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Drama-Geplauder #2

24. Juni 2012

Dieser Teil steht ganz im Zeichen der vielen Serien, die in den letzten Wochen angelaufen sind. Ich hatte noch nicht die Gelegenheit einen Blick auf alle zu werfen, die mich interessieren, aber den größten Teil konnte ich antesten und bei mindestens einer bin ich hängengeblieben.



A Gentleman’s Dignity
신사의 품격 (SBS)
Episode 1-8 (von 20)


Den Anfang machte A Gentleman’s Dignity. Das hatte ich aus unerfindlichen Gründen so gar nicht auf dem Radar. Und hätte ich mich vor dem Antesten der ersten Episode daran erinnert, dass es von der Drehbuchautorin von Secret Garden stammt, hätte ich vielleicht auch einen Bogen darum gemacht (obwohl auch City Hall von ihr stammt und ich das durchaus mochte). Das wäre ein Jammer gewesen, denn ich habe mich spontan in diese Serie verliebt – und das, obwohl sie mit Sicherheit in vielerlei Hinsicht nicht die beste der Neustarts ist.
Im Mittelpunkt der Serie stehen vier Männer, alle gerade knapp jenseits der 40, die seit Jahren befreundet sind. Eigentlich sind sie ja jetzt in dem Alter, in dem man zur Ruhe kommen, gesetzt und seriös werden soll. Doch statt erhabener Gentlemen, sind sie eigentlich – wie viele Männer – irgendwie doch noch kleine Jungs. Die Handlung dreht sich um diese vier Männer und ihre Freundschaft, ihr Berufs- und ihr Liebesleben.
Es ist eine reine Freude dem zuzusehen, denn diese Männerfreundschaft hat so viel Witz und Charme, dass sich schon zu Beginn jeder Episode ein Lächeln auf meine Lippen schleicht. Zentral sind natürlich neben der Freundschaft die Liebesprobleme der Herren: Da ist Jung Rok, eigentlich ein ungeschickter Weiberheld aus dem Buche, der sich eine reiche Ehefrau geangelt hat, die ihn kräftig unter dem Pantoffel hat. Choi Yoon, der noch immer um seine Frau, die vor vier Jahren ums Leben gekommen ist, trauert und den das Liebesgeständnis der quirligen, sechzehn Jahre jüngeren Mae Ri völlig verunsichert. Da ist Mae Ris Bruder Tae San, eher ein ruhiger, zurückhaltender Typ, der sich in eine unterkühlte Frau verliebt hat, die so anders als er tickt, dass es ständig Spannungen zwischen den beiden gibt. Die eigentliche Hauptfigur von den Vieren ist aber Do Jin, erfolgreicher Architekt und Tae Sans Geschäftspartner. Er ist selbstbewusst bis hin zur Arroganz, hat mehr als nur einen Spleen und in Sachen Frauen hat er vermutlich die lockerste Einstellung von allen.
In Episode 1 ereignet sich zu Beginn folgende Szene: Ein Mann sitzt in einem Café, es regnet. Er sieht aus dem Fenster, wo sich eine junge Frau gerade unter das Vordach geflüchtet hat. Ihre Blicke begegnen sich und halten aneinander fest, bis sich jemand zwischen sie schiebt. Danach ist die Frau verschwunden. Der Mann ist natürlich Do Jin und die Frau ist Yi Soo, eine alte Freundin Tae Sans und Mitbewohnerin seiner unterkühlten Partnerin. Was mit einem magischen Moment beginnt, setzt sich deutlich holpriger fort. Denn es ist der sarkastische Do Jin, den dieser Moment am meisten beeinflusst und der diese Frau für sich gewinnen will. Aber er ist nun einmal kein Rosenkavalier, sondern versucht sie ständig aus der Reserve zu locken, sie aus dem Konzept zu bringen, mit ihr zu flirten. Und als er auch noch erfährt, dass Yi Soo schon lange heimlich in Tae San verliebt ist, scheint ihn das nur umso mehr anzuspornen.
Ja, Do Jin ist vielleicht kein netter Traummann, aber er ist ziemlich unterhaltsam und sexy bei seinen Bemühungen um Yi Soo. Nicht zuletzt, weil er von einem sehr guten Schauspieler verkörpert wird, der diese verquere Persönlichkeit auf den Punkt trifft. Zudem beherrscht es die Autorin perfekt, ihre Charaktere in Situationen zu bringen, bei denen die Funken nur so fliegen (ich erinnere nur an die legendären Situps bei Secret Garden …).

Viele Kritiker werfen der Serie vor, dass sie eigentlich keinen Plot habe. Und dem kann ich auch nicht wirklich widersprechen. Es gibt keine große alles umspannende Handlung. Die Serie lebt von ihren Figuren, den dynamischen Dialogen, die so typisch für diese Drehbuchautorin sind, und von einer ganz besonderen, leichten, sommerlichen Atmosphäre. Jede der anderen Serien, die ich im Moment sehe, hat mehr Handlung als diese, aber beim Ansehen von keiner davon verrinnt die Zeit für mich so schnell wieder bei dieser. Kurz und gut: Ich bin verliebt in A Gentleman’s Dignity, und wehe die Autorin vermasselt es wieder!

Big 빅 (KBS2)
Episode 1-4 (von 16)


Ich gebe zu, ich bin enttäuscht vom neuesten Werk der Hong-Schwestern. Normalerweise ist es bei mir Liebe auf den ersten Blick, aber bei Big bleibe ich auch nach 3 Wochen erstaunlich unemotional. Nein, eigentlich spiele ich sogar mit dem Gedanken es aufzugeben.
Die junge Lehrerin Da Ran ist glücklich verliebt und wird ihren Verlobten, den smarten Arzt Yoon Jae bald heiraten. Doch eines Tages verunglückt Yoon Jae und Da Ran wird ins Krankenhaus gerufen, wo man ihr mitteilt, dass ihr Verlobter leider verstorben ist. Doch dann begegnet sie ihm, wie er verwirrt durch die Krankenhausflure läuft, offenbar hat man ihn versehentlich für tot erklärt. Aber etwas ist anders: Yoon Jae behauptet, nicht Yoon Jae zu sein, sondern Kyung Joon, Da Rans neuer, schwieriger achtzehnjähriger Schüler. Denn mit genau diesem ist Yoon Jae bei seinem Autounfall zusammengestoßen, und offenbar hat dieser Vorfall ihre Seelen vertauscht, so dass Yoon Jaes Seele jetzt wohl im Körper des im Koma liegenden Kyung Joon ist.
Und während Da Ran und Kyung Joon versuchen, den Anschein aufrecht zu erhalten, dass sie ein verlobtes Pärchen sind, stellt sich langsam heraus, dass Yoon Jae vielleicht ein anderer war, als er zu sein vorgab.
Big hat eigentlich viele interessante Ansätze, gerade die Frage „Wer ist Yoon Jae wirklich?“ ist spannend genug, dass sie mich eigentlich durch die Serie tragen sollte. Aber ich merke, dass ich mich zunehmend langweile, Folge 4 sogar in der Mitte abgebrochen habe.
Ein Grund ist sicher die übertriebene Art, wie beide ihre Rollen spielen. Für Hong-Dramas ist das absolut nicht untypisch. Aber die sind normalerweise auch überdrehte, witzige, alberne Komödien, zu denen das passt. Big hat zwar auch witzige Momente, ist aber generell ruhiger, und da kommt mir das Grimassenschneiden der Leads nicht selten einfach fehlt am Platz vor. Zumal Kyung Joon sich in seinem neuen Körper plötzlich wesentlich jünger benimmt, als zuvor in seinem eigenen. Als müsste man übertrieben darstellen: He, da ist jetzt ein Jugendlicher im Körper dieses Mannes.
Ich finde das nicht nur anstrengend anzusehen, sondern es nimmt mit etwas die Lust auf das Da Ran/Kyung Joon-Pairing. Er ist 18, also ginge diese Beziehung gerade so noch. Aber wenn er sich teilweise benimmt als wäre er 12 … Da kann man nur auf eine Charakterentwicklung hoffen.
Generell hat die Serie viele interessante Aspekte zu bieten. Etwa die Tatsache, was für ein einsamer Mensch Kyung Joon ist, der seine Eltern verloren hat, allein in einem großen Haus in einem Kinderbett schläft, für das er lange zu groß ist, weil es das einzige Andenken an seine Mutter ist. Seine einzigen Verwandten haben nichts wichtigeres zu tun, als sich sein Geld unter den Nagel zu reißen, kaum dass er im Koma liegt. Und jetzt weiß er, dass die leuchtenden Augen, mit denen Da Ran ihn ansieht, nur dem Körper gelten, in dem er steckt und wieder nicht ihm. Da ist eine Menge an Emotionalem am Gange und es ist – sehr ungewöhnlich – auch noch einigermaßen offen, welche Pärchenkonstellation es am Ende geben wird. Aber ich weiß einfach nicht, ob mich das bis zum Ende trägt, wenn ich weiter dieses distanzierte Gefühl zum Geschehen habe.

Dr. Jin 닥터 진 (MBC)
Episode 1 (von ?)


Zeitreisedrama Nummer 3. Nachdem ich eine Episode gesehen habe, denke ich, dass ich das hier überspringen werde und bei Zeitreisedrama Nummer 4, Faith mit dem schicken Lee Min Ho im August, wieder auf die Timetravel-Welle aufspringe.
In einem Satz: Unterkühlter Arzt wird 150 Jahre in die Vergangenheit katapultiert – ihr wollt nicht wissen wie … ok, ein Fötus, den er aus dem Gehirn eines Mannes gezogen hat, spielt eine Rolle dabei … Wie, das klingt eklig? Kein Vergleich zu dem, was der Gute da in der Vergangenheit anstellt. Denn dort brechen plötzlich alle Krankheiten der Menschheitsgeschichte aus, er muss sie in seiner Genialität mit den rudimentären Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts (und seinem magischischen Arzttäschchen, das er glücklicherweise aus der Gegenwart mitgebracht hat) heilen. Und dabei hält die Kamera immer schön drauf, wenn es unappetitlich wird …
Dr. Jin hatte interessante Ansätze, aber die erste Episode hinterließ einen ziemlich farblosen Eindruck bei mir. Und nichts von dem, was ich von den weiten Folgen gesehen habe, reizt mich, das Erlebnis fortzusetzen.

I do, I do 아이두 아이두 (MBC)
Episode 1-8 (von 16)


Ich bin positiv überrascht von I do, I do, aber gleichzeitig auch nicht restlos begeistert. Die ersten Folgen waren aber wirklich gut. Clever geschrieben, gut gespielt, optisch eine Schau. Ich meine, die Protagonistin ist Schuhgesignerin und hat ein ganzes  Zimmer, dessen Wände aus Schuhregalen bestehen und das in der Mitte einen Sessel hat. Wer hätte denn nicht gerne so einen Rückzugsraum. Und neulich habe ich mich dabei erwischt, mir ergoogeln zu wollen, wo man die Ohrringe kaufen kann, die sie immer anhat. Die Tussi in mir schwebt also auf Wolke 7. Die Story selbst dagegen ist … hm.
Unsere Schuhdesignerin ist eine ziemliche Karrierefrau, die es gewohnt ist, sich durchbeißen zu müssen und die sich deshalb eine biestige Art angewöhnt hat, die ihrer Umwelt das Leben schwermacht. Aber – und das ist einer der großen Pluspunkte der Serie – sie wird von der ersten Folge an nicht als herzloses Biest charakterisiert. Ihre Schwächen, die Gefühle, die sie hinter der schroffen Schale zurückhält, sind ebenso zu sehen und machen diese Figur so menschlich, dass man problemlos mit ihr fühlen kann.
Durch einen dummen Zufall verbringt sie nach erheblichem Alkoholgenuss eine Nacht mit einem jungen Mann, der eigentlich genau das Gegenteil von ihr ist: Ein netter, gutgelaunter Kerl, der etwas durch sein Leben mäandert und zwar Träume hat, aber nicht den Biss, um sie durchzusetzen.
Und während ihre Eltern versuchen, sie mit einem smarten Arzt, der sie sogar wirklich sehr mag, zu verkuppeln, stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Sie, die sich so viel erarbeitet hat, und kurz vor einer Beförderung steht. Sie, die so gar keine mütterlichen Gefühle in sich hat.
Ich mag diese Schwangerschaftsproblematik mehr als ich dachte. Weil die Serie (zumindest bis jetzt) das Dilemma, in dem sie steckt, ernstnimmt. Es gibt nun einmal Frauen, für die Kinder zu haben, nicht das größte Glück der Welt ist. Und sie gehört dazu. Manchmal werden diese Frauen am Ende trotzdem zu glücklichen Müttern, manchmal aber auch nicht. Sie will das Kind zunächst abtreiben, merkt aber, dass sie sich dazu nicht so leicht entschließen kann. Sie ist ja nicht herzlos, so etwas fällt den wenigsten Frauen leicht. Aber es ist auch eine schwere Entscheidung, sein ganzes Leben für ein Kind aufzugeben, das man nie wollte. Ich mag es bislang, wie dieser Konflikt dargestellt ist. Umso mehr verärgerte es mich, dass ihr Verehrer der Arzt, die volle „Du böse Frau wolltest abtreiben“-Nummer fährt. Als hätte er auch nur irgendein Recht, sie zu verurteilen. Zuvor mochte ich diesen Charakter, der sich in diese toughe Frau verliebt hat, eben weil sie tough ist. Aber mit nichts kann man bei mir seine Sympathien so schnell verspielen wie mit dieser selbstgerechten Antiabtreibungspropaganda.
Leider ist die Umsetzung der Schwangerschaftsthematik (und die Schuhe!) das einzige, was mich nun noch an der Serie hält. Der romantische Aspekt lässt mich eher kalt. Der Jüngling ist mir zu jung und trottelig, den Arzt kann ich aus bekannten Gründen nicht leiden. Und eine Romanze, bei der ich beide Männer nicht abkann ist irgendwie frustrierend. Auch die Rangeleien in der Firma sind alles andere als neu und interessant.
Aber gut, allein für Kim Sun Ah, die die Karrierefrau ganz großartig verkörpert, lohnt es sich, die Serie weiter zu verfolgen. Und natürlich wegen der Schuhe …

Noch gar nicht angefangen habe ich mit Gaksital, obwohl mich das auf jeden Fall interessiert. Aber solange ich nicht das Raum-Zeit-Kontinuum durchbreche, habe ich dafür leider erst mal keine Zeit.

Nachdem ohnehin der Halbjahresüberblick ansteht, spare ich mir mal den Abschlussbericht der Serien, von denen ich im letzten Teil berichtet habe, sonst wird dieser Eintrag wieder viel zu lang.

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