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Leseempfehlungen – mal nicht in Buchform

2. Juni 2013

Manchmal stoße ich auf Artikel, die ich so gut finde, dass ich sie weiterempfehlen möchte. Twitter ist da eine dankbare Möglichkeit, aber die Zeichenzahl reicht nicht aus, um zu sagen, warum ich ihn empfehlenswert finde. Und jedem spannenden Text hier einen eigenen Beitrag widmen möchte ich auch nicht. Deshalb dachte ich mir, ich sammle und empfehle hier in unregelmäßigen Abständen ein paar Artikel oder Blogeinträge, die ich interessant oder lesenswert finde.

Auf literaturcafe.de gibt es einen niedergeschrieben Vortrag des zukünftigen Hanser-Verlegers Jo Lendle zu lesen. Der provokative Titel Verlage sind nicht mehr nötig hätte bei mir fast dazu geführt, den Beitrag erst gar nicht zu lesen, denn die undifferenzierten Jubelstürme für das Selfpublishing und das gleichzeitige Verteufeln des traditionellen Verlagsmodells habe ich mittlerweile schon etwas zu oft gesehen. Umso überraschter war ich, eine sehr unaufgeregte, sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu lesen.
Sehr empfehlenswert:

Künftiger Hanser-Verleger Jo Lendle: »Verlage sind nicht mehr nötig«

Mehr aus dem Augenwinkel als bewusst habe ich wahrgenommen, dass einige amerikanische Bloggerinnen immer mal wieder den Sexismus im Bereich der Fantasy- und SF-Literatur thematisiert haben. Ich habe das meistens nur kurz überflogen, aber jetzt hat ein Artikel von Ann Aguirre, der Autorin von Grimspace (deutsch: Dunkles Universum: Sonnenfeuer), einem Science Fiction Roman mit romantischen Elementen, meine Aufmerksamkeit erregt. Sie berichtet von Erlebnissen auf Genre-Conventions, wo sie oft die einzige Autorin war und von ihren männlichen Kollegen belächelt ignoriert oder sogar Kaffeeholen geschickt wurde. Interessant zu lesen.

Ann Aguirre: This Week in SF

EDIT: Gut, es ist wohl der Tatsache, dass ich seit meinem Computercrash im letzten Jahr nur noch wenige Blogs abonniert habe, geschuldet, dass ich den kleinen Skandal um Mike Resnick und Barry Malzberg im Bulletin der SFWA nicht mitbekommen habe, der vermutlich Auslöser für Ann Aguirres „Outing“ ist. Die beiden hatten wohl in klassischer Altherrenmanier über weibliche Autoren und Lektoren philosophiert und auf Widerspruch mit Zensur und schlimmeren Beschuldigungen um sich geworfen. Die Sache scheint schon länger zu brodeln und kocht dieser Tage noch einmal so richtig hoch. Vielleicht, wenn ich Zeit und Muße habe, versuche ich das auseinanderzuklamüsern und mache einen eigenen Artikel draus.

5 Kommentare leave one →
  1. 3. Juni 2013 06:15

    Bei dem Artikel von Ann Aguirre ist mir fast die Kinnlade runtergefallen. Unglaublich. Die männlichen Autoren können froh sein, dass sie keine Namen nennt. Wobei es wahrscheinlich nicht so schwierig wäre die herauszufinden.

    • 3. Juni 2013 10:29

      Ist vielleicht auch besser so, dass sie die Namen nicht nennt, sonst gäbe es wieder eine virtuelle Schlammschlacht. Ich bin gespannt, ob sich noch andere Autorinnen zu Wort melden, ob sie ähnliche Erlebnisse hatten.

      • 3. Juni 2013 12:10

        Das dürfte in der Tat interessant werden!

        Ich finde es auch gut, dass sie keine Namen nennt. So wirkt sie deutlich professioneller als der Kollege, der sich so unhöflich benommen hat. Das hat Stil.

  2. 3. Juni 2013 08:04

    Danke für das Verlinken beider Artikel.
    Ich fand beide gut und interessant. Während ich die Meinung des Hanser-Verlegers so unterschreiben kann, fällt mir dass bei Ann Aguire etwas schwerer.

    Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich es überhaupt nicht okay finde, was ihr wiederfahren ist. Das sind echt No Go’s!

    Andererseits frage ich mich, ob sie sich bei den Beispielen, die sie schildert, nicht zu sehr in die Richtung „das liegt daran, dass ich eine Frau bin“ flüchtet.

    Ich war bereits auf diversen Cons und habe Autoren aus unterschiedlichsten Genres erlebt. Es gibt die, die ruhiger sind, und dann gibt es die, die aufgedrehter sind. Und es gibt mit Sicherheit unter ihnen auch etwas Selbstverliebte oder aber Leute, die sich einfach gern reden hören – oder die gar nicht merken, dass sie in ihrer Begeisterung andere nicht zu Wort kommen lassen. Der Autor in Aguirres Beispiel, der ständig das Wort an sich gerissen und nur über sich selbst geredet hat, hat sich eindeutig daneben benommen – allerdings nicht nur gegenüber der Autorin, sondern auch gegenüber allen seinen männlichen Autorenkollegen. Die hat er ja offenbar auch nicht zu Wort kommen lassen. Ich unterstelle ihm also keine sexistischen Beweggründe, sondern eher Selbstverliebtheit.

    Abgesehen davon hätte die Moderatorin des Panels sicher standfester sein und härter durchgreifen müssen, damit ihr das Panel nicht aus dem Ruder läuft. Auch wenn sie sich dann vielleicht bei dem einen oder anderen Autor oder Fan im Publikum unbeliebt gemacht hätte.

    Ein weiteres Problem ist dann aber vermutlich auch, dass es DER Autor ODER DIE Autorin einer Geschichte, in der die Liebe eine so große Rolle spielt, schwer hat, auf einer Con zu bestehen, auf der vermutlich der Großteil des Publikums andere Geschichten lieber mag. (Das wäre einem Mann, der romantische SciFi schreibt, sicher ähnlich gegangen).

    Die Science Fiction kann sicher vielseitig sein (man denke nur an erfolgreiche SF-Autoren wie Marion Zimmer Bradley oder Catherina Asaro; gerade letztere schreibt ja seit Jahren bereits sehr erfolgreich SciFi-Romane, in denen die Liebe eine große Rolle spielt – zugegeben für eine vorwiegend weibliche Leserschaft). Und es ist großartig, wenn auf einer Con ein Genre von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wird – aber mir muss klar sein, dass zu einer solchen Con vor allem Fans des Genres gehen. Und die überwiegenden SciFi-Fans (nur eine Vermutung) mögen vielleicht derzeit noch eher traditionelle Stoffe und Ann Aguirre wäre vielleicht auf einer anderen Con besser aufgehoben. Ich meine, schon die Tatsache, dass sie sie mit Sherrilyn Kenyon in eine Autogrammstunde gesprochen haben, ist entweder total diskriminierend oder aber es spricht Bände …

    Ja, es wäre schön, wenn die Welt anders wäre.
    Aber die Wahrheit ist doch, wenn ich ein Buch aufschlage, dass als Urban Fantasy vermarktet wird, und dann bekomme ich einen Paranormal Romance-Roman (oder umgekehrt), dann bin ich auch enttäuscht! Wenn ich auf eine Con gehe, auf der es in erster Linie um Liebesgeschichten und in zweiter Linie um Fantasy geht, darf ich mich nicht darüber beschweren, dass dem Fantasy-Aspekt zu wenig Raum gegeben wurde. Wir sagen doch immer zu Autoren: Know your market!

    Ich sage nicht, dass es Frauen in der SF-Branche leicht haben. Ich kann mir vorstellen, das haben sie nicht.

    Aber ein bisschen zu einfach macht es sich Ann Aguire in ihrer Argumentation meines Erachtens schon. Liegt es wirklich an ihrem Geschlecht, dass ihre Kollegen sie so behandeln, oder liegt es an den Geschichte, die sie erzählt?

    Achtung! Ich sage nicht, dass es in Ordnung wäre, wenn man sie wegen ihrer Geschichten angreift, aber falls es darum geht, dann muss ihre Argumentation anders laufen.

    So, möge das Bashing gegen mich beginnen …

    • 3. Juni 2013 10:27

      Warum sollte man dich bashen? Ist doch völlig in Ordnung, die Artikel sind ja dazu da, dass man sich damit auseinersetzt und nicht alles einfach nur abnickt. Gerade in diesem Fall, in dem wir ja nur einen persönlichen, sehr emotionalen Bericht aus ihrer subjektiven Sicht haben.

      Ich stimme dir zum Teil sogar zu. Es klingt einiges an Unsicherheit und gekränkter Eitelkeit mit, weshalb ich nicht sagen kann, ob sie manches ärger interpretiert, als es war, Und ja, auf den Romantik-Gedanken bin ich auch gekommen. Andererseits ist Grimspace, soweit ich das beurteilen kann (ich habe es nach 100 Seiten abgebrochen, aber eine Freundin, die viel SF liest und keine PNR mag, liest die Bücher gerne), nicht in erster Linie ein Liebesroman, sondern hat genug SF-Anteil, dass sie über das Genre sprechen kann und ernst genommen werden darf. Und ich frage mich wirklich, ob es besser wäre, wenn man sie belächelt, weil sie SF mit romantischen Anteilen für eine überwiegend weibliche Zielgruppe schreibt.
      Und während ich einiges durchaus für Interpretationssache halte, ist es doch die Häufung von Vorfällen über Jahre, die es mir eher schwer macht, wirklich alles als Fehlinterpretionen abzutun. Letztlich mag nicht alles davon wirklich Sexismus gewesen sein, aber auch dann fragt man sich, ob man nicht über den Umgang miteinander nachdenken muss.
      Insofern finde ich ihren kleinen Ausbruch (als „Argumentation“ würde ich das gar nicht bezeichnen, sie macht sie eher recht ungeordnet Luft) durchaus interessant.

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