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Dramageplauder #5

18. November 2012

Der Dramaherbst 2013 ist ungefähr so trist wie das Wetter draußen. Historische Serien und hochdramatische Melodramen beherrschen das Bild. Entsprechend wenig sehe ich derzeit, da ich mit beidem nur dann etwas anfangen kann, wenn es wirklich besonders ist. Und bis auf eine Ausnahme, über die ich gleich noch sprechen werde, scheint mir aktuell kein besonderes Highlight dabei zu sein.

Mittendrin

Mittendrin bin ich noch bei „Arang“ und „Faith“, die ja eigentlich bereits seit Wochen beendet sind. „Arang“ ist sicher in jeder Hinsicht die besser  gemachte Serie von den beiden, aber aus unerfindlichen Gründen langweilt sie mich mittlerweile zu Tode, so dass ich mich noch nicht dazu bringen konnte, die letzten 4 Folgen zu sehen. An „Faith“ habe ich trotz vieler Schwächen Spaß, aber auch hier liege ich einige Folgen zurück und beginne mit der Zeit das Interesse zu verlieren.

Miss Rose, das ich im letzten Geplauder ausführlicher vorgestellt habe, ist eine kleine zuckrige Insel inmitten des Tränenmeers, das die koreanische Dramawelt derzeit beherrscht. Wie jedes Twdrama zieht es sich zwar wie Kaugummi, aber ich finde die beiden Protagonisten so besonders und so niedlich in ihrer Interraktion, dass ich weiter dabeibleibe.

King of Dramas

King of Dramas ist die einzige neue Serie, an der ich hängengeblieben bin und aktuell eine der wenigen Komödien in der Landschaft. Wie der Titel schon sagt, ist es ein Drama über’s Dramamachen. Im Mittelpunkt steht Anthony Kim, der Geschäftsführer einer großen Produktionsfirma. Um einen Erfolg zu landen, geht er buchstäblich über Leichen. Bis er eines Tages von einem Konkurrenten abgesägt und damit ruiniert wird. Er, der immer alle betrogen hat, findet nun keinen mehr, der zu ihm steht. Doch dann bietet sich ihm die Chance wieder aufzusteigen, und dazu braucht er ausgerechnet die Hilfe einer jungen, unerfahrenen Drehbuchschreiberin und eines selbstverliebten Schauspielers.

Was mir an King of Dramas so gut gefällt, ist, wie schonungslos es sich über die Produktionsbedingungen und Eigenheiten der Dramaproduktion lustig macht. Etwa, wenn die Drehbuchschreiberin in die Sterbeszene des tragischen Helden dringend noch ein Product Placement für Orangensaft einbauen soll, oder wenn während des Drehs der Hauptdarsteller in einer dramatischen Szene seiner Partnerin ins Gesicht sabbert, weil er so übermüdet ist, dass er mitten in der Szene einschläft. Traurig nur, dass das fast schon zu nahe an der Realität ist für Satire.
Getragen wird die Serie vor allem von ihrem Hauptdarsteller Kim Myung Min, der den ambivalenten Anthony Kim zu einer faszinierenden Figur macht. Anthony Kim ist nicht einfach nur der eindimensionale gewissenlose Geschäftsmann. Er hat durchaus ein Gewissen, aber es wirkt fast als könne er nicht anders: Wenn  er die Gelegenheit findet, Profit aus etwas zu schlagen, dann macht er das auch. Er hat eine Schlitzohrigkeit an sich, die ihn mögenswert macht, selbst wenn er Dinge tut, die völlig unmoralisch sind.
Ich bin noch nicht sicher, wohin das alles führt und ob sich das Konzept über alle 16 Folgen trägt, aber im Moment fühle ich mich sehr gut unterhalten.

Beendet

Nice Guy

Auf der Bahnfahrt zur Messe nach Frankfurt bin ich endlich dazu gekommen, mir auf dem Laptop die ersten Episoden von Nice Guy anzusehen, und das war ein Segen, denn es ist eines dieser ganz raren Melodramen, die nicht einfach nur ein klischeebeladenes Heulfest nach Schema F sind. Nice Guy ist eine Rachegeschichte, und davon gibt es in Kdrama-Land eine ganze Menge. Meistens lockt mich dieses Genre nicht hinter dem Ofen hervor. Bei „Nice Guy“ ist das etwas anders, denn es ist clever geschrieben, gut gespielt und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Selbst wenn es ab und an doch ein wenig zu dick aufträgt und zwischenzeitlich im Tränenmeer versinkt, ehe es wieder Fahrt aufnimmt, bleibt es ein absolut sehenswertes Drama.

Die Handlung beginnt mit dem jungen, talentierten Medizinstudenten Kang Maru. Er ist klug, freundlich und aufopfernd gegenüber den Menschen, die ihm am Herzen liegen. Ein richtig netter Kerl (Nice Guy) also. Eines Abends erhält er einen panischen Anruf seiner großen Liebe, der jungen Journalistin Han Jae Hee. Er findet sie in einem Hotelzimmer, wo sie offenbar in Notwehr einen unbekannten Mann erschlagen hat. Um Jae Hees Karriere zu schützen, nimmt Maru die Tat auf sich, opfert seine eigene Karriere und geht ins Gefängnis.

Sechs Jahre später ist Maru wieder frei, aber er ist scheinbar ein anderer Mensch geworden. Er ist berechnend und nutzt andere Menschen zu seinem Vorteil. Und er hat ein Ziel: Sich an Jae Hee rächen. Denn die hatte bereits damals eine Affäre mit einem viel älteren Geschäftsmann, ist mittlerweile dessen Ehefrau geworden und hat ein Kind mit ihm. Das beste Mittel, um an Jae Hee heranzukommen, ist ihre Stieftochter Seo Eun Gi. Eun Gi ist eine Zicke, wie sie um Buche steht, die ihr ganzes Leben lang gekämpft hat, damit sie als Frau später die Firma ihres Vaters übernehmen kann. Und sie hasst Jae Hee und ihren Sohn, die eine Bedrohung für ihren Status darstellen. Maru nähert sich Eun Gi und sie, die eigentlich niemandem vertraut, sieht etwas in ihm, das sie berührt und sie verliebt sich rettungslos in ihn. Ob er sich auch in sie verliebt – man weiß es nicht sicher. Denn in diesem Drama sind die Figuren bis zu einem gewissen Grad undurchsichtig. Alle sind getrieben von einem Verlangen nach irgendetwas und das überschattet oft andere Emotionen. Gerade Maru wechselt von sanft zu eiskalt binnen Sekunden und man fragt sich immer, welches sein wahres Gesicht ist. Gerade das macht dieses Drama so spannend. Wer ist böse, wer gut, wer schuldig, wer unschuldig? Selbst die berechnende Jae Hee hat so etwas wie ein Herz – nur leider ist ihre Gier nach Macht noch viel größer. Und Eun Gi, die scheinbar kälteste und boshafteste Figur ist letztlich die verletzlichste, die aufgerieben wird zwischen den Intrigen zweier ehemaliger Liebender, die miteinander ringen. Überdramatisch. Ja. Klischeehaft. Aber sicher. Aber gleichzeitig unglaublich spannend und extrem gut gemacht. Die Frage ist nicht, wie viele Klischees man benutzt, die Frage ist, was man mit ihnen anstellt – das beweist „Nice Guy“ auf exzelente Weise.

Gegen Ende schwächelt das Drama leider ein wenig. Zum einen wird langsam klar, wer auf welcher Seite steht und damit fällt der Reiz des Ungewissen weg. Zum anderen wird alles sehr tragisch und das Erzähltempo nimmt ab. Der große Knall, auf den man die ganze Zeit wartet, kommt nie so wirklich. Dennoch ist das Ende der Serie in sich schlüssig und ich kann gut damit leben.
Nice Guy ist nicht perfekt, aber für mich zählt es zu den 5 besten Kdramas diesen Jahres. Absolut sehenswert!

Und das gibt es Neues

Ich glaube es ist in der Zwischenzeit noch einiges angelaufen, als ich auf meiner letzten Liste hatte, aber nichts, was ich wirklich auf  dem Radar hätte. In der nächsten Ausgabe gibt es aber sicher wieder eine ausführliche Liste.

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