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Zum Thema (4): Magier küsst Krieger

14. Oktober 2011
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Ich habe ein Weilchen gezögert, ob ich mich dieses Themas annehmen soll, weil ich das Gefühl hatte, dass es fast schon zu oft behandelt wurde und es bereits sehr ausführliche Listen gibt, denen ich im Prinzip nichts hinzuzufügen habe. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass diese Romane eine eigene Kategorie in meinem Bücherregal darstellen, kann man das Thema für mich nicht oft genug behandeln und so leite ich mal ganz ungeniert die Runde der schwulen Fantasyhelden ein.

Tatsächlich liegt dieser Artikel nun schon Monate als Entwurf herum und ich konnte mich nie dazu durchringen, ihn endlich fertigzustellen, bis vor einigen Wochen Darkstar in seinem Blog das Thema anlässlich der Diskussion über homosexuelle Protagonisten in der Jugenliteratur in den USA aufgriff und mir damit indirekt einen Tritt verpasste, den Artikel wieder auszubuddeln (zusammen mit einem anderen über Jugendliteratur, der irgendwann folgt).

Ich werde am Ende einige Links zu Listen posten, wo mehr zu finden ist, meine Liste ist ja wie immer nur eine Auswahl.

Lynn Flewelling: Die Schattengilde
Fast schon DER Klassiker. Jungspund Alec trifft auf Spion Seregil und wird sein Lehrling und später auch mehr. Als ich die ersten drei Bände der Reihe vor fast 10 Jahren gelesen habe, haben sie mir buchstäblich schlaflose Nächte beschert, so sehr habe ich mit den sympathischen Figuren mitgefiebert. Mit Spionen, Meisterdieben und fingerfertigen Schurken jeder Art konnte man mich schon immer locken und wenn die dann auch noch miteinander fingerfertig werden… Perfekt.😉
Mittlerweile hat die Autorin die Reihe um drei weitere Bände ergänzt, die ich aber nicht mehr gelesen habe. Eigentlich stünde mal ein Reread an, aber dazu muss ich mir erst die englischen Ausgaben zulegen. Ich fürchte bei der teilweise misslungenen deutschen Übersetzung würden mir heute die Haare zu Berge stehen.

Mercedes Lackey: The Last Herald Mage
Noch so ein Klassiker, den jeder liebt. Außer mir. Der sensible Vanyl soll ein Krieger werden, hat sein Vater sich in den Kopf gesetzt. Mit roher Gewalt und Körperkraft hat Vanyl aber so gar nichts am Hut und nachdem ihn die Lehrstunden mit seinem brutalen Waffenmeister fast das Leben gekostet haben, wird er zu seiner Tante in die Lehre gegeben, die zu den legendären Herald Mages gehört. Dort lernt Vanyl nicht nur mit seinen eigenen Kräften umgehen, sondern findet auch seinen Seelengefähren.
Ich kann mir nicht helfen, Lackeys schnelle, oberflächliche Art zu erzählen, dazu eine gute Portion Melodramatik und Kitsch machten es mir unmöglich, mich wirklich mit dem Buch anzufreunden. Und dann auch noch sprechene Pferde … (Ja, ich weiß, es sind keine Pferde, aber man kann Lackey-Fans so schön damit aufziehen ;))
Nettes Lesefutter, für mich aber nicht nett genug, um die ganze Reihe zu lesen. Nach Band 1 war Schluss.

Mark Anthony: Die letzte Rune
Schöne sechsteilige (in der Übersetzung zwölfteilige) Fantasyreihe, in der zwei Menschen, Grace und Travis, aus unserer in eine andere Welt geraten. So gesehen nichts besonderes. Mittelalterlich gestaltete Fantasywelt, die Rückkehr eines Oberfieslings steht bevor und Grace und Travis müssen den Helden aus der anderen Welt helfen, ihn aufzuhalten. Besonders wird die Reihe dadurch, dass die Handlung durchaus mal andere als die gewohnten Wege geht und die Figuren sehr stark sind. Travis, ich hoffe damit verrate ich nicht zu viel, verliebt sich im Laufe des Romans in einen der männlichen Helden der Reisegruppe.

Sarah Monette: Doctrine of Labyrinths
Hier treffen zwei sehr gegensätzliche Figuren aufeinander. Felix, ein körperlich und seelisch gebeutelter Magier und Mildmay, ein Dieb und Assassine. Der Schauplatz, die Stadt Melusine, ist düster, die Handlung ist es auch. Bilderbuchfantasy und süße Romantik darf man hier nicht erwarten und zimperlich im Bezug auf „Tabus“ darf man auch nicht sein. Dafür schreibt Monette einfach großartig. Ihre zwei Charaktere Mildmay und Felix, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen, haben ganz individuelle Stimmen (was viele Autoren so nicht schaffen) und ihre Welt ist faszinierend. Leider habe ich nur den ersten Band gelesen, wollte aber definitiv den Rest nachholen. Jetzt sehe ich, dass Band 3, den ich noch nicht habe, nicht mehr lieferbar ist. Himmel, wenn man nicht alles sofort kauft… Grrr…

Tanya Huff: Tony Foster Serie
Tony ist eine Figur aus den etwas bekannteren „Vicki Nelson“-Romanen, die unter dem Titel „Blood Ties“ auch eine TV-Umsetzung erfahren haben. Leider wurde in dieser der Stricher Tony, der anfangs Informant von Vicki und später Geliebter des Vampirs Henry ist, aus der Serie herausgeschrieben (und mit ihm auch Henrys Bisexualität). Die Smoke-Reihe spielt nach der Blood-Reihe. Tony ist mittlerweile ein paar Jährchen älter und hat es mit Henrys Unterstützung geschafft, sein Leben in den Griff zu bekommen. Mittlerweile sind die beiden nicht mehr zusammen und Tony hat ironischerweise einen Job bei der Fernsehproduktion einer Vampirserie angenommen.
Die Bücher sind durchweg jugendfrei und für den, der eine reine gleichgeschlechtliche Fantasyromanze sucht, sicher das Falsche. Dafür machen Huffs toller Humor und ihre wunderbar individuellen Figuren das Buch zu einer amüsanten Lektüre für Urban Fantasy Fans.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Vicki-Romane lieber mag, weil sie kürzer und dichter sind, während ich bei Tony schon in die ein oder andere Durststrecke gerutscht bin.

Tanya Huff: Fire’s Stone
Ähnlich jugendfrei ist auch der Einzelroman Fire’s Stone, in dem ein nichtsnutziger Prinz, ein Dieb und eine jugendliche Magierin ausgesandt werden, um ein magisches Artefakt wiederzubeschaffen, das das Land vor dem Untergang retten soll. Klassischer Fantasyplot mit klassischer Figurenkonstellation, also. Interessant wird das Buch nicht nur dadurch, dass Dieb und Prinz sich verlieben, sondern dass die drei auch für das Genre nicht ganz so klassische Probleme haben.
Tanya Huff war nie eine ausgezeichnete Autorin und das ist eines ihrer Frühwerke. Aber es ist ein nettes Buch, wenn man ohne große Erwartungen herangeht. Zu bekommen ist das Buch nur noch im englischen Doppelband „Of Darkness, Light and Fire“. Eine deutsche Ausgabe wurde zwar vor Jahren angekündigt, ist aber nie erschienen.

Fiona Patton: Der Kelch der Flamme
Die erste Hälfte des ersten Bandes der Brandon-Saga (mehr als dieser zweigeteilte Band ist in Dtl. nie erschienen). Ich habe ihn vor Jahren gelesen, aber bis auf die Tatsache, dass er in einer Gesellschaft spielt, in der Homosexualität völlig normal ist und die Personen Namen haben, die über zwei Zeilen reichen, ist mir leider nichts im Gedächtnis geblieben.

R.W. Day: A strong and sudden Thaw
Jetzt bewegen wir uns in den Bereich der Klein- und Selbstverlagspublikationen, die in den USA deutlich mehr zu bieten haben als in Deutschland. „A strong and sudden Thaw“ ist ist postapokalyptische Fantasy. Es spielt in der Zukunft, in der eine neue Eiszeit über die Menschen hereingebrochen ist und ihnen alle Technik und Wohlstand genommen hat. Das Leben ist rauh und Gefahr droht nicht nur von der Kälte, sondern auch von den Drachen, die als Raubtiere die Lüfte unsicher machen. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich eine fast schon dramatische Liebesgeschichte. Ein schönes Buch, trotz diverser Macken, das es allein für das Setting wert ist, gelesen zu werden.

Kirby Crow: Scarlet and the White Wolf
Ebenfalls eine Selfpublishing-Publikation und eine in gewissen Kreisen ziemlich gehypte noch dazu. Der Roman spielt mit dem Rotkäppchen-Märchen. Händlerssohn Scarlet versucht einen Banditen, den White Wolf, zu überlisten, der genau den einen Bergpass belagert, der seiner Familie im Winter ihr Auskommen sichert. Er versucht sich in verschiedenen Verkleidungen vorbeizuschleichen, um doch jedes Mal vom Räuberhauptmann erwischt zu werden, der von Mal zu Mal interessierter an ihm wird. Die Idee ist gut, das Verkleidungsspielchen amüsant, aber sonst war das Buch in meinen Augen ziemliche Zeitverschwendung. Scarlet benimmt sich wie eine dieser zickigen Nackenbeißerheldinnen und das Buch endet nach etwa 250 Seiten offen, um in zwei weiteren Bänden beendet zu werden. Nicht, dass ich Nachwuchsautoren ihren mageren Verdienst nicht gönne, aber mir ist diese Geschichte nicht drei Bücher wert.

Storm Constantine: Wraeththu
Gehören eigentlich hier nicht ganz her, den es geht um Hermaphroditen. (Die aber vorher meist männliche Menschen waren und sich auch sonst noch so benehmen). Constantine hat einen sehr blumigen Sprachstil, der definitiv interessant zu lesen ist, vor allem, weil so etwas in der Art heute nicht mehr geschrieben wird. Die Geschichten selbst drehten sich um Intrigen und Liebe zwischen Hermaphroditenstämmen in einer postapokalyptischen Welt, die eigentlich die Liebe und monogame Beziehungen abgeschafft haben. Anfangs war ich fasziniert, in Band 2 dann noch noch genervt, vom fast seifenopernhaften Drama dieser Geschichten. Als Teenie hätte ich das sicher mehr gemocht, heute macht mir meine ironische Ader einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem, ruhig mal anlesen, interessant ist es allemal.


Noch nicht gelesen, aber in meiner Sammlung:

Delia Sherman: Die Blume der Diener
Elizabeth A. Lynn: Die Zwingfeste (Chronicles of Tonor #1)
Ellen Kushner: Swordspoint
Jim Grimsley: Kirith Kirin
Chaz Brenchley: Die Kreuzfahrer (Outremer)

Das Magazin „Nautilus“ hatte sich in Heft 82 übrigens auch dieses Themas angenommen. Leider haben mich die Zeitschriftenhändler damals immer zu den „Auto, Motot & Sport“-Regalen verwiesen, weshalb ich diese Ausgabe noch nicht in meine Patschehändchen bekommen habe.

Die versprochenen Listen (alle englisch):

Best Fantasy Books with Gay Main Characters (Goodreads Listopia)

Best Gay Fantasy Romance (Goodreads Listopia)

Alternative Sexualities and Identities in Fantasy and SF Booklist (von Mary Ann Mohanraj)

Wer noch Listen hat, bitte melden!

Und nun seid ihr dran: Was sind eure Lieblingsbücher zu diesem Thema? Ich habe seit einer Weile nichts mehr in diese Richtung gelesen und würde mich über Empfehlungen freuen.🙂

4 Kommentare leave one →
  1. 15. Oktober 2011 10:38

    Wie toll! Und tatsächlich sind zwei Bücher dabei, die ich – der sich sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt – noch gar nicht kannte. Meine Liste steht ja auch noch aus – da geht es mir ähnlich wie dir. Momentan habe ich auf der Arbeit einfach zu viel zu tun. ,-) Um so schöner, dass ich den Artikel jetzt bei dir gefunden habe ,-)

    Sarah Monette steht bei mir auch schon ewig auf dem Plan. Bisher habe ich aber noch gar nichts von ihr gelesen. Auch so eine Autorin, von der ich immer erwartet habe, dass sie sicher bald auf Deutsch kommt .. ,-)

    • 17. Oktober 2011 11:36

      Ich bin gespannt auf deine Liste.🙂

      Leider bezweifle ich, dass Monette je auf Deutsch ankommt. Sie ist quasi eine Kombination von allem, was sich auf dem deutschen Fantasymarkt nicht verkauft. Da müsste schon ein Nischenverlag seine Liebe zu ihr entdecken.

  2. 17. Oktober 2011 09:42

    Ich muss ja eher gestehen, dass ich erst vor einer Weile Bücher in diese Richtung ausprobiert habe und auch gut fand. Jedenfalls das eine. Bei dem anderen bin ich eindeutig ein wenig kritischer. Zwar kenne ich bereits diese Kategorie aus den Manga, aber in Romanform hatte ich bisher nicht das Vergnügen, welche zu lesen.

    „Schärfer als Wasabi“ und „Toyboy“ dürftest du ja sicherlich kennen, oder? Wobei ich sagen muss, dass mir von Umsetzung und Authentität „Schärfer als Wasabi“ wesentlich besser gefallen hat. Obwohl ich darauf hinweisen möchte, dass es ja kein Fantasy-Roman ist.

    „Wolf inside“ steht ja noch auf meiner Wunschliste und „Nayidenmond“ (hoffentlich richtig geschrieben). Beide sind auch homoerotische Lovestorys. Jedenfalls laut Beschreibung bei A.

    Liebe Grüße

    • 17. Oktober 2011 11:35

      Das ist lustigerweise genrell so, dass das Boys Love Genre im Manga boomt, aber Bücher mit gleichgeschlechtlichen Liebesgeschichten in Deutschland ziemllich schlecht laufen.

      Die beiden Bücher kenne ich vom Hörensagen, aber ich muss zugeben, dass ich aus dem Dead Soft Verlag nichts mehr kaufe. Ich hatte im Lauf der Jahre 5-6 Titel von dort in der Hand und alle waren schlecht lektoriert und gesetzt und inhaltlich nicht besser als das, was man umsonst im Netz lesen kann. Ich bin sicher, es sind auch bessere Titel in deren Programm, aber ich greife scheinbar immer daneben.😦

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