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[Wird das noch besser?] Der Name des Windes

22. Januar 2013

Ihr kennt das sicher: Man liest ein Buch, das scheinbar absolut jeder toll findet. Aber nach motiviertem Start schleppt ihr euch nur noch Seite für Seite dahin und fragt euch: Lese ich auch das richtige Buch? Irgendwann kommt zwangsläufig der Zeitpunkt, an dem man überlegt das Buch aufzugeben. Aber vielleicht kommt das Beste, das, was alle dieses Buch loben und lieben lässt, ja noch? Was tun?

Mein heutiger Kandidat ist folgendes Buch, das ich mir als Hörbuch anhöre. Im Moment befinde ich mich irgendwo gegen Ende des ersten Drittels und frage mich ernsthaft, warum gerade dieses Buch auf dem dieser Tage ziemlich schwächelnden deutschen Fantasymarkt als eines der ganz wenigen erfolgreich war und ist.

namedeswindes

Patrick Rothfuss: Der Name des Windes

Der Roman hat ein in der Fantasy nicht unübliches Konzept, er ist – zum größten Teil – die Lebensgeschichte eines Helden, die dieser einem Chronisten erzählt. Unser Protagonist ist in diesem Fall noch recht jung, heißt Kvothe und lebt zu Beginn des Romans quasi incognito als Schankwirt mit seinem Schüler und Gehilfen (der ebenfalls mehr ist, als es von außen scheint) in einem kleinen Dorf. Es deutet sich an, dass es einen großen Wendpunkt in seinem Leben gab, die ihn in diese Abgeschiedenheit getrieben hat und es scheint, als wären Mächte am Erwachen, die ihn zwingen werden, diese wieder zu verlassen. Zunächst aber bekommen wir seine Lebensgeschichte erzählt, angefangen bei seiner Jugend als Sohn fahrender Spielleute mit außergewöhnlichen magischen und nichtmagischen Begabungen. Ein Magier erkennt sein Talent und gibt ihm Unterricht. Doch dann wird das Lager von unheimlichen Gestalten überfallen, Kvothes Familie getötet und er allein zurückgelassen.

An diesem Punkt bin ich jetzt – oder besser: An diesem Punkt war ich im letzten Jahr, als ich das letzte Mal das Hörbuch gehört habe. Und jetzt kann ich mich nicht dazu bringen, wieder anzufangen. Zunächst erstaunt mich, dass ein derart handlungarmes Buch so einen Erfolg hat. Das ist nicht unbedingt ein kommerzielles Konzept – und eigentlich wäre das ja auch erfreulich, wenn ruhige Töne Anklang finden würden. Was mir an dem Buch zu Beginn auch sehr gefallen hat, war die Stimmung, die da aufgebaut wird. Das ist sicher eine der Stärken des Buches: Es ist durchaus stimmungsvoll. Womit ich einfach nichts anfangen kann, das ist der überperfekte Kvothe. Der alles kann und alles weiß und sowohl in seinen eigenen Worten, als auch durch die Erzählstimme als souveräner Alleskönner portraitiert ist – es vergeht kaum ein Halbsatz, in dem man das nicht mit dem Holzhammer eingetrichtert bekommt. Sicher, er hat seine seelischen Wunden und Abgründe – welcher ordentliche Held hat das nicht? -, aber abgesehen davon ist er so begabt und toll, dass er mich langweilt. Und nervt. Ich habe das Gefühl ich stecke in einer Fantasygeschichte, die von einem Teenager geschrieben wurde. In diesem Alter neigt man gerne dazu, seine Helden zu perfekten Superhelden zu machen, wie man selbst gerne einer wäre. Perfekte Alleskönner sind aber langweilig als Helden, weil sie keine Spannung aufkommen lassen – sie werden ja eh mit allem fertig. Weil Perfektion auch einfach nicht menschlich ist, gerade die Dinge, die nicht perfekt sind, machen eine Persönlichkeit aus. Und Persönlichkeit, das hat Kvothe für mich bislang nicht. Und wenn ich mir schon eine im Schneckentempo erzählte Lebensgeschichte anhöre, dann doch die einer Person, die eine spannende Persönlichkeit ist.

Also, wie sieht es aus? Bleibt Kvothe der Oberstreber, der alles kann und alles weiß, der allenfalls vom Schicksal gebeutelt wird, wie es sich für einen Helden gehört? Oder lernen wir doch noch sein Kryptonit, seine schwache Seite, kennen?

Kurzum: Wird das noch besser?

13 Kommentare leave one →
  1. 22. Januar 2013 16:36

    Ich habe das Buch bisher nicht gelesen, aber ich habe trotzdem was zu dem Thema allgemein zu sagen🙂 Ich glaube, wenn man so mit einem Buch kämpft, wird es für einen nicht besser. Manchmal stimmt eben der Zeitpunkt nicht und es klappt Jahre später besser (oder vielleicht auch nicht, du versuchst es ja schon zum zweiten Mal, wenn ich das richtig verstanden habe) oder das Medium funktioniert für dich nicht. Vllt eignet sich der Stoff nicht für ein Hörbuch oder der Sprecher ist nicht so richtig gut?
    Allerdings klingt dein Problem ja eher nach einem anderen und insofern würde ich mich an deiner Stelle einfach nicht weiterquälen.
    Aber vllt widersprechen mir ja jetzt gleich Leute, die das Buch kennen und wissen, dass alles noch viel besser wird ;D

    • 23. Januar 2013 15:48

      Danke für deine Meinung zu dem Thema.
      Nein, ich versuche es nicht zum zweiten Mal, das Hörbuch habe ich im November angefangen und nach zwei Abenden dann nicht mehr weitergehört. Ich bin eigentlich auch wirklich ein radikaler Buchabbrecher. Was mir nicht gefällt, lese ich nicht zu Ende. Aber manchmal glaube ich, dass ich damit dem ein oder anderen Buch Umrecht tue, deshalb dachte ich, ich probiere es mal auf diesem Wege: Ich schreibe, was mich konkret stört, und frage Leute, die das Buch gelesen haben, ob sie denken, dass ich unter diesen Umständen noch mal Freude an dem Buch finde. Ich finde das hat auch ganz gut geklappt. Ich denke, ich kann das Buch jetzt getrost abbrechen, ohne das Gefühl zu haben, vielleicht etwas verpasst zu haben.

  2. 22. Januar 2013 18:22

    (dieser Kommentar enthält ein paar Mini-Spoiler :))

    Schade, dass dir das Buch nicht gefällt. Ich gehöre zu denen, die sehr begeistert davon sind…

    Allerdings mag ich auch gerade Kvothe als übermächtigen Helden, der nach dem was über ihn erzählt wird ja noch viel übermächtiger, legendärer und überhaupt sein muss als er zu diesem Zeitpunkt der Geschichte ist. Mich interessiert es sehr, herauszufinden, wie er zu diesem Überhelden geworden ist und warum er sich danach so zurückgezogen hat. Es gibt da ja immer wieder Andeutungen. Man bekommt im ersten Band aber noch keine konkreten Antworten (mehr hab ich auch noch nicht gelesen).

    Ich fand es auch sehr spannend über die ganzen großen und kleinen Schicksalsschläge zu lesen.

    Vom Prinzip her geht das Buch so weiter. Später kommt Kvothe zur Universität, da ändert sich das Setting nochmal etwas und es gibt ein bisschen Schulalltag. Und noch viel später kommt eine ziemlich tolle Drachengeschichte mit einem sehr innovativen Drachen, die mich persönlich sehr beeindruckt hat…

    Wenn Kvothe dich gar nicht neugierig macht und du die Abenteuer eher langweilig als spannend findest, ist es vielleicht einfach nicht dein Buch. Oder es ist, wie Miss Bookiverse auch schreibt, gerade einfach nicht die Zeit, es zu lesen (bzw. hören).

    • 23. Januar 2013 15:52

      Danke für diese sehr ausführliche Rückmeldung. Das hat mir wirklich sehr geholfen. Jetzt weiß ich, dass das einfach nicht das richtige Buch für mich ist und auch nicht mehr sein wird.
      Es freut mich, dass es dir gefallen hat und ich hoffe du hast an den Folgebänden noch genauso viel Spaß.🙂

  3. 22. Januar 2013 19:03

    Mir ging es ähnlich, so richtig in Fahrt kam ich nie und dann habe ich irgendwann ganz den Faden und die Lust verloren. Allerdings lege ich auch mal richtig gute Bücher weg, weil ich da zu lange Pause drin hatte. Aber zurück zu „Der Name des Windes“: Ich wollte dem Buch irgendwann noch eine Chance geben, wenn ich wieder in Hörbücherstimmung bin. Kann aber noch dauern…

    • 23. Januar 2013 15:55

      Das dachte ich mir auch: Vielleicht probiere ich es ja noch mal und bin mehr in der Stimmung dafür. Aber ich fürchte in der Stimmung für überperfekte Helden bin ich nie.
      Das mit dem zwischenzeitlichen Abbrechen von guten Büchern mache ich auch. Und am Ende lasse ich dann manchmal zu viel Zeit verstreichen, so dass ich nicht mehr reinfinde.

  4. 23. Januar 2013 07:04

    Ich habe mit dem Buch auch Probleme gehabt.
    Kvothes Perfektionismus war nervig, aber der ausschlaggebende Punkt war für mich, dass die Nebenfiguren meiner Meinung nach derart unwichtig im Gegensatz zu ihm waren, dass sie wie Pappaufsteller wirkten. Zudem konnte Kvothe zu niemanden eine wirklich ehrliche Freundschaft aufbauen. Der Autor musste seine Leser dann erklären, dass sie seine Freunde waren, aber glauben konnte ich das jedenfalls nicht. Daneben ist die ganze Story doch recht langatmig, aber das ist wohl Geschmackssache.

    Wenn ich ohne Kompromisse ein gutes Buch lesen muss, greife ich dann wohl doch wieder zu Harry Potter, da sind die Figuren besser ausgearbeitet.😉

    • 23. Januar 2013 15:57

      Danke für deine Rückmeldung. Das bestätigt meine Eindrücke doch recht klar. Irgendwie war ich schon am Zweifeln, ob es bei diesem hochgelobten Buch bei der Charakterisierung tatsächlich handwerkliche Schwächen gibt oder ob ich inzwischen einfach nur zu sehr zur Meckertante geworden bin.😉 Ich denke, ich werde dieses Buch getrost an mir vorbeiziehen lassen.🙂

  5. 23. Januar 2013 17:21

    Hallo! Ich fand den Roman fürchterlich, und hab ihn zu meinem Flop des Jahres vor ein paar Jahren erklärt:

    http://www.fantasy-news.com/2009/01/11/patrick-rothfuss-der-name-des-windesdie-koenigsmoerder-chronik-erster-tag/

    Auf Amazon habe ich dafür böse Schelte bekommen ,-))

    Mein Fazit war: Durchaus ambitioniert geschrieben, aber ich persönlich kam mit dem Charakter nicht klar. Ich mochte Kvothe nicht. Und wenn ich die Hauptfigur nicht mag, dann kann ich mit dem Buch auch nichts anfangen.

    Ich weiß aber nicht, ob ich jetzt der Charakterisierung handwerkliche Schwächen nachsagen würde (ist auch zu lange her, dass ich es gelesen habe), sondern vielmehr, dass ich Kvothe als Figur total nervig und unsympathisch fand.

    • 23. Januar 2013 17:22

      P.S. Und die Handlung selbst (bzw. der Mangel an Handlung) hat mich total gelangweilt …

    • 27. Januar 2013 06:21

      Ich bin ja eigentlich generell nicht so. Ich habe kein so großes Problem damit, wenn der Hauptcharakter nicht sympathisch ist. In Robin Hobbs „Shaman’s Crossing“ ist der Held ein ziemlich unsympathischer, unambitionierter Mitläufer. Ich konnte ihm wirklich nichts Sympathisches abgewinnen. Aber trotzdem sehe ich die Qualität des Buches (obwohl ich die Reihe dann aus anderen Gründen nicht zu Ende gelesen habe).
      Hier ist mir der Held nicht einfach nur unsympathisch, ich finde ihn in gewisser Weise flach und künstlich.
      Ja, und der Mangel an Handlung (und Mangel an Originalität der spärlich vorhandenen Handlung), tut dann noch sein Übriges.

  6. 27. Januar 2013 15:40

    Na toll, Ihr macht mir ja Mut. Ich hatte das Buch schon in den „bald-zu-lesen-Stapel“ gelegt. Angeschafft hatte ich es übrigens auch nur, weil es eine zeitlang in jedemans Munde war.
    Insgesamt bin ich im letzten Jahr noch jedes Mal böse hereingefallen, wenn ich zu einem Hypebuch gegriffen habe. Ob da was mit mir nicht stimmt, weil ich offenbar ein anderes Buch gelesen habe, habe ich mich gar nicht mehr gefragt. Manches ist einfach so wie es ist.😉

    PS: Ich hasse überperfekte Helden!

    • 28. Januar 2013 11:02

      Ich würde dir ja jetzt gerne Mut machen, aber dein abschließender Satz (den ich absolut teilen kann), lassen wirklich nicht vermuten, dass das dein Buch sein wird. Aber wer weiß, vielleicht gefallen dir ja andere Aspekte des Buches besser. Ich drück dir die Daumen.🙂

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