Egomane.
Go Ae Joeng ist nahezu das Gegenteil davon. Vor zehn Jahren war sie Mitglied in einer äußerst erfolgreichen Girlband, die sich aber bald überraschend auflöste. Ae Joeng schob man damals die Schuld zu und sie blieb immer das Stiefkind der Medien. Heute ist sie das, was man bei uns einen Z-Promi nennen würde und tingelt durch alberne Spielshows. Auch sie kennt die Regeln der Branche, aber sie ist zu aufrichtig, um sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen.
Obwohl beide prominent sind, verkehren sie in völlig anderen Sphären und so braucht es erst einige Zustammenstöße, damit zwischen den beiden Funken fliegen. Und schließlich ist da auch noch der Arzt Pil Ju, der Kandidat in einer romantischen Spielshow ist, an der auch Ae Joeng teilnimmt, und der so toll ist, dass man ihn ständig bedauert, weil man weiß, dass die Netten das Mädchen ja doch nie kriegen.

Die Profession der Protagonisten ist natürlich perfekt für unendlich viele Anspielungen auf die koreanische Entertainment-Industrie, nicht zuletzt der glitzende Trainingsanzug aus Secret Garden hat hier einen Gastauftritt. Aber auch die negativen Seiten des launischen Medienzirkus‘ kommen im Verlauf der Geschichte voll zum Tragen. Vor allem Ae Joeng muss miterleben, wie sich die öffentliche Meinung immer wieder gegen sie richtet und sie weiß, dass es nahezu unmöglich ist, sich dagegen zu wehren.

Die Hongs sind ein Phänomen. Auf der einen Seite wirken ihre mit ungewöhnlichen Charakteren, irren Popkulturanspielungen und den mit eigentümlichen Metaphern gespickten Dialogen erzählten Geschichten fast comichaft. Und doch sind die Konflikte und Emotionen innerhalb der Handlung absolut nachvollziehbar, glaubwürdig und mitfühlbar. Nie haben sie das alles so auf die Spitze getrieben wie in „Best Love“. Hühner, Kartoffeln, Azaleen – einfach alles muss hier als Bild für den Ausdruck von Gefühlen herhalten und ich glaube niemand außer den Hongs hätte diesen Dingen etwas romantisches entlocken könnten.

Dokko Jin ist vielleicht der verrückteste Held, den ich je in so einem Format gesehen habe. Er ist alles andere als Traummann, aber in jedem Fall eine interessante Figur. In vielen Dingen ist er trotz seines Alters noch ein Kind und es ist spannend zu sehen, wie er langsam erwachsen wird, weil er plötzlich auf jemanden trifft, der ihm wichtiger ist als er sich selbst. Ae Joeng wirkt dagegen ziemlich erwachsen. Sie ist nicht vom Erfolg verwöhnt und musste lernen über den eigenen Schatten zu springen und Kompromisse zu machen. Sie scheint in sich selbst zu ruhen und einen nüchternen Blick auf die Welt zu haben. Interessant an ihr ist, dass sie lieber die ganzen albernen Spielshows und Demütigungen über sich ergehen lässt, statt sich aus dem Showgeschäft zurückzuziehen.

Der Plot des Dramas ist gewohnt sicher konstruiert und zeigt erst gegen Ende Schwächen, als zu viel Zeit für den Aufbau eines Konflikts verwendet wurde, der letztlich einfach nur verpuffte.

„Best Love“ ist vermutlich das am besten geschriebene und am besten gespielte Hong-Drama bisher. Interessanterweise – und ich weiß nicht so recht, woran das liegt – kann ich es nicht so lieben, wie es das vielleicht verdient hätte. In meinem internen Hong-Ranking landet es nur auf Platz 3, hinter „My Girlfriend is a Gumiho“ und „You’re Beautiful“.

Babyfaced Beauty (동안미녀 )

KBS2, 20 Episoden (02. Mai – 05. Juli), DramaWiki

Die 34jährige Lee So Young musste schon vor Jahren ihren Traum, Modedesignerin zu werden, aufgeben, um für ihre Mutter und ihre Schwester zu sorgen. Durch eine Verwechslung bekommt die sie Gelegenheit, als Jungdesignerin beim Label „The Style“ einzusteigen. Allerdings mit der Identität ihrer zehn Jahre jüngeren Schwester. Ihr jugendliches Ausssehen hilft ihr lange, diese Lüge aufrecht zu erhalten, aber die aufkeimenden Gefühle zu einem Kollegen und eine missgünstige Chefin lassen die Luft um So Young immer dünner werden.
„Babyfaced Beauty“ war mir zu Beginn etwas zu bemüht witzig, findet dann aber bald seinen Ton und liefert über seine 20 Folgen solide Unterhaltung, die nie langweilig wird. Jede Woche werden unserer Heldin von ihren Feinden neue Knüppel zwischen die Beine geworfen, gegen die sie sich mit Nadel, Faden und Herz behaupten muss. Daneben verläuft eine wenig überraschende, aber ganz niedliche Romanze.
Nichts, was im Gedächtnis bleibt, aber ein netter Zeitvertreib war es allemal.

Romance Town (로맨스 타운)

KBS2, 20 Episoden (11. Mai – 14. Juli), DramaWiki

Nach 10 Folgen war bei mir Schluss mit diesem Drama um ein Dienstmädchen und ihren Arbeitgeber. Oder besser um mehrere Dienstmädchen und ihre Arbeitgeber.

Es stecken nette Ideen in diesem Drama. Es wird viel mit der Wirkung des äußeren Scheins gespielt. Etwa wenn der Herr sein Dienstmädchen auch beim zweiten Date nicht erkennt, weil sie sich geschminkt und und feine Klamotten geworfen hat. Oder wenn dem Sohn des Firmenbosses alle Kreditkarten gesperrt werden und er bettelarm ist, während sein Dienstmädchen ihren Lottogewinn im Schrank versteckt.

Das Interesse habe ich am Ende verloren, weil das Drama immer bruchstückhafter wirkte und seinen Fokus nicht zu finden schien. Es war gar keine bewusste Entscheidung, mir fiel irgendwann einfach auf, dass ich die aktuellen Episoden nicht gesehen und auch kein Bedürfnis hatte das nachzuholen.

City Hunter (시티헌터)

SBS, 20 Episoden (25. Mai – 28. Juli), DramaWiki

Ich will hier gar nicht zu viel sagen, da ich beabsichtige zu City Hunter ein längeres Review zu schreiben. Es ist mein bisheriger Favorit in diesem Jahr und ich denke, dass es schwer werden wird, das noch zu toppen.

In den Achzigern wird eine Gruppe von Elitesoldaten auf eine politisch heikle Mission geschickt. Bei ihrer Rückkehr werden sie auf Auftrag einer Gruppe von 5 Verantwortlichen hinterrücks exekutiert. Doch einer der Soldaten überlebt und raubt den Sohn seines ermodeten besten Freundes, um ihn in Thailand aufzuziehen und ihn auf eine Sache vorzubereiten: Die Rache für den Tod seines Vaters und der anderen Soldaten…

City Hunter ist ein extrem dichtes und sehr gut geschriebenes Drama. In jeder Episode wird man von zahlreichen Wendungen überrascht, nie ruht es sich auf einem Konflikt aus, sondern löst Situationen auf, nur um neue, noch brenzligere zu erzeugen. Einige der Cliffhanger gehören zu den fiesesten, die ich je gesehen habe. In den Details zeigen sich allerdings viele Schwächen. Aber über die sieht man gerne hinweg, wenn man solchen Spaß beim Gucken hat.

Es ist ein tolles Rundumpaket: Ein durchdachter Plot mit vielen atemberaubenden Wendungen, eine tolle Optik, extrem passende Hintergrundmusik und gute Darsteller, die interessante Charaktere spielen. Ich liebe es.

Twinkling (auch: Sparkling, All that Glitters, Twinkle Twinkle, Shining) (반짝반짝 빛나는 )

MBC, 54 Episoden (11. Februar – 14. August), DramaWiki

Twinkling ist mein erstes Wochenenddrama. Normalerweise sehe ich diese Serien nicht, weil sie mir mit um die 50 Episoden deutlich zu lang sind. Für diese in der Verlagsbranche spielende Geschichte habe ich eine Ausnahme gemacht.

Es geht um eine junge, erfolgreiche Lektorin, die im Verlag ihres Vaters arbeitet und alles deutet darauf hin, dass sie das Familienunternehmen in der Zukunft leiten wird. Doch dann beginnt sich das Glück für sie zu wenden: Zuerst wird ihr ein neuer Chefredakteur vor die Nase gesetzt, mit dem sie zunächst so gar nicht zurechtkommt, dann stellt sich heraus, dass sie bei der Geburt vertauscht wurde. Die eigentliche Tochter der Familie ist eine in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Buchhändlerin, die beherrscht wird vom Hass auf die Frau, die ihr das Leben gestohlen hat.

Teilweise so klischeehaft wie es klingt, dann aber auch wieder überraschend berührend wird diese Geschichte erzählt. Im einen Moment mache ich mich über die platte Handlung lustig und im nächsten Moment sitze ich völlig gebannt davor. Selten habe ich eine Figur so glühend gehasst wie die missgünstige und niederträchtige Tochter der armen Familie, die so von ihrer Gier beherrscht wird, dass sie eigentlich die unglücklichste der Beteiligten ist. Interessanterweise hat aber auch diese Figur sehr menschliche Züge und verkommt nicht zur Karrikatur eines reinen Bösewichts.

Nach ca. 35 von 54 Episoden habe ich noch immer meinen Spaß an der Serie. Sehr süchtigmachend und unterhaltsam, wenn man nicht davor zurückschreckt, hin und wieder den Vorlauf zu betätigen.

 

Ausblick

Auch das zweite Halbjahr beginnt vielversprechend. Das Musikjugenddrama You’ve fallen for me kommt mit einer frischen sommerlichen Optik daher, überzeugt mich aber bislang nicht restlos. Irre komisch ist Myung Wol, the Spy über eine nordkoreanische Spionin, die einen südkoreanischen Star verführen, heiraten und in den Norden verschleppen soll, um die dortige Entainment-Industrie aufzubessern. Auch ein kurzer Blick in die ersten zwei Folgen von Scent of a Woman fiel positiv aus: Eine Frau erfährt, dass sie nur noch ein halbes Jahr zu leben hat und beginnt dann erstmals so richtig zu leben. Berührend und amüsant zugleich.

5 Kommentare leave one →
  1. 2. August 2011 15:26

    woah, ich war eben sprachlos, dass du es geschafft hast 12 dramen in einem Halbjahr zu gucken, bis ich gelesen habe warum. Lach. Eigentlich hätte ich auch gerade ungewöhnlich viel Zeit Drama zu gucken, aber die Hälfte davon geht trotzdem noch fürs Schreiben darüber drauf.
    Tolle kurze knackige Zusammenfassung aller Dramen. Das sind alle, die bei mir noch auf der Liste stehen, aber muss mir Zeit lassen, sonst vernachlässige ich mein komplettes Leben. Lach. Ich hoffe, ich schaffe es noch rechtzeitig, ehe korean. Serien in Deutschland auch lizenziert werden und ich dafür zahlen muss. *g*

    Liebe Grüße
    schwertkrabbe

    • 2. August 2011 16:45

      Ja, ich war auch sprachlos, nachdem ich realisiert habe, dass es so viele waren…
      Im Moment sehe ich aber auch wieder weniger.

      Nachdem ich diesen Eintrag gemacht habe, habe ich noch mehr Respekt vor allen Recap-Schreibern da draußen, denn es ist so wahnsinnig zeitaufwändig. -_-

  2. ciri permalink
    27. Januar 2012 10:30

    Erstmal meine Hochachtung und vielen Dank für diese schöne Übersicht. Mich würde ja interessieren, wo man diese Dramen anschauen kann. Ich habe z.B. bisher vergebens nach „Best Love“ mit englischen Untertiteln gesucht. Die einzige gute Seite, die ich kenn ist http://www.dramacrazy.net/, aber keine der Links dort funktioniert. Habt ihr evt. einen Tipp, wo ich noch gucken könnte?
    Liebe Grüße,
    ciri

    • 27. Januar 2012 18:59

      Danke.🙂

      Was „Best Love“ angeht: Schreib mir doch mal eine E-Mail dazu über den Kontaktlink oben.😉

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