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[TV-Serie] Lost in Austen (ITV, 2008)

1. April 2013

lostinausten

„Lost in Austen“ ist eine britische Miniserie aus dem Jahr 2008. Es ist eine von diesen Serien, über die ich immer wieder gehört habe, ohne wirklich Anstalten zu machen, sie anzusehen. Letzte Woche hat dann ein Kommentar auf Youtube den Ausschlag gegeben, dass ich sie plötzlich doch sehen wollte.

Im Mittelpunkt der vierteiligen Serie steht Amanda Price, eine junge Frau aus dem modernen London. Sie ist ein großer Fan des Romans „Pride & Prejudice“ und wünscht sich insgeheim, dass ihr Leben auch so wäre, wie das von Elizabeth. Denn ihr Partner, der ihr betrunken mit der Bierdose in der Hand einen Heiratsantrag macht, ist so weit entfernt von dem zivilisierten Mr. Darcy, wie man nur sein kann.
Doch plötzlich steht Elizabeth Bennett leibhaftig vor ihr. Denn eine alte Tür in Amandas Badezimmer führt direkt in den Dachboden der Familie Bennett. Kurzerhand stößt Elizabeth Amanda durch dieses magische Portal und diese findet sich plötzlich in der Welt ihres Lieblingsbuches wieder. Sie stellt fest, dass sie pünktlich zu Beginn der Romanhandlung eingetroffen ist, gerade hat Bingley Netherfield bezogen. Aber wie soll es weitergehen, wenn doch die Hauptfigur, Elizabeth, fehlt?
Und natürlich geht alles schief. Zwar stellen die Bennetts zum Glück keine großen Fragen, als Amanda als „Lizzies Freundin“ plötzlich in ihrem Haus auftaucht, aber schon der erste Besuch Bingleys läuft nicht wie geplant. Denn ein Blick in Amandas freizügiges Dekolleté und Bingley hat sein Herz an die Falsche verloren. Was Jane wiederum frei macht für Collins und Charlotte … Je mehr Amanda versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen, desto verworrener wird die Lage. Zu allem Überfluss ist Darcy gar kein Traummann, sondern einfach nur ein unfreundlicher Miesepeter. Und noch immer macht Elizabeth keine Anstalten zurückzukehren …

Der letzte Eindruck eines Buches oder Filmes bestimmt immer mehr oder weniger den Gesamteindruck, den man davon hat. Und deshalb fällt mein Urteil über „Lost in Austen“ nicht übermäßig positiv aus. Am Anfang war ich durchaus angetan. Die Serie spielt ganz geschickt mit den Figuren und Motiven der Serie, so dass es sogar gelingt, dass auch Amanda Darcy zu Beginn nicht leiden kann, obwohl sie doch weiß, dass er „in Wirklichkeit“ nett ist. Der Humor ist etwas derbe stellenweise, vor allem im Vergleich zu der sanften Ironie des Originals, aber ich fand, dass das alles in einem Rahmen bleibt, der Spaß macht.
Natürlich muss man beide Augen zudrücken, wenn es um historische Korrektheit geht, vor allem wenn die in jeder Hinsicht modern aussehende Amanda ohne jegliche Irritation bei den Bennetts und in der Gesellschaft aufgenommen wird. Aber es ist klar, dass es sich hier um eine Komödie, fast schon eine Parodie des Originals handelt, und da nimmt man es dann nicht so genau, sondern hat einfach Spaß.

Die zweite Hälfte wirkt dann aber gar nicht mehr so „geschickt“, sondern eher wie ein großes Durcheinander. Dazu schien sich der Autor nicht entscheiden zu können, ob er romantisch oder albern sein will. Er versucht beides und scheitert daran in jeder Hinsicht.
Nichts ist symptomatischer dafür als der Moment, in dem das große Liebesgeständnis durch eine (sogar ziemlich gute) witzige Szene durchbrochen wird. Zumal das Buch genau das nicht schafft, was das Original so gut macht: den glaubhaften Umschwung der Gefühle der Protagonistin, der durch eine Reihe von Erkenntnissen und einem damit einhergehenden Wechsel des Blickwinkels auf Darcy herbeigeführt wird. Es gibt besagtes großes Liebesgeständnis, und plötzlich merkt Amanda: „Ich liebe ihn!“. Ach.
Überhaupt wird viel von Liebe geredet in dieser zweiten Hälfte, aber romantische Gefühle liegen eher nicht in der Luft. Und hier, an der Symbiose von Romantik und Humor – die durchaus funktionieren kann – versagt diese Miniserie für mich komplett. Man kann natürlich sagen, dass die Serie das gar nicht wollte – also romantisch sein. Aber warum dann dieses fürchterlich zuckrige, fangerechte Ende?
Dazu kommt dann natürlich noch die Absurdität der Handlung, der irgendwann jede Logik abhandenkommt. Da wird dann aus einer witzigen Spielerei mit einem Klassiker endgültig plumper Klamauk.
Ich mag Parodien, aber ich mag es, wenn sie clever sind und nicht nur versuchen durch möglichst viel Albernheit und Absurdität eine Menge Krawall zu machen. „Lost in Austen“ hat gute Ideen und spielt durchaus geschickt mit dem Original und der Rezeption der Fans des Stoffes, aber es ist nicht halb so intelligent wie es gerne wäre. Fans lesen Austen nicht nur wegen der romantischen Liebesgeschichten, sondern auch wegen ihrer gelungenen Beobachtungen der Gesellschaft und der sanften Ironie des Textes. Das hätten die Autoren eventuell beherzigen sollen, dann wäre „Lost in Austen“ vielleicht eine bessere Serie geworden.
Bei mir bleiben gemischte Gefühle und damit

2,5 von 5 Punkten.

6 Kommentare leave one →
  1. minthoa permalink
    4. April 2013 16:35

    Die Idee der Miniserie finde ich toll. Schade, wenn sie tatsächlich nicht so gut umgesetzt wurde.
    Ich bin nur etwas irritiert. Basiert die Serie auch auf einen Roman? Sonst versteh ich diesen Satz nicht so ganz: „Zumal das Buch genau das nicht schafft, was das Original so gut macht“. Hast du da den Film gemeint?

    Ansonsten nachträglich Frohe Ostern.

    • 5. April 2013 07:26

      Mit „Original“ ist der Roman „Pride and Prejudice“ gemeint, weil Amanda ja quasi in der Romanhandlung landet und die Ereignisse dort nacherlebt. Und wie Elizabeth hasst sie Darcy zunächst. Nur die Wandlung von Hass zu Liebe, die in „Pride and Prejudice“ gut gelingt, funktioniert in diesem Film für mich gar nicht.

  2. 5. April 2013 09:43

    Ich hab die Serie mal angefangen, bin aber nie über Teil 1 rausgekommen. Ich hab permanent unter Fremdschämen gelitten und war von der tollpatschigen Amanda ziemlich genervt.

  3. 5. April 2013 19:24

    Ich wollte die Serie auch schon lange schauen, weil ich die Version mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen liebe und zu Hause haben, weshalb ich sie öfter mal ansehe. Habe aus Liebe zum Film auch das Buch gelesen und mochte es auch sehr.
    Aber nach deinem Post ist mir die Lust auf die Serie vergangen, auch wenn der Anfang ganz toll wäre – es ist das Gefühl mit dem man etwas beendet, das zählt, da kann der Anfang noch so toll sein^^

    • 5. April 2013 20:57

      Hast du denn die anderen Verfilmungen mal gesehen? Die BBC von 1995 ist fast schon ein Muss und auch die alte Schwarzweiß-Verfilmung mit Greer Garson hat, obwohl sie weit vom Original entfernt ist, echt ihren Charme.
      Und dann wären da noch die Lizzie Bennett Diaries auf Youtube. Eine moderne Vlog-Variante. Nicht perfekt, aber sie ist mir ans Herz gewachsen in den letzten Monaten.
      Alles besser als „Lost in Austen“. Leider.

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