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Bald auch Fanfiction bei Amazon

22. Mai 2013

Ich bringe Amazon ja nicht unbedingt die größten Sympathien entgegen, aber man muss ihnen einfach lassen, dass sie die Augen offen haben für das, was um sie herum passiert, und nicht davor zurückschrecken, ihren Einfluss und ihr Geld in immer neue Ideen und Projekte zu investieren.

Der neueste Vorstoß wird Kindle Worlds sein, ein Portal für Fanfiction. Während Fanfiction bislang so ein halb legales Vergnügen war, das von den meisten Autoren und Verlagen bzw. Produktionsformen weitgehend stillschweigend toleriert wurde, holt Amazon nun Rechte ein und gibt den Autoren damit die Möglichkeit, nicht nur legal zu veröffentlichen, sondern auch zu verkaufen und 35% von den Einnahmen zu erhalten. Und dass man Fanfiction verkaufen kann, das wissen wir spätestens seit Fifty Shades of Grey. Und jetzt müsste man nicht mal mehr die Namen austauschen …

Es wird spannend sein, wie die Fanfiction-Szene darauf reagiert. Wird sich jahrzehntelanger Wildwuchs wirklich domestizieren und für den schnöden Mammon von Amazon vereinnahmen lassen? Und warum sollten die Fanfiction-Leser nun plötzlich Geld für etwas bezahlen, was es überall im Netz gratis zu lesen gibt? Natürlich könnte es sein, dass die „Stars“ der Szene irgendwann aus den alten Archiven abwandern und die Möglichkeit nutzen, legal Geld mit ihren Publikationen verdienen zu können. Wie viele Rechte wird Amazon tatsächlich einholen können? Und werden die Rechtegeber dann beginnen, gegen die „illegale“ Fanfiction anderswo im Netz vorzugehen, weil sie daran kein Geld verdienen können? Das könnte der Szene tatsächlich einen herben Schlag versetzen.

Aber langsam gewöhnt man sich daran, dass Unabhängigkeit von den Riesen des Online-Business fast nicht mehr möglich ist. Es bleibt ja immerhin auch noch zu erwarten, was Yahoo mit Tumblr anstellt … Ich finde das immer etwas traurig, weil ich das Gefühl habe, dass da viel Kreativität auf der Strecke bleibt. Nicht nur, weil sich alle Teilnehmer den Regeln eines gewinnorientierten Unternehmens unterwerfen müssen, sondern auch, weil die Aussicht auf Einnahmen viel verändert. Das ist sehr interessant auf Youtube zu beobachten, wo mit immer mehr Professionalisierung auch immer mehr Eintönigkeit einhergeht. Aber es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich das alles entwickelt. Noch ist nicht die Zeit für Jubelstürme oder Untergangsszenarien.

Noch bin ich auch nicht überzeugt davon, dass Amazon damit tatsächlich den großen Wurf gelandet hat, denn unter anderem soll Pornographie nicht erlaubt sein. Und mal ehrlich: Wir haben den Krempel doch früher alle zu einem nicht unbeträchtlichen Teil wegen des porn gelesen …😉

Falls jemand von euch tiefer in der Fanfictionszene ist (mir gibt FF leider so gar nichts, weshalb ich sie seit Jahren so gut wie nicht mehr lese), würde mich seine Meinung interessieren und ich bin dankbar für interessante Artikel aus der Szene zum Thema.

Zum Abschluss noch ein Tweet zum Thema😉

kwtwitter01

3 Kommentare leave one →
  1. 24. Mai 2013 08:07

    Jim C. Hines hat sich zu dem Thema auf seinem Blog geäußert: http://www.jimchines.com/2013/05/amazon-jumps-into-the-fanfic-business

    Noch interessanter fände ich es, wenn sich Autoren/Autorinnen wie Seannan McGuire dazu äußern würden, die mit FanFiction angefangen haben und das immer noch neben ihren professionellen Veröffentlichungen machen.

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