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[Serie] Vom Manuskript in den Buchladen – Teil 3

5. Juni 2012

Und weiter geht es nach einer etwas längeren Pause mit meiner kleinen Reise vom Manuskript zum fertigen Buch im Laden. Im letzten Teil ging es um die Auswahl und Kauf eines Manuskriptes. Weiter geht es mit dem Papierkram …

Teil 3 Was steht in einem Verlagsvertrag und wieviel verdient eigentlich ein Autor an einem Buch?

Ist man sich einmal mit Agentur, Autor oder Lizenzgeber einig geworden, dann werden die Vereinbarungen schriftlich festgehalten. Keine Sorge, ich langweile jetzt nicht mit rechtlichen Einzelheiten, dafür habe ich ohnehin zu wenig tiefgehende Ahnung von der Materie. Aber es gibt ein paar Dinge, die im Vertrag festgehalten werden, die ich ganz interessant finde, um zu verstehen, wie das Geschäft mit Büchern so funktioniert.

Ich hatte ja im letzten Part davon gesprochen, dass der Verlag einen bestimmten Betrag für ein Manuskript bietet. Das ist aber eigentlich nur die halbe Wahrheit, denn bei diesem Betrag handelt sich sich „nur“ um ein sogenanntes Garantiehonorar.
Eigentlich wird aber mit einem Stückhonorar vergütet. Das heißt, der Lizenzgeber/Autor erhält einen bestimmten Anteil vom Verkaufserlös pro Buch. Der prozentuale Anteil steigt in der Regel gemäß einer Staffel, je höher die verkaufte Auflage ist.

Bei Hardcovern beginnt so eine Staffel meist bei 8% und geht bis etwa 10 oder 11%. Bei erfolgreichen Autoren kann das aber deutlich höher liegen. Eine HC-Staffel kann zum Beispiel so aussehen:

8% bis 10.000 verkaufte Exemplare
9% bis 15.000 verkaufte Exemplare
10% bis 25.000 verkaufte Exemplare
11% ab 25.001 verkaufte Exemplare

Bei Taschenbüchern ist die prozentuale Beteilung kleiner, was an den deutlich geringeren Gewinnspannen in diesem Bereich liegt. Hier beginnt man meistens bei 5% bis etwa 20.000 oder 25.000 verkaufte Exemplare und endet bei etwa 7% oder 8%.

Hier kann eine Staffel so aussehen:

5% bis 25.000 verkaufte Exemplare
6% bis 50.000 verkaufte Exemplare
7% ab 50.001 verkaufte Exemplare

Berechnet wird das immer ausgehend vom Nettoladenpreis. Also der Ladenpreis minus die 7% Mehrwertsteuer. Von einem Taschenbuch für 10,00 € bekommt der Autor also etwas weniger als 50 Cent. Das hört sich sehr wenig an. Wenn man aber bedenkt, dass von diesen 10,00 Euro überhaupt nur etwa 4,50 beim Verlag ankommen, dem nach Abzug des Autorenhonorars noch etwa 4€ zum Decken aller anfallenden Kosten für Herstellung, Bearbeitung, Vertrieb, Marketing etc. bleiben, relativiert sich das vielleicht wieder etwas.

Was hat es nun mit dem eingangs erwähnten Garantiehonorar auf sich? Das ist ein Betrag, den der Autor in jedem Fall bekommt, egal wie mies das Buch sich verkauft. In der Regel wird dieser Betrag gesplittet. Eine Hälfte wird bei Vertragsabschluss, also lange vor Erscheinen des Buches gezahlt, die zweite Hälfte dann bei Erscheinen. Die prozentuale Beteiligung pro Buch wird mit diesem Betrag verrechnet. Erst wenn das gezahlte Garantiehonorar aufgebraucht ist, bekommt der Autor wieder neue Zahlungen gemäß der Staffel. Für den Autor bedeutet das, dass er einen bestimmten Betrag auf jeden Fall in der Tasche hat, auch wenn sich sein Buch vielleicht nur 100 Mal verkauft. Für den Verlag bedeutet das, dass er unter Umständen auf einem erheblichen Garantierest sitzenbleibt und selbst Verlust macht. Was gar nicht so selten vorkommt. Viele Bücher werden von erfolgreichen Bestsellern quersubventioniert, weil sie ihre Kosten allein nicht einspielen.

Das ist allerdings nur das gängige Vergütungsmodell. Abseits davon existieren noch andere. Gerade kleinere Verlage arbeiten oft nicht mit Garantiehonoraren, weil man natürlich die finanziellen Mittel haben muss, um mal eben einen Betrag für ein Buch, mit dem man frühstens ein Jahr später Geld verdienen wird, vorzuschießen. In manchen Bereichen, z.B. bei Anthologien, sind auch Pauschalhonorare, also einmalige Zahlungen üblich.
Auch zusätzliche Boni für besonders viele verkaufte Exemplare kommen manchmal vor, wenn man bei den Verhandlungen des eigene Angebot besonders attraktiv gestalten will, ohne mit dem Garantiehonorar zu hoch zu gehen. Das praktische an Boni ist natürlich, dass man sie erst zahlt, wenn das Geld dafür verdient ist, was das Risiko erheblich minimiert.

Abgesehen von der Vergütung sind natürlich noch einige andere Dinge in so einem Vertrag festgehalten:

Publikationsfrist Nicht jeder Titel, der vom Verlag eingekauft wird, hat auch automatisch sofort einen Programmplatz. Und so kommt es durchaus vor, dass ein Titel es wiederholt nicht in die Halbjahresprogramme schafft und ungenutzt auf der sogenannten Rechtevorratsliste herumdümpelt. Damit das nicht endlos so geht, gibt es eine Frist, bis zu der der Titel dann vom Lizenznehmer veröffentlicht werden muss, sonst fallen die Rechte an den Lizenzgeber zurück. Eine übliche Frist sind 2 Jahre. Oft wird diese aber noch einmal verlängert.

Nebenrechte Es gibt eine Reihe von Nebenrechten, die ein Verlag mit dem Kauf eines Manuskripts nicht automatisch hat, sondern die im Verlag eigens festgelegt werden müssen. Das kann zum Beispiel die Vergabe einer Lizenz an Dritte in Form einer Buchclubausgabe sein oder Taschenbch, Hörbuch, Vorabveröffentlichung, Verwertung in einer Anthologie, Verfilmung etc. All diese Dinge müssen extra eingeräumt werden. Die Einnahmen aus dieser Verwertung von Nebenrechten wird zwischen Autor und Verlag geteilt, in der Regel zugunsten des Autors (z.B. 60/40).

Copyrightangaben Oft wünschen sich die Rechtgeber, im Impressum eines Buches in einer bestimmten Art und Weise erwähnt zu werden. Auch die Agenturen werden gerne mal als Vermittler im Impressum genannt. (Wer mal in ein paar Taschenbuch-Impressen schaut, wird irgendwann den Vermerk „pulished by arrangement“ finden. Das ist das so etwas.)

Belegexemplare Der Autor erhält von seinem Buch natürlich auch Freiexemplare. Wie viele das sind, ist vertraglich festgehalten.

Laufzeit des Vertrages Wenn ein Verlag eine Lizenz kauft, gehört ihm die in der Regel nicht für immer, sondern meistens nur für etwa 7 Jahre. Danach muss er das Recht neu kaufen. Deshalb gibt es manchmal ältere Bücher, bei denen man sich wundert, warum sie nicht noch einmal aufgelegt werden, immerhin fielen ja keine Übersetzungskosten mehr an. Tatsächlich ist es aber so, dass der Verlag die Rechte gar nicht mehr hat und ein Neukauf zu teuer wäre. Bei Originalausgaben, also Büchern von deutschen Autoren, gilt aber in der Regel die Frist des gesetzlichen Urheberrechts (also 70 Jahre nach dem Tod des Autors). Aber auch hier kann natürlich anders verhandelt werden.

Auch, die Textreue, also, dass man nicht ohne Genehmigung in den Text eingreifen darf und so originalgetreu wie möglich übersetzen soll, ist im Vertrag festgehalten. Außerdem gibt es oft noch Vereinbarungen zur Gestaltung. Der Verlag wird versuchen, sich zu sichern, dass er über Titel und Cover entscheiden darf. Abgsehen davon gibt es noch einige andere Dinge, die in so einem Vertrag geregelt sind, aber das würde an dieser Stelle viel zu weit führen.

Nachdem wir jetzt also den Papierkram hinter uns gebracht haben, geht es im nächsten Teil dann endlich daran, aus dem Manuskript ein Buch zu machen.

Wie immer sind freundlich vorgebrachte Ergänzungen, Berichtigungen und Meinungen gerne gesehen!

5 Kommentare leave one →
  1. 8. Juni 2012 08:44

    Hach, wie immer sehr auf den Punkt. Danke für den Kommentar. Ich hoffe, dass auch dein Kommentar bzgl. dessen, wie viel ein Verlag überhaupt beim Verkauf von einem Buch einstreicht, den ganzen Jammerern etwa den Wind aus den Segeln nimmt, die sich über das Teilen von US-Büchern in zwei deutsche Ausgaben ständig beschweren. Ist nicht schön, zugegeben, dein Beispiel macht aber recht deutlich, warum das so ist.

    • 16. Juni 2012 17:45

      Dankeschön.🙂
      Ich muss mir bei Diskussionen, in denen mal wieder auf die bösen Verlage geschimpft wird, die angeblich alles und jeden ausbeuten und die selbst ach so viel Geld einstreichen, immer sehr auf die Finger klopfen, um nichts dazu zu schreiben. Die wenigsten, die diese wilden Anschuldigungen ausstoßen haben wirklich viel Ahnung vom Büchermachen und davon, was es wirklich kostet.
      Das ist auch ein Grund, warum ich diese Serie mache: Ich möchte, dass klar wird, wie viele Arbeitsschritte in einem Buch stecken. Arbeitsschritte, die der Verlag finanzieren muss und die wir mitbezahlen, wenn wir ein Buch kaufen. Es enttäuscht mich auch ein wenig, dass die Branche angesichts der aktuellen Diskussion da nicht selbst mehr Aufklärungsarbeit leistet (statt in unsäglichen öffentlichen Briefen gegen die böse Netzgemeinde zu zetern).

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