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Stephanie Perkins: Anna and the French Kiss

27. Oktober 2011
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Titel: Anna and the French Kiss (dt.: Herzklopfen auf Französisch)

Autor: Stephanie Perkins

Verlag: Speak, 2011

Seiten: 372

ISBN: 9780142419403

Preis: ca. 7,00 €


Die Versuchung: Im vergangenen Jahr war dieses Buch einfach überall und es wurde immer gelobt. Ab und an ist mir einfach nach so einer richtig schönen Jugendromanze, deshalb schien mir das der perfekte Titel dafür zu sein.

Was habe ich erwartet? Ich habe das Buch tatsächlich mit gemischten Gefühlen gekauft. Die Inhaltsangaben klangen mir so, als könnte das Buch auch schrecklich lieb und langweilig sein.

Was habe ich bekommen? Eine wirklich niedliche Jugendromanze, die einem allerdings Paris mehr ans Herz wachsen lässt als es einen für die Liebe seiner Protagonisten einnimmt.


Als die siebzehnjährige Amerikanerin Anna erfährt, dass sie ihr letztes Schuljahr an einer Privatschule in Paris verbringen soll, ist sie alles andere als begeistert. Denn das bedeutet, dass sie ihre Freunde und den Jungen, in den sie schon lange verliebt ist, und der sie gerade zu bemerken scheint, hinter sich lassen und in eine Stadt ziehen muss, deren Sprache sie nicht spricht.
Die ersten Tage sind nicht leicht für Anna, doch dann findet sie neue Freunde und einen anderen interessanten Jungen: Étienne St. Clair mit den braunen Augen, dem unordentlichen Lockenkopf und einem umwerfenden Lächeln. Aber Étienne hat eine Freundin und Anna ist ja auch fast vergeben. Und so werden sie beste Freunde. Zumindest reden sie sich das ein, denn für beide wird es zunehmend schwieriger, die gegenseitige Anziehung zu ignorierieren und „nur“ Freunde zu sein.

Mit Hypes ist das so eine Sache. Oft können allerseits gelobte Bücher nur enttäuschen, weil sie gar nicht die tollsten Bücher der Welt sind, sondern einfach nur vielen Menschen gleichzeitig gut gefallen. „Anna and the French Kiss“ ist ebenfalls kein überragendes Buch. Es ist eine süße, charmante Jugendromanze, aber auch nicht mehr.

Anfangs, so etwas bis zur Hälfte war ich sehr angetan von dem Buch. Stephanie Perkins beherrscht es, den Leser mitzunehmen, wenn Anna Paris entdeckt und man lernt die Stadt mit ihr lieben. Mit der Zeit wirkt es zwar etwas bemüht, wie sie immer wieder Sehenswürdigkeiten und Namen demonstrativ in die Handlung einbindet, aber trotzdem verfehlt es seine Wirkung nicht. Selbst wenn man Paris vorher nicht mochte, kommt man nicht umhin, es nach dem Lesen gar nicht mehr so übel zu finden.

Der Ton des Romans ist frisch, jugendlich, einfach passend zu der Geschichte die erzählt wird. In der ersten Hälfte des Buches gelingt es der Autorin auch hervorragend, die in der Luft schwebenden Emotionen einer sich zart anbahnenden Liebe einzufangen. Ètienne und Anna sind einfach süß zusammen. Ein passenderes Wort fällt mir dazu einfach nicht ein.

Probleme eröffnen sich in der zweiten Hälfte. Das scheint die ganze Magie mit einem Mal zu verfliegen und das Buch zieht sich zunehmend in die Länge. Immer weniger glaubwürdig und nachvollziehbar werden die Gründe, die Étienne und Anna auseinanderhalten. Das Ganze beginnt am Ende in ermüdende Teeniedramatik abzugleiten, die die Frische der ersten Hälfte vermissen lässt und für die so mancher erwachsene Leser (für den das Buch ja ohnehin nicht geschrieben wurde) sich zu alt fühlen dürfte.
Es rächt sich, dass Anna und vor allem Étienne zwei sehr glatte Figuren sind. Gerade Étienne besteht viel aus Äußerlichkeit. Er ist sehr attraktiv, wie Anna als verliebter Teenie immer wieder bemerkt, er riecht gut, er hat einen süßen Akzent. Aber was hat er für einen Charakter? Seine hervorstechendste Eigenschaft ist eine gewisse Unentschlossenheit, die ihn im Verlauf des Romans nicht gerade sympathisch macht. Diese beiden vermögen es einfach nicht, den Leser einfach nur um ihrer selbst willen zu fesseln.

Letztlich fehlt mir an diesem Roman das Gefühl. Nicht das oberflächlich beschriebene, sondern das, das nicht auf den Seiten gedruckt ist, das, das ich als Leserin empfinde, wenn ich mich mit der Heldin in den tollen Jungen verknalle, mit ihr leide und mit ihr lache. Während ich diesen Roman gelesen habe, hatte ich keine stärkeren Emotionen, ich fühlte mich immer wie ein entfernter Beobachter.

Letztlich bleibt es ein netter Liebesroman für Jugendliche ab 14. Ich würde ihn für diese Leserschaft weiterempfehlen. Für Erwachsene – und wir Erwachsenen lesen dieser Tage so viele Jugendromane, dass wir beginnen sie nach unseren Maßstäben zu bewerten – ist es aus meiner Sicht ein Buch, das man getrost auslassen kann. Da hat mir Simone Elkeles „Perfect Chemistry“, eine andere gehypte Jugendromanze, trotz der albernen Klischees  besser gefallen, weil es ihr zumindest gelingt, den Leser tatsächlich emotional einzufangen und nicht mehr loszulassen.

Wertung: 3,0 (von 5,0 Punkten)

2 Kommentare leave one →
  1. 29. Oktober 2011 17:23

    Oh, nur drei Punkte – das erleichtert meine Entscheidung! Ich werd zusehen, dass ich das Buch irgendwann mal günstig gebraucht kriege oder ertauschen kann; neu kaufen werd ichs mir wohl nicht.

    Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Anna und Etienne sehr glatte Figuren sind; genau so kommen sie auch im Nachfolger „Lola and the Boy Next Door“ rüber. Ich hab sie dort als ziemlich langweilig und irgendwie spießig empfunden. Und überdies steh ich überhaupt nicht drauf, wenn die Helden aus vollkommen fadenscheinigen Gründen nicht zusammenkommen, da hakts für mich einfach am Plot!

    Danke für die Rezension!

    • 30. Oktober 2011 11:30

      Ich habe für mich auch beschlossen, dass ich das zweite Buch der Autorin nicht lesen werde. Dazu hat mich dann die zweite Hälfte des Buches zu sehr genervt. Warum muss zur Zeit immer alles so künstlich in die Länge gezogen werden? Vielleicht werde ich ja auch ungeduldiger mit meinen Büchern als früher.

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