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[Abgebrochen] Kristen Painter: Blood Rights

6. September 2011

Genau bis zur Hälfte habe ich es bei Blood Rights geschafft und auch das nur, weil ich dem Buch immer wieder eine Chance geben wollte, mich doch noch irgendwie in seinen Bann zu ziehen. Stattdessen wurde ich immer genervter und als ich das Buch vorhin aus der Hand legte, wusste ich, dass ich es nicht noch einmal aufnehmen würde. Und bevor es meinen SAB noch mehr erhöht, erkläre ich es offiziell für abgebrochen.

Die Welt, in der Blood Rights spielt, und die Mythologie hinter den Vampiren sind durchaus interessant, waren aber leider etwas zu unterentwickelt, um mich genug zu faszinieren. Die Geschichte spielt in der Zukunft, 2067 um genau zu sein. Abgesehen von einigen ungeschickt eingesprengselten technischen Geräten, wie einem mechanischen Rollstuhl namens iBot (*seufz*) und plumpen Veränderungen der politischen Landkarte (Frankreich ist vom Isalm eingenommen worden. … ), spielt das aber nur am Rande eine Rolle. Dabei hätte es sehr cool sein können, das SF-Element stärker auszubauen.
Die Protagonistin Chrysabelle ist eine Comarré, Angehörige einer, wie der Klappentext es ausdrückt, Rasse von Menschen, die besondere Eigenschaften haben und ausgebildet sind, um den Vampiradel zu ernähren. Die Rechte, sich an einem Comarré zu bedienen und ihn an sich zu binden, erfordert das Erwerben seiner Blood Rights für sehr viel Geld.
Chrysabelle gehört zu den teuersten Comarré, aber als ihr Patron ermordet wird und der Verdacht auf sie fällt, muss sie fliehen. Ihr Weg führt sie letztlich zu Malkolm, ehemals Vampiradeliger, heute Ausgestoßener mit einem Fluch belegt, der ihn nahezu in den Wahnsinn treiben, denn er hört Stimmen, die ihn dazu drängen zu töten. Und für jeden Mord gesellt sich eine weitere Stimme dazu.
Und kaum ist Chrysabelle bei Malkom, tritt die Geschichte nur noch auf der Stelle. Es ist ein dauerndes ermüdendes Hin und Her zwischen diesen beiden Figuren, die mir beide gleichgültig waren, wie nur was und mich langsam immer mehr zu nerven begannen.

Es ist mal wieder eines dieser Bücher, deren Figuren kaum Persönlichkeit haben. Vielmehr sind sie Marionetten in den Händen der Autorin, deren Handlungen nicht aus ihnen selbst kommen, sondern aus der Notwendigkeit, bestimmte Situationen herbeizuführen. Ausgestattet sind sie mit abgedroschen Attributen, die man gerne bei Liebesromanfiguren findet. Dabei ist Blood Rights keine reine Paranormal Romance. (Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass die Autorin zuvor eine Reihe von PR-Romanen geschrieben hat. Und ehrlich, das merkt man. Es wäre besser gewesen, sie hätte einen reinen Liebesroman verfasst, dann wäre der dünne Plot auch in Ordnung gewesen).
Malkolm ist der gequälte Held, männlich und gefährlich mit ausgeprägtem Trieb und bisweilen prolliger Wortwahl oder wie Chrysabelle es in Gedanken ausdrückt: „he was more beast than brains“. So weit möchte ich gar nicht gehen, er war durchaus zivilisiert, aber, oh, wie mich diese hypermännlichen, gequälten Vampirmacker langweilen. (Black Dagger lässt grüßen *augenroll*).

Aber Chrysabelle ist ja nicht besser, eher schlimmer. Einerseits ist sie eine ausgebildete Kämpferin, andererseits extrem ungeschickt und bricht sich den Fuß, als sie eine Tür eintritt (läuft danach aber trotzdem noch herum – muss wohl an ihren Superheilungskräften liegen). Sie ist eine dieser entsetzlich nervigen Heldinnen, die ständig überreagieren und sinnfrei herumzicken müssen. Erst wirft sie sich im Blutrausch an Malkolms Hals, dann beschwert sie sich, dass er sie von ihrem Blutstau, der sie umgebracht hätte, befreien hat lassen. Das Ergebnis ist, dass die Männer in ihrer Umgebung ihre Wutausbrüche irgendwie drollig finden. Und damit hätten wir das Mädel dann auch wieder auf ihren Platz verwiesen. Klar, sie kann mit Waffen umgehen, aber sie ist den Männern in ihrer Umgebung dennoch in jeder Hinsicht unterlegen. Die nehmen sie ja noch nicht einmal ernst. Und ich kann es ihnen nicht verübeln, ich konnte diese Heldin auch nicht ernstnehmen.

Am allerschlimmsten sind aber die Passagen aus der Sicht der Bösen. Ich bin ohnehin kein Fan davon, jeden Schritt der Bösewichte parallel zu dokumentieren, spannender ist es meist, wenn die Fieslinge etwas unberechenbar bleiben. Wenn man es aber doch nicht lassen kann, sollte man sicherstellen, dass man einen spannenden Antagonisten hat. Und das ist Vampirin Tatiana ganz sicher nicht. Ihr Lieblingshaustier ist eine Albinoschlange, sie steht auf das Blut von Jungfrauen und macht sich ständig Gedanken über fiese Dinge und wie sie mehr Macht an sich raffen kann. Das ist so klischeehaft und öde, dass ich ihre Passagen früh schon nur noch überflogen habe.

Lichtblicke gab es lediglich im Bereich der Nebenfiguren. Geistermädchen Fi, die durch einen Fluch an Malkolm gebunden ist und sein Kumpel Doc, ein Werpanther, der sich durch einen anderen Fluch (es gibt lächerlich viele Flüche in diesem Buch) nur noch in eine normale Hauskatze verwandeln kann. Nicht, dass die beiden eine ausgeprägtere Persönlichkeit gehabt hätten, aber sie waren interessanter angelegt und haben mir die einzige berührende Szene in diesen 150 Seiten geliefert.

Defizite gibt es auch im Bereich der Logik. Ähnlich wie sie die Charaktere herumschiebt, dreht die Autorin auch an ihren Magieregeln. Keine Ahnung, wie ein Geist immer wieder fleischlich werden und sogar Blut spenden kann, vielleicht wird das ja später noch geklärt. Aber die Art, wie Malkolm an Chrysabelles „Blood Rights“ kommt ist mehr als fragwürdig und unlogisch. Und dann werden immer wieder unwillkürliche Regeln aufgestellt: Zwar wird ein Vampir gegen den Duft einer Comarré immun, sobald er ihre Bloodrights (durch Blutentnahme) erworben hat, ABER wenn er nicht direkt danach nicht von ihr trinkt, dann wird seine Blutlust unerträglich. Logisch, oder? Es könnte aber auch sein, dass die Autorin eine Szene brauchte, in der Malkolm sich auf Chrysabelle stürzt.

Ich lasse dem Buch, dass es etwas hat, das in Vampirromanen leider selten geworden ist: Dass Lust noch mit Blut verbunden ist. Abgesehen davon ist es nur ein weiterer flacher, plump konstruierter Roman.

Ich bin mal wieder recht allein mit meiner Meinung zu diesem Buch, aber daran bin ich bereits gewohnt. Vielleicht habe ich zu viel gelesen in diesem Bereich, so dass ich weniger verzeihe. Aber ich kann sie einfach nicht mehr sehen, diese charakterlosen, drögen Figuren.
Warum Patricia Briggs dafür ein Zitat für das Cover hergibt ist mir ein Rätsel, denn alles, was ich an Briggs schätze, hat dieses Buch nicht. Sie gehört zu den wenigen Autorinnen des Genres, die ihre Bücher mit Herz und Köpfchen konstruieren. Ich frage mich wirklich, warum das so selten ist.

Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen, das mir förmlich ins Ohr schrie, das Buch nicht zu kaufen, weil es genau der gleiche Schwampf ist, den ich schon so oft vor mir hatte. Dummerweise habe ich mich von einem hübschen Cover und Patricia Briggs täuschen lassen.

Wertung entfällt, weil ich hier ja nur ein halbes Buch gelesen habe. Vielleicht wird es in der zweiten Hälfte noch total toll.😉

6 Kommentare leave one →
  1. 6. September 2011 11:33

    Bäh. *Von der Wunschliste schmeiß*

    Ich weiß, man sollte sich nicht gleich von einer Rezi derart beeinflussen lassen (Deine ist die erste, die ich zu diesem Buch lese), aber dennoch kann ich sagen, dass ich grundsätzlich kein Fan von unlogischen Plots und flachen Charakteren bin. Da reagiere ich äußerst allergisch drauf, daher glaube ich fest, dass ich Deine Rezi genügend zu Herzen nehmen kann.

    Schade, das Cover ist tatsächlich schön…

    • 6. September 2011 17:29

      Flache Charaktere sind mein persönliches Lesehassobjekt und es gibt so schrecklich viele davon. *seufz*

      Aber guck dir ruhig noch ein paar andere Meinungen an, bevor du es endgültig kickst. Ich denke da werden noch einige kommen, das Buch ist ja gerade erst erschienen.

  2. 6. September 2011 13:54

    Hach, mal wieder schade um das schöne Cover.
    Mich wundern solche Autoren-Blurbs in letzter Zeit auch immer öfter (oder hohe Bewertungen auf GoodReads von Autoren). Ich glaube ganz oft sind die einfach befreundet und wollen sich entweder aufrichtig was Gutes tun (Freundschaft macht blind) oder sie werden von ihren Schreiber-Freunden nach einem Blurb gefragt und wollen denen nicht die Wahrheit sagen… ODER das läuft vllt eher noch über die Verlagsmenschen, die sich ein nettes Zitat ausdenken und es kurz von der Autorin abnicken lassen… da würde ich ja echt gern mal Mäuschen spielen.

    • 6. September 2011 17:33

      Ja, ich denke auch, dass das oft so ist. Ich hatte nur von Briggs nicht erwartet, dass sie sich dafür hergibt. (Aber wer weiß, vielleicht mochte sie es ja wirklich …)
      Wenn auf Goodreads Autoren andere Autoren rezensieren finde ich das auch immer etwas seltsam. Wirktschon arg wie ein Freundschafsdienst. Wenn sie auf dem eigenen Blog ein Buch von einem Freund vorstellen, ok. Aber auf so einem Leserportal seine Freunde zu pushen hat einen komischen Beigeschmack.

  3. 6. Oktober 2011 16:09

    Oh my, hätte ich nicht gedacht, dass das so schlimm ist. Deine Rezenssion klingt ganz spannend, das Storykonzept ist, aber wenns nicht spannend und ordentlich rübergebracht ist, hat’s natürlich keinen Sinn.

    Ehrlich gesagt wirkt das Deckblatt schon so 0815-Vampire-Genre-Action-Erotik-Dark-Mystere-whatever.
    Neuerdings hab ich bemerkt, dass Bücher mit schlichten Covern mit inhaltlich überraschend und überzeugen, wie z.B. die House of Night-Reihe.

    Ich hab das Gefühl, jetzt aus der Sicht eines Autoren, dass viele Autoren von ihren Verlegern „überredet“ werden, Stories zu schreiben, die dem Trend folgen und daher es weder komplett ausarbeiten noch wirklich dahinterstehen. ich selbst hab schon ähnliche Gespräche mit meinem Verleger gehabt und muss zugeben, dass man schon in Versuchung gerät, wenn man sich die Strömung ansieht. Es ist schwer, mainstream zu schreiben, ohne im stream unterzugehen.

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