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[Rezension] Mary Ann Rivers: The Story Guy

22. Juli 2013
rivers_storyguy

“I have never had a first kiss like this. Is it that he’s a stranger? So beautiful? If so, I am ruined for anything but beautiful strangers forever.”

The Story Guy
von Mary Ann Rivers

Verlag: Loveswept, Juli 2013
ISBN: 0345548744 / ASIN (Kindle): B00BKK6FLC
Seiten: ca. 130
Preis: ca 0,70 €
Besonderheit: In deutschen Shops habe ich das Buch leider nur bei Amazon als Kindle-Variante gefunden. In amerikanischen Shops gibt es auch andere Formate.

Die Versuchung
Dieser Kurzroman im E-Book-Format war ein Spontankauf. Ich las eine Empfehlung auf einem amerikanischen Blog, sah, dass dieses kleine Debut auch sonst nur positive Stimmen erntete und dachte, dass das Risiko sich bei einem Preis unter 1€ (den ich unmöglich niedrig finde) in Grenzen hält. Zudem ist das Buch kein Selfpublishingtitel, sondern stammt aus dem Random House Imprint „Loveswept“, das sich auf Romantik im E-Book-Format spezialisiert hat, und entsprechend wusste ich, dass ich ziemlich sicher einen lektorierten und korrigierten Text bekomme. Also habe ich kurzerhand zugegriffen.

Was habe ich erwartet?
Ich hatte mir einen netten Liebesroman erhofft, weil ich irgendwie das Bedürfnis hatte, einen gewissen, unterirdischen Bestseller aus meinem System zu bekommen.

Was habe ich bekommen?
Eine schöne Geschichte, die mir aber in Teilen zu dick aufgetragen ist und in die mich emotional nicht zu 100% gepackt hat. Andererseits durfte ich aber auch eine Autorin kennenlernen, die einen interessanten Stil hat, ihre Charaktere gut erfasst und von der ich definitiv noch einmal etwas lesen würde.

Carrie liebt ihren Job als Bibliothekarin und ist eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn sie das dumpfe Gefühl hat, dass ihr etwas fehlt. Eines Nachts entdeckt sie im Internet auf einem Message Board die ungewöhnliche Anzeige eines Mannes. Er sucht eine Frau, mit der er sich jeden Mittwochmittag für eine Stunde im Park zum Küssen treffen will. Nur Küssen, nicht mehr. Und wenn einer von beiden keine Lust mehr hat, kommt er einfach nicht mehr. Carrie, die Brian, den Mann auf dem Foto, attraktiv findet und plötzlich die Abenteuerlust in sich aufsteigen fühlt, trifft sich mit ihm. Doch schon nach dem ersten Treffen, bei dem es heftig funkt, weiß Carrie, dass ihr eine Stunde pro Woche nicht reichen wird. Obwohl Brian versucht, die Grenzen ihrer Vereinbarung zu halten, weichen beide sie bald auf, mit Emails und Telefonaten, die sie immer enger zusammenwachsen lassen. Aber da ist etwas in seinem Leben, das ihm keinen Platz für eine Beziehung lässt, das ihm eigentlich nicht einmal Platz für sich selbst lässt. Und nun liegt es an Carrie, ob sie sich weiter auf diesen komplizierten Mann einlassen oder doch wieder den sicheren Weg gehen will.

Ich war überrascht, wie gut dieses Novellenformat für mich funktioniert hat. Normalerweise sind mir Liebesromane zwar ohnehin zu lang, so dass ich viele gar nicht zu Ende lese, aber die umgerechnet 120-130 Seiten schienen mir auch etwas wenig zu sein. Letztlich fand ich es aber nahezu perfekt für eine Geschichte dieser Art. Es lässt den Figuren und dem Wachsen ihrer Beziehung genug Raum und langweilt nicht mit erzwungenen Missverständnissen und Verwicklungen. Lediglich die Anfangsphase mit den Mittwochstreffen hätte ich mir etwas länger gewünscht. Gerade wenn eine Beziehung in so ein Regelwerk eingebunden ist, kann das sehr reizvoll sein, weil solche Grenzen, die man nicht übertreten darf, eine gewisse Spannung aufbauen.

Schön ist, wie durchdacht die Figuren und ihre Konflikte sind. Carrie ist eine ganz normale Frau. Keines dieser Dummchen, die ich vor einigen Wochen beklagt habe, keine schüchterne Jungfrau mit Komplexen ihren eigenen Körper oder ihre Sexualität betreffend. Sie hält sich nicht für unwiderstehlich, aber sie scheint weitgehend im Einklang mit sich selbst zu sein und weiß auch im Bett, was sie will, so dass die emotionale und auch sexuelle Beziehung zwischen den beiden nicht das Gefälle aufweist, das man sonst so oft zu lesen bekommt. Leider entspricht aber der männliche Protagonist einem Liebesromantropus: dem Leidenden, den quasi nur die richtige Frau retten kann. Dagegen bin ich leider Gottes mittlerweile etwas allergisch, was meine Freude an dem Buch doch deutlich getrübt hat. Obwohl sein Verhalten und sein innerer Konflikt für mich vollkommen nachvollziehbar und sehr schön dargestellt waren. Man merkt, dass die Autorin sich Gedanken gemacht und nicht einfach drauflos geschrieben hat. Sie erklärt zum Beispiel nie, warum Brian in seiner Anzeige anbietet, dass man ihn berühren darf, es aber bei der anderen Person nicht tun wird, aber man weiß am Ende einfach, warum es so ist.

Geschrieben ist all das in einer angenehmen, nicht zu platten Sprache. Ein paar der Bilder sind mir etwas zu gewagt und nah am Kitsch und an einigen Stellen trägt sie mir deutlich zu dick auf. Auch das ist ein Grund, warum ich nie mit ganzem Herzen dabei war, manchmal musste ich einfach mit den Augen rollen und war wieder raus aus dem Geschehen. Das liegt aber sicher auch an meiner Abneigung gegen diese „leidender Mann muss gerettet werden“-Plots. Wer so etwas mag und sich darauf einlassen kann, für den ist das sicher genau die richtige Geschichte und ich verstehe gut, warum so viele Rezensenten schreiben, dass das Buch sie sehr gerührt habe.

Auch wenn diese Novelle bei mir nicht ganz ins Schwarze getroffen hat, habe ich mit ihr eine Autorin entdeckt, die ich im Augen behalten möchte und von der ich gerne in der Zukunft noch einmal etwas lesen würde.

Wertung: 3,5 (von 5,0)

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