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Lesempfehlungen mal nicht in Buchform #2

7. August 2013

Wieder sind ein paar Artikel zusammengekommen, die ich lesenswert oder zumindest interessant finde. Ich habe dieses Mal etwas mehr kommentiert (weil mir gerade danach war) und auch eure Meinungen zu dem ein oder anderen Thema sind ausdrücklich willkommen.

Nina Kreutzfeldt: Wie wird der Kuchen künftig verteilt?

Nina Kreutzfeldt stellt hier eine Beispielkalkulation eines Printbuches und der dazugehörigen E-Book-Ausgabe gegenüber, indem sie davon ausgeht, dass beide zum gleichen Preis verkauft werden. Dazu stellt sie Überlegungen auf, welchen Fragen und Herausforderungen sich Verlage künftig stellen müssen und wer die Gewinner und Verlierer der Entwicklung hin zum Ebook sind. Lesenswert ist hier auch die Diskussion zum Artikel, in die sich die Autorin auch selbst einbringt.

Ich habe sehr früh gelernt, mich aus Diskussionen zum Thema Preise von Ebooks herauszuhalten. Die liefen in etwa immer so ab: „Ein E-Book darf höchstens die Hälfte von der Printausgabe kosten, schließlich spart sich der Verlag den Druck!“. Ich: „Der Druck kostet aber nicht die Hälfte des Buches [lange Erklärungen über die bei der Produktion eines Buches anfallenden Kosten]“. Antwort: „Ist mir doch egal, ich bin nicht bereit, mehr zu zahlen. Ich bin der Kunde, habe immer recht und außerdem kein Geld“ Wie soll man da noch diskutieren? Und worüber? Während ich das subjektive Empfinden, weniger zu bekommen nachfühlen und das Argument, dass im Moment kein Weiterverkauf möglich ist, verstehen kann, gehöre ich tatsächlich zu den Menschen, die bereit sind, einen gewissen Preis für etwas zu bezahlen, wenn ich weiß, dass der Preis aufgrund der Kosten gerechtfertigt ist. Warum das bei Leuten, die sich die Liebe zu Büchern auf die eigenen Fahnen schreiben, nicht so ist, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Was der Artikel auch zeigt, ist, dass es eben gar nicht so einfach ist, den richtigen Preis zu finden. Die Beispielkalkulation (die wirklich nur ein Beispiel ist, weil eine Kalkulation von Buch zu Buch verschieden aussieht) zeigt, dass die 20% weniger, die viele Verlage ansetzen, durchaus realistisch sind. Aber jeder weiß, dass sich diese Preise nicht halten werden – auch dank ambitionierter Selfpublisher, die ihre Werke für 99 Cent unters Volk werfen, um irgendwie Aufmerksamkeit und Leser zu bekommen. Die Verlierer, das zeigt sich aus der Diskussion in den Kommentaren, sind unter Umständen alle Beteiligten: Autoren, Redakteure/Lektoren, Verlage, Händler und auch Leser. Ich schreibe unter Umständen, weil ich hier nicht Schwarzseherei betreiben möchte. Aber ich finde, dass man bei so einem Thema einfach mal in verschiedene Richtungen denken sollte, nicht nur, ob der eigene Geldbeutel sich freut, weil man jetzt zwei Bücher mehr im Monat kaufen kann. Deshalb eine Empfehlung für diesen Artikel, der mit Zahlen agiert, Überlegungen anstellt und Fragen stellt und keine dieser stammtischmäßigen Endlösungen anbietet, die man sonst so oft zu lesen bekommen.

Dein Buch liest dich

Ein Artikel, der sich damit beschäftigt, wie Leser über ihre E-Book-Reader in ihrem Leseverhalten bis ins Kleinste analysiert werden. Gut, das ist nicht neu, wobei ich glaube, dass einige sich nicht bewusst sind, wie viel an Daten da eigentlich an den jeweiligen Anbieter übermittelt wird. Ein Grund, warum ich meinen alten, nicht internetfähigen Reader noch immer habe und keine Shops darauf zugreifen lasse, sondern die einzelnen Dateien separat per drag and drop auf das Gerät ziehe. In den Kommentaren schreibt eine Leserin, Überwachung höre sich sicher schlimm an, aber es wäre doch im Gegenzug sehr praktisch, wenn man immer die passenden Empfehlungen für sich bekommt. Jetzt einmal abgesehen davon, dass ich nie verstehen werde, dass Leute sich damit wohlfühlen, dass ein Unternehmen umfassend gespeichert hat, was sie lesen und wie sie es lesen: Kreist man denn nicht ewig um sich selbst, wenn man ständig die auf den eigenen Geschmack zugeschnittenen Bücher vor die Nase gestellt bekommt und jedes literarische Wagnis automatisch in den Hintergrund rückt? Das ist doch das Schöne am Stöbern, dass man auch mal auf Sachen stößt, die untypisch für einen sind. Ich würde auf jeden Fall in keine Buchhandlung gehen wollen, die nur das ausliegen hat, was meinem angenommenen Geschmack entspricht und den ganzen Rest in die hintersten Regale gesteckt hat. Und auch wenn ich kein Problem damit habe, dass Autoren auch Auftragsarbeiten zu Themen schreiben, die im Trend sind, ich finde die Vorstellung schrecklich, maßgeschneiderte, passgenaue Texte zu produzieren. Da bleibt jede Kreativität und jede Emotion auf der Strecke. Und wofür dann noch ein Buch lesen?

The Hole in Our Collective Memory: How Copyright Made Mid-Century Books Vanish

Ein interessanter Artikel zu einer Studie darüber, wie Copyright angeblich die Verfügbarkeit von Literatur negativ beeinflusst. Aus meiner Sicht hinkt diese Betrachtung an vielen Stellen und bezieht viele relevante Aspekte gar nicht ein. Beispielsweise, dass es nicht direkt das Copyright sein muss, das eine Neuauflage verhindert, sondern ein Mangel an Nachfrage und die Notwendigkeit dieser für eine Printauflage. Und dass sich gerade das mit der Zunahme elektronischer Publikationen, trotz Copyright, wohl ändern wird. Trotzdem fand ich die Gedankengänge ganz interessant, auch als Diskussionsgrundlage.

Die Kollateralschäden des kalten Bürgerkriegs

Ein Kommentar von Schriftsteller Iljia Trojanow zum Thema Überwachung. Ich habe bessere Artikel zu dem Thema von Nicht-Literaten gelesen, aber der Grund, warum ich ihn hier verlinke, ist, weil ich froh bin, dass sich endlich ein paar Autoren zu Wort melden. Juli Zeh hat das vor einigen Wochen ebenfalls auf Youtube getan und es gab einen offenen Brief, der von ein paar Autoren unterschrieben wurde. Ansonsten ist nach meinem Eindruck verdächtig still unter denen, die sich doch eigentlich mit dem Thema auseinandersetzen müssten, so gern wie sie in den letzten Jahren die Geschichte unseres Landes literarisch verwurstet haben. Aber wenn es nicht um böse Bücherpiraten geht, gegen die man schon mal polemische offene Briefe medienwirksam unterschreiben kann, will man offenbar seine Stimme nicht zu sehr erheben. Schon interessant.

Wie am Fließband – oder: Was vom Buche übrig blieb

Soleil schreibt über die zunehmende Schnelllebigkeit des Buchmarktes, wo ewig Gleiches produziert wird, weil ewig Gleiches gekauft wird. Wo jeder hinter der neuesten Novität mit attraktivem Cover herjagt, am besten noch als Leseexemplar für den eigenen Blog und ältere Bücher oft gar nicht mehr gelesen werden.

Ich stimme hier vielleicht nicht in jedem Detail zu, kann aber die Kernaussage durchaus nachvollziehen, weil dieser ewige Neuerscheinungenreigen mit hübschen Covern aber oft unaufgereiftem und halbgarem Inhalt, mir auch schon eine Weile auf den Magen schlägt. Ich kann mich schon aus beruflichen Gründen nicht ganz aus dem aktuellen Geschehen zurückziehen, aber manchmal hätte ich Lust dazu. Ich sehe mich um und sehe, wie wild Leselisten aufgestellt werden, wie indirekt konkurriert wird, wer wie viele Bücher in einem Monat gelesen hat und frage mich zunehmend, ob Lesen mittlerweile für einige ein Wettbewerb geworden ist. Ich sehe ein Kaufverhalten, bei dem immer wieder die gleichen Arten von Büchern im Einkaufskorb landen, sich aber gleichzeitig beschwert wird, dass die Verlage immer nur müde Kopien herausbringen. Verlage und Buchhandlungen leben davon, dass ihre Bücher gekauft werden. Also ist das Bild, das sich aktuell auf dem Buchmarkt bietet eine direkte Reaktion auf der Verhalten der Leser. Ist einfach so. Also sehe ich gar keinen Grund dafür, hier pauschal Verlage und ihr Marketing (jeder, der etwas zu verkaufen hat, betreibt Marketing und die Buchbranche ist dabei eigentlich noch recht gemäßigt) zu verteufeln. Oder wie jemand auf Twitter (bezogen auf ein etwas anderes Thema, aber hier ebenfalls passend) so schön schrieb:

diversity

2 Kommentare leave one →
  1. 7. August 2013 15:06

    „Dein Buch liest dich“: Oder viele Leser sind wie ich. Sie wissen dass, aber nicht in welchem Unfang. Musste jedenfalls gerade schlucken beim lesen … manchmal ist man wohl einfach zu naiv.

    Fließband: Ich weiß nicht, ob es nicht auch so etwas wie ein Teufelskreis ist. Man stellt her (egal ob Autor oder Verlag) was man glaubt, der Leser wolle es. Der Leser kann aber nur konsumieren, was da ist. (oder einfach nicht kaufen. So wie wir alle auch nicht wählen können – und das machen ja viel zu viele Leute (nicht ) – was für die eigentliche Wahl jedoch nicht zählt, aber trotzdem ein deutliches Zeichen setzt.)
    Ich verteufle übrigens weder Verlage, noch Marketing, mir ist schon klar, dass es unter’m Strich ums Geld geht. Schön wäre aber, wenn wir alle ein bisschen an uns arbeiten, auch wir (potentiellen) Leser.

    • 7. August 2013 16:02

      Klar ist das ein Teufelskreis, aus dem wohl niemand so leicht rauskommt. Aber es gibt sie ja, die ungewöhnlichen Bücher, die, bei denen mal jemand etwas anders macht oder etwas wagt. Das Problem ist: Die kauft oft keiner. Und so werden das immer die Liebhaberprojekte der Lektoren bleiben. Die auch gerne anders wollten, aber nicht können, weil man nicht nur Titel produzieren kann, die zwar schön sind, aber nicht einmal die Kosten wieder einspielen. Auch mit Marketing kann man den Leuten nichts aufzwingen, was sie nicht wollen (da kann so mancher Verlag ein Lied davon singen).

      Bei der Wahl, um dein Beispiel aufzugreifen, hat man eine viel begrenztere Auswahl. Aber lustigerweise ist da das Verhalten ähnlich: Man wählt lieber eine der großen Parteien, statt der kleinen Partei seiner Wahl die Stimme zu geben. Wenn mehr das tun würden, würde sich da vielleicht auch etwas bewegen. Insofern: Wir haben es in der Hand, den Teufelskreis aufzubrechen. Selbst wenn es hoffnungslos scheinen mag.

      Und dann: Man wird nie gegen den Massengeschmack ankommen. Kein Mensch zwingt die Leute, begeistert Shades od Grey und dessen Klone zu lesen und sie tun es trotzdem und den Stimmen nach haben sie offensichtlich Spaß dabei. Nur weil mir dieses Buch ein Dorn im Auge ist, kann ich nicht verlangen, dass Bücher wie diese nicht mehr produziert werden. Der Geschmack der Masse war halt noch nie sehr gewagt oder ungewöhnlich.

      Übrigens hatte ich auch nicht den Eindruck, dass du die Verlage verteufelst, du schreibst ja unter anderem durchaus recht realistisch, dass man das Budget für Experimente braucht. Aber das ist der generelle Tenor, in den viele Leute bei dem Thema immer verfallen, deshalb hat es hier Erwähnung gefunden.

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