Skip to content

Versuchungen im Januar und Februar 2013

2. März 2013

Meine Auswahl an Lesestoff ist im Moment etwas eingeschränkt, aber das ist vielleicht gar nicht so schlecht, so liest man mal Sachen, die man sonst vielleicht gar nicht erst ausprobiert hätte. Hier meine Versuchungen in den ersten zwei Monaten dieses Jahres.

 

Mary Ann Shaffer: The Guernsey Literary and Potatoe Peel Pie Society

potatoe_peel_pie

Ich hatte dieses Buch gekauft, weil ich hier in den Buchläden sonst nichts gefunden habe, was mich angelacht hätte, und weil ich mal wieder richtig Lust auf ein simples Wohlfühlbuch hatte. Das Buch spielt kurz nach dem 2. Weltkrieg und ist ein Briefroman. Juliet Ashton, eine selbstbewusste junge Autorin, die nicht auf den Mund gefallen ist und mit ihrem leicht bissigen Sinn für Humor Erfolge mit einer Zeitungskolumne feiern konnte, erhält den Brief eines einfachen Mannes von der Insel Guernsey. Über Umwege ist er an ein Buch gekommen, das früher in ihrem Besitz war und bittet Sie nun um weitere Informationen über den Autor. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er auch eine literarische Gesellschaft, die sich auf der Insel während der deutschen Besatzung gegründet hatte. Juliet wittert eine interessante Geschichte und hakt nach. Nach und nach schreiben ihr immer mehr Mitglieder der Gemeinschaft und erzählen ihr vom Leben während der Besatzung und der Liebe zur Literatur.

Es gibt so eine bestimmte Art von Büchern, die sich so offensichtlich an Bücherliebhaber anbiedert, dass es mich ein bißchen abstößt. Das sind meistens diese Jugendbücher, in denen die Hauptfiguren introvertierte Bücherwürmer sind und sich von ihrer Umgebung unverstandenn fühlen. Und dieses Buch weckt in mir ähnliche Emotionen, mit einer Heldin, die ihren Verloben verstößt, weil dieser ihre Bücher in den Keller geräumt hat. Das Buch schreit einem einfach „Bücherwürmer werden mich lieben!“ ins Gesicht.

Trotzdem habe ich mich zunächst ganz wohl damit gefühlt. Juliet ist eine dieser schlagfertigen englischen Damen, deren Erzählton so heiter war, dass es Spaß machte, das Buch zu lesen und sich tatsächlich der gewünschte Wohlfühlmoment einstellte. Aber irgendwann wurden die Personen aus Guernsey, die ihr schrieben immer mehr und ich war unfähig sie auseinanderzuhalten, weil sie fast alle im nahezu gleichen Ton erzählen. Und ich merkte, dass mir dieses Dorf und seine Bewohner eigentlich ziemlich egal waren. Irgendwann habe ich angefangen, diese Briefe zu überspringen und nur noch die zwischen Juliet, ihrem Verleger, dessen Schwester und ihrem Verehrer zu lesen. Bis auch das keinen Spaß mehr machte, weil alles auf ein leider vorhersehbares langweiliges Ende zudriftete. Ich weiß ja, dass Wohlfühlbücher in gewisser Weise glatt und „nett“ sein müssen, aber das hier war so glatt und nett, dass es mir irgendwann gleichgültig wurde. Ich habe es letztlich abgebrochen.

Tamara Bach: Busfahrt mit Kuhn

busfahrtHabe ich eigentlich nur gelesen, weil es eines der wenigen interessant klingenden Jugendbücher in einer deutschen Bibliothek hier war und noch dazu vom Umfang her perfekt in meine kleine Tasche passte.

Es geht um vier Jugendliche, die nach ihrem Abitur einen Ausflug quer durch Deutschland machen, um am Ende ein Rockfestival zu besuchen. Dazu entführen sie Kuhn, den Autobus von Rikes Bruder. Es soll der tollste Sommer ihres Lebens werden, auch weil sie wissen, dass sie alle studieren und verschiedene Wege gehen werden. Aber unterwegs kommt dann doch alles anders. Bei dem Langzeitpärchen Sissi und Lex kriselt es und Rike fällt es schwer, die Nähe von Noah zu ertragen, in den sie schon lange verliebt ist, der aber widersprüchliche Signale von sich gibt und immer wieder andere Freundinnen hat.

Interessant ist auf jeden Fall die Art, wie das Buch erzählt ist: Aus Rikes Sicht, aber mit der kleinen Besonderheit, dass sie es im Stile einer Bewerbungsarbeit für die Filmhochschule schreibt. So mischt sich normale Erzählprosa mit Drehbuchelementen und gerade zum Ende hin bestimmen schnelle Schnitte in filmischer Manier das Tempo. Ich finde das Experiment geglückt, auch wenn der Tempowechsel mit einer einhergehenden Veränderung des Tons für mich beinahe ein zu starker Bruch war, so dass ich etwas unbefriedigt zurückgeblieben bin.

Grundsätzlich ist es ein rundes Buch mit einem geglückten Konzept. Das Ende der Schule bedeutet für alle Figuren auch das Ende eines Lebensabschnittes, und weil sie die Reise in diesem Bewusstsein beginnen, kann sie eigentlich gar nicht nur harmonisch werden, weil Abschiede – und gerade die von Lebensabschnitten – immer schmerzhaft sind. Manchmal ist mir das Buch fast etwas zu sehr Konzept, aber grundsätzlich habe ich es gerne gelesen. Ein nettes Jugendbuch, das ich als Sommerlektüre für die Zielgruppe ab 14 durchaus empfehlen würde.

Kristina Dunker: Sommergewitter

sommergewitterHabe ich aus ähnlichen Gründen gelesen wie „Busfahrt mit Kuhn“. Auch hier steht ein Vierergespann von Freunden im Mittelpunkt, die eisern zusammenhalten. Erst als Annikas Cousine Ginie zu Besuch kommt und gleich nach dem ersten Ausflug zum Baggersee verschwindet, kommen die dunklen Gefühle unter der harmonischen Oberfläche der Freundschaft zum Vorschein. Verdächtigungen werden ausgesprochen und lange verschwiegene Geschichten kommen ans Tageslicht.

Ich weiß ganz genau, was das Buch wollte und hätte es interessant gefunden, aber fand es schauderhaft schlecht umgesetzt. Die Dialoge sind steif, hölzern und klischeehaft in bester „so, denke ich, sprechen Jugendliche“-Manier. Auch die Konflikte sind zurechtkonstruiert und nahe dran unglaubwürdig zu sein. Am besten gefiel mir der Prolog und wie er sich am Ende in die Geschichte einfügt. Schade, ich glaube das hätte wirklich ein tolles Buch werden können.

Alex Capus: 13 wahre Geschichten

13wahreIch liebe Alex Capus‘ Bücher, aber ich bin wirklich kein Kurzgeschichtenmensch. Das habe ich hier wieder ganz deutlich gemerkt. Die kleinen Geschichten von unbeachteten und vergessenen Schweizern der Weltgeschichte sind interessant bis amüsant und waren eigentlich ideal als Buslektüre, aber ich habe sie trotzdem am Ende nicht alle gelesen. Wer noch nichts von dem Autor kennt, dem empfehle ich „Reisen im Licht der Sterne“, mein Lieblingsbuch von ihm, oder den tollen Roman „Léon und Louise“, der sich seit einiger Zeit auf den Bestsellerlisten tummelt.

Vera Hohleiter: Schlaflos in Seoul

schlaflosEin Memoir einer jungen Frau, die zwei Jahre in Seoul gelebt hat und von ihrer Zeit dort und den Merkwürdigkeiten der Koreaner berichtet. Ich will nicht zu viele Worte darüber verlieren, weil es dazu noch eine Rezension geben wird. Nur so viel: Ich kann verstehen, dass Koreaner sich von diesem Buch auf den Schlips getreten fühlen und dass das Buch in den Rezensionen auf Amazon einige Schelte einstecken muss. Es hätte ihm gut getan, wenn die Autorin sich einmal darauf besinnt hätte, was sie gut an diesem Land und seinen Bewohnern fand, nachdem sie sich immerhin 2 Jahre dort aufgehalten hat, statt sich darauf zu versteifen, das altbewährte Bild des absonderlichen Asiaten zu zeichnen.

Zwei Papas für Tango

tangoDas mit Abstand schlechteste Bilderbuch, das ich seit langem in Händen gehalten habe. Das einzig Gute daran ist das Thema, das sich um eine wahre Geschichte zweier männlicher Pinguine, die in einem New Yorker Zoo ein verlassenes Ei ausgebrütet haben, dreht. Die Bilder sind ok, aber auch nicht mehr. Der Text ist in jeder Hinsicht schlecht. Er ist weder sprachlich schön, noch wird die Geschichte gut erzählt. Es ist ein Herunterrattern von Tatsachen, ohne Tiefe oder Emotion. Vielleicht hätte sich die Autorin mehr von dem realen Vorbild trennen müssen. Es gibt eine sehr gute 2-Sterne-Rezension auf Amazon, die ganz gut darauf eingeht, was nicht stimmt an diesem Buch. Das Autor-Illustratorinnen-Gespann ist eigentlich erfahren und hat schon mehr als dieses eine Bilderbuch gemacht. Ich kenne leider ihre anderen Werke nicht, aber ich hoffe wirklich, dass das hier nur ein Ausrutscher ist. Schade, denn das Thema hätte ich so toll gefunden.

Neil Gaiman: Der Sternwanderer

sternwandererHatte ich mir einmal bei einer Gratisaktion als Hörbuch heruntergeladen. Ich kannte bislang nur den Film, der mein Lieblingsfantasyfilm ist. Die Geschichte von einem jungen Mann aus dem Dörfchen Wall, der im magischen Reich jenseits der streng bewachten Mauer nach einem gefallenen Stern sucht und auf ein zickiges Sternenmädchen, böse Hexen im Jugendwahn, mordlüstige Prinzen und vieles andere trifft, fand ich auch in der Buchvorlage einfach wunderbar zauberhaft und witzig. Und das, obwohl meine bisherigen Erfahrungen mit Gaiman eher durchwachsen waren. (Er ist ein toller Autor, das wage ich gar nicht zu bestreiten, aber er ist nicht so wirklich „mein“ Autor)

Gail Carriger: Etiquette und Espionage

espionageNachdem das Buch hier leider nirgendwo aufzutreiben ist, habe ich mir das Hörbuch bei Audible runtergeladen, weil ich noch übrige Guthaben hatte. Ich bin ehrlich überrascht, dass das Buch jugedlicher ist, als ich dachte – auch jugendlicher als es aussieht. Es erinnert mich enorm an die Kinderbücher, die ich früher gelesen habe – von Diana Wynne Jones über Burnett und viele andere. (Wobei die meisten Leute wohl mit der alten „Das ist wie Harry Potter“-Leier anfangen werden, als hätte JKR das klassische Kinderbuch mit Internat, Magie und skurrilem Humor erfunden). Diese klassischen Elemente finde ich gepaart mit dem typischen Carriger-Humor einfach großartig. Auch das Hörbuch ist ein Volltreffer, denn Moira Quirk liest dieses Buch so großartig mit verstellten Stimmen, dass es einfach ein Heidenspaß ist. Ich schätze, das Buch muss ich mir irgendwann auch wegen des tollen Covers doch noch kaufen. Eine Rezension gibt es, wenn ich die 9 Stunden zu Ende gehört habe.

Wolfgang Herrndorf: Tschick

Ein Buch, das gefühlt schon jeder gelesen hat. Jetzt ist es aus den gleichen Gründen wie die obigen Jugendbücher auch auf meiner Leseliste gelandet. Nach den ersten 50 Seiten gefällt es mir eigentlich noch ganz gut. Mehr dazu an anderer Stelle.

5 Kommentare leave one →
  1. 12. März 2013 16:40

    Ich finde bei Neil Gaiman kommt es wirklich auf das Buch an. Er kann definitiv schreiben, aber ich habe auch schon Bücher von ihm gelesen, die mich begeistert haben und welche, die ich abbrechen musste, weil sie mein Interesse einfach nicht aufrecht halten konnten.

    • 24. März 2013 04:01

      Vielleicht sollte ich es ja häufiger probieren. Ich habe bislang nur „Niemalsland“ zur Hälfte gelesen und es hat mich irgendwann einfach zu Tode gelangweilt, weil es zwar wunderbar einfallsreich war, bei mir aber keinerlei Emotionen hervorrief.

      • 24. März 2013 14:19

        Haha, das ist lustig, Neverwhere war glaub ich mein erstes von ihm und das fand ich total toll ;D Seine Kurzgeschichten find ich auch ziemlich cool, v.a. die in Smoke and Mirrors zusammengefasst sind.

  2. 13. März 2013 11:58

    Hm, ich glaube ich muss Frau Carriger doch noch mal eine Chance geben. Ich habe Soulless (hieß der erste Band der Serie so? Ich glaube schon) gelesen und war ein bisschen enttäuscht, aber seitdem habe ich so viel Gutes über die Serie gehört. Vielleicht versuche ich es mal mit Etiquette & Espionage, so begeistert wie Du klingst.

    • 24. März 2013 03:58

      Meine Begeisterung rührt aber auch daher, dass Gail Carriger bei mir einfach einen Nerv trifft. Ich mag „Soulless“ sehr (mit kleinen Abstrichen) und ich würde jetzt nach knapp der Hälfte nicht sagen, dass ihre neue Serie so viel besser wäre. Carriger hat einfach ihre Art zu schreiben, die man mögen kann oder auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s