Skip to content

Leseempfehlungen ohne Buch #3

18. September 2014

Mal wieder gibt es ein paar Artikel bzw. Fundstücke, die ich gerne teilen möchte. Nicht wundern, einige sind schon etwas älter, weil sie schon eine Weile vergessen in meinen Bookmarks lagen. Ich teste in dieser Ausgabe erstmals, die englischen Zitate auch zu übersetzen. Keine Ahnung, ob das überhaupt nötig ist, aber vielleicht ist es ja ein netter Service?

Editors are not Supervillans von Kelly McCullogh

Dieser kleine Artikel über Lektoren und die Angst von Autoren vor ihnen hat mir ein Lachen und zugleich ein zustimmendes Nicken entlockt.

„Contrary to the opinion of any number of beginning writers, editors are not supervillains hunched over their desks scheming fresh ways to crush the souls of unpublished writers.“

(Entgegen der Meinung unzähliger angehender Autoren, sind Lektoren keine Oberbösewichte, die über ihren Schreibtischen kauern und immer neue Methoden aushecken, die Seelen unveröffentlichter Autoren zu zerschmettern.)

So beginnt der Artikel und fährt dann fort, Gründe zu nennen, warum ein Lektor einfach nur das beste für ein Manuskript will und keinen, aber auch gar keinen Grund hat, ihm zu schaden. Ganz im Gegenteil.
Ein wirklich amüsanter Text mit ein paar netten Details über das Lektorenleben und das launische Geschäft des Büchermachens. Pflichtlektüre für all jene, die noch immer Angst haben, ein Lektorat würde ihren „persönlichen Stil“ zerstören.

 The Cost of a good Book von Brian McClellan

Ausgelöst von einer Petition, ins Leben gerufen von Selfpublishing-Krawallbruder und Amazon-Fan Hugh Howey, schreibt McCellan, der sowohl Verlagsautor als auch Selfpublisher ist, darüber, was es kostet, ein gutes Buch zu machen.

„Mr. Howey spends a lot of time talking about how horribly publishers treat their authors and how little they pay us and why Amazon is so much better. Because I don’t have time to say all the things I want to about that petition, I’ll just address the one complaint: payment.“

(Mr. Howey verwendet viel Zeit darauf, darüber zu sprechen, wie schrecklich Verlage ihre Autoren behandeln und wie wenig sie uns zahlen und dass Amazon so viel besser ist. Weil ich nicht die Zeit habe, all das über die Petition zu sagen, was ich gerne sagen würde, beschränke ich mich nur auf eine der geäußerten Beschwerden: die Bezahlung.)

McCellan errechnet ungefähr, wie viel der Verlag in sein Buch investiert hat und stellt es seinem Selfpublishing-Titel gegenüber, den er nur deshalb umsetzen konnte, weil er Freunde hatte, die ihm die meisten anfallenden Arbeiten so gut wie umsonst gemacht haben und kommt zu dem Schluss:

„So, to recap, Orbit pays me the traditional industry standard on my novels because they invested between $34K and $60K into each of my novels. NOT INCLUDING MY ADVANCE. Sure, my self-published short stories and novellas pay me between 35% and 70%. But do you know how much Amazon has invested in me? $0. Would I love for the industry standard to be higher? Of course I would! But I understand why it’s not, and I’m learning to diversify because this is what I do for a living.“

(Also noch einmal zusammengefasst: Orbit bezahlt mir das traditionelle Standardhonorar für meine Romane, weil sie zwischen 34.000 und 60.ooo Dollar in jedes meiner Bücher investieren. MEINEN VORSCHUSS NICHT EINGERECHNET. Klar, meine selbst veröffentlichten Kurzgeschichten und Kurzromane bringen mir zwischen 35% und 70% ein. Aber wisst ihr, wie viel Amazon in mich investiert hat? 0 Dollar. Wünsche ich mir, das Standardhonorar in der Branche wäre höher? Natürlich! Aber ich verstehe, warum es nicht höher ist und ich lerne zu differenzieren, weil ich damit mein Geld verdiene.)

Gender, Family, Nookie: The Speculative Frontier von Kameron Hurley

Dieser kleine Artikel von Autorin und Bloggerin Kameron Hurley, die jüngst zwei Hugo-Awards gewonnen hat, kam mir gerade recht, nachdem ich mal wieder eines dieser Bücher aus der SoG-Kategorie (an)gelesen habe und mich fragen musste, warum der selbstverständlich umwerfend gutaussehende Held mal wieder ein Soziopath erster Güte ist. Und ich musste mich spontan fragen, warum zum Teufel, man sich, wenn man sich schon den literarischen Traummann backen kann, ausgerechnet einen rücksichtlosen Stalker aussucht. Ich meine, selbstbewusst, dominant meinetwegen. Aber Kontrollsucht hat für mich nichts mit Selbstbewusstsein zu tun und besonders attraktiv macht es diesen Heldentypus für mich auch nicht – aber offenbar für ganz viele andere Frauen. Warum ist das so? Hurley liefert in ihrem Artikel einen Ansatz, den ich es wert finde, ihn zu überdenken und weist zudem darauf hin, dass wir selbst in Literatur, die wir in anderen Welten ansiedeln, immer wieder die gleichen bekannten Muster reproduzieren. Es ist kein tiefgehender Artikel und definitiv nicht ihr bester, aber es sind ein paar interessante Gedanken darin.

Kulturkrieg, Kommerz und Sad Puppies von Murilegus rex

Ich hatte hier bereits einmal die Sexismus-Diskussion in der amerikanischen SFF-Szene kurz angerissen. Ich habe das zwischendurch in Teilen weiterhin verfolgt, aber nicht genug, um noch einmal ausführlich darüber schreiben zu können. Was mir auffiel, war, dass diese Auseinandersetzung in anderer Form eigentlich nicht nur im SFF-Bereich stattfand, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Man kann eigentlich überall das gleiche beobachten. Derzeit macht eine (rechts)konservative Meute zorniger Menschen mit ihrem Wüten die Kommentarbereiche der Tageszeitungen und bestimmte Bereiche sozialer Medien zu einem wirklich grusligen Ort. Offenbar reissen Frauen, Homosexuelle, Ausländer und andere Gruppierungen, die um Gleichstellung oder Toleranz werben, die Welt ins Verderben – ebenso wie die Frauen ja angeblich auch die Science Fiction ins Verderben gerissen haben, so dass die jungen Männer Zuflucht bei Videospielen suchen mussten. Und dann kommt schon die nächste Frau und wagt es, zu hinterfragen, ob Frauen im Computerspiel wirklich sehr viel mehr sein dürfen als Sexobjekt und Jungfer in Nöten. Und schon tobt die nächste Meute, droht mit Mord und Vergewaltigung. Jeder, der die guten alten Verhältnisse bedroht, indem er für mehr Gleichberechtigung und Toleranz eintritt, gegen Rassissmus, Sexismus und Homophobie, soll mit einem Schwall von Beschimpfungen zum Schweigen gebracht werden. Die Agressivität des Vorgehens dieser Leute, ihr Hang dazu, sich selbst als Opfer derjenigen zu sehen, die sie gerade wüst beschimpfen und ihre vollkommene Unfähigkeit zu differenzieren oder eine zivilisierte Diskussion zu führen, schlägt mir offen gesagt zeitweise ziemlich aufs Gemüt.

Der hier verlinkte Artikel setzt diese Phänomene in einen Zusammenhang und ich halte ihn für sehr lesenswert. Auch die darin verlinkten Artikel von Laurie Penny und aus der Zeit sind es wert, sich die Zeit zu nehmen, sie zu lesen. Wer etwas in dem Blog stöbert (nachdem ich ihn erst vor einigen Wochen entdeckt habe, bin ich immer mal wieder am Stöbern und finde, dass es sich lohnt) wird auch noch einige ältere Beiträge zu dem Thema finden.

One Comment leave one →
  1. 20. September 2014 17:48

    Ich habe früher auch immer alles Englische übersetzt, das wissen die Leser nämlich sehr zu schätzen. ich tu’s😉 Nur leider fehlt mir heute die Zeit dazu und da ist das untergegangen. Abgesehen davon können auch nicht alle Englisch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s