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Vorweihnachtliche Nähmaschinensitzungen – Teil 1/?

16. Dezember 2014

Im letzten Jahresrückblick habe ich ja erwähnt, dass ich mir eine Nähmaschine zugelegt habe. Kürzlich wurde die Bitte laut, mal was von meinen Nähprojekten zu zeigen und das mache ich hiermit. Im Laufe des Jahres habe ich diverse Täschchen, Buchhüllen und kleine Geschenke genäht. Ich bin noch immer eine schrecklich unerfahrene Anfängerin, aber kürzlich fühlte ich mich dann endlich bereit dazu, das anzupacken, für das ich mir die Maschine eigentlich gewünscht habe: Kleidungsstücke nähen. Weil mir das Zeug von der Stange hier in Deutschland oft schlicht zu langweilig ist. Das erste Projekt sollte ein Weihnachtsrock werden. Als Stoff habe ich mir diesen Deko-Baumwollstoff ausgesucht, der mit historischen Postkartenmotiven bedruckt ist. Ja, das Ergebnis wird ein wenig aussehen, als hätte ich mir eine Weihnachtstischdecke umgebunden, aber das ist nicht gänzlich unerwünscht. Ich mag Dinge, die aussehen wie Omas Sofakissen.🙂

stoff2

Bitte beachtet: Das hier ist kein Modeblog ich habe weder die Ausrüstung noch das Know-How, um brauchbare Fotos zu machen. Und bei der Witterung sind die Lichtverhältnisse in meiner Wohnung eh unterirdisch. Also kann ich nur um Verständnis für die miserable Qualität der Bilder bitten.🙂

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich lieber mit Bahnen arbeiten will, die ich in Falten lege oder ob ich die Tellerrock-Variante wähle und habe mich letztlich für den Tellerrock entschieden. Allerdings wollte ich keinen vollen mit 360°, sondern lieber einen Dreiviertelteller, also 270°, weil der immer noch schön schwingt, man bei dem aber nicht ganz so viel Stoff mit sich herumschleppt. Zufällig habe ich auf dem Wühltisch noch einen glänzenden grünen Stoffrest entdeckt, der farblich perfekt passte und sich perfekt für den Unterrock/Futter eignete.

rockunterrock

Das Schnittmuster habe ich mir dann selbst gemacht. Das ist relativ einfach, man muss nur ein wenig rechnen. Es gibt diverse Tutorials im Netz dazu, aber ein bisschen Schulmathematik und ein Kreisrechner tun es auch. Bei einem vollen Tellerrock ist es ganz einfach, da muss man nur seinen Taillenumfang messen, das in den Rechner eingeben und schon hat man den Radius für den inneren Kreis. Dann überlegt man, wie lang man den Rock haben will, rechnet das dazu und hat den Radius für den äußeren Kreis des Musters. Will man nur 3/4 oder 1/2, muss man ein bisschen rechnen, um den richtigen Radius zu bekommen – schneidet man nämlich einfach aus dem vollen Kreis was raus, kriegt man eine viel zu enge Taille. Im Prinzip muss man also seinen gemessenen Umfang einfach nur mit dem Umkehrbuch multiplizieren, dann bekommt man einen entsprechend größeren Kreisumfang. Also mal 4/3 bzw. mal 2. Aus diesem Kreisumfang lässt man sich dann den Radius für den inneren Kreis berechnen und addiert die gewünschte Rocklänge dazu für den äußeren Kreis. Nun noch die überflüssigen Viertel raus und schon hat man das perfekte Schnittmuster. Ich liebe ja kleine Rechenspiele und logische Überlegungen und beides braucht man bei so einem Projekt definitiv. Das hat so viel Spaß gemacht, dass dabei mein Basteltrieb mit mir durchgegangen ist und ich zwei kleine Modelle gebaut habe, an denen man die Unterschiede ganz gut sehen kann:

bauplan

Der Rock wurde also ein 3/4- und der Unterrock ein 1/2-Tellerrock. Dann fehlen nur noch ein Streifen Stoff für den Bund und ein Reißverschluss und man kann loslegen.

Was man bei einem Stoff wie meinem auch noch beachten muss, ist, dass er ein Muster mit einer vertikalen Ausrichtung hat. Bei einem Tellerrock endet das dann ganz blöd, weil das Muster nur vorne richtigrumsteht, hinten steht es dann auf dem Kopf und auf den Seiten irgendwie dazwischen. Deshalb habe ich zwei Schnitteile daraus gemacht, die ich jeweils halbiert auf den Stoffbuch gelegt habe, damit vorne und hinten in der Mitte alles Aufrecht steht und sich zu den Seiten im gleichen Winkel neigt. Klingt jetzt bestimmt sehr wirr, wenn man’s vor sich hat, wird es aber klarer.

Tja, und dann ging’s ans Nähen. Das mit dem Reißverschluss war natürlich eine Riesenfummelei mit den beiden Rocklagen und ohne eine partout nicht zu eliminierende kleine Beule ging es auch nicht aus, aber am Ende war ich zufrieden. Die abgesteppte Naht am Bund ist natürlich mal wieder besoffen ohne Ende, aber da darf halt dann keiner zu genau hinschauen.😀

Die größte Angst hatte ich vor dem Saum. Ich hab den Rock, wie mir geraten wurde, ein paar Tage aushängen lassen. Dann ging es ans einbügeln. Letztlich war ich froh, dass ich sehr sauber zugeschnitten hatte und in der Beziehung nichts ausgleichen musste, sondern einfach unten 2 Zentimeter einbügeln konnte. Ich hab mir da mit einem schmalen Stück dünner Pappe beholfen, auf dem ich eine Linie nach 2 Zentimetern gezogen habe. Da konnte ich meinen Stoff immer drüberfalten und festbügeln und -stecken.Die Kreisform tut einem da übrigens keinen Gefallen … Beim Unterrock hab ich dann ziemlich geschludert, der war richtig schlecht zugeschnitten – aber den sieht ja zum Glück keiner, ne.😀 Das Ergebnis war für meinen ersten Rocksaum echt ganz gut.

Ja, und das ist nun der fertige Rock. Beim nächsten Mal würde ich auf jeden Fall den Bund deutlich schmaler machen, da ist es wohl etwas mit mir durchgegangen … Außerdem würde ich ihn vielleicht 2 cm länger machen. Der Rock hätte ursprünglich sogar kürzer werden sollen, aber ich hatte gut was zugegeben und beim Anprobieren stellte ich dann fest, dass er mir als kürzerer Midi – was ja derzeit wohl, sehr zu meiner Freude, wieder in Mode ist – besser gefällt. Und dafür hatte ich dann fast wieder zu wenig Zugabe.

Egal, ich mag ihn, ich finde ihn vorzeigbar genug, um damit die nächsten Tage den Weihnachtsmarkt unsicher zu machen und habe sehr viel gelernt für das nächste Rockprojekt.

weihnachtsrock

(Mein erstes klassisches Spiegelselfie, mit Kabel-Chaos im Hintergrund und unvorteilhafter Perspektive, yay.😀 Wollte ich immer mal machen. Aber einmal reicht echt auch wieder.)

6 Kommentare leave one →
  1. 16. Dezember 2014 18:16

    Ich finde, der ist echt klasse geworden! Schon bei der Rechnerei wäre ich ja ausgestiegen oder – schlimmer – hätte mich böse verrechnet.
    Aber schon allein der Stolz, dass man durchgehalten hat und dann das Endprodukt „benutzen“ kann! Großes Lob von mir. Was den Bund betrifft … oookeeyyyy, aber vielleicht ist das auch ein neuer Trend? Mir gefällt’s sehr gut, übrigens auch der Stoff. Nach Beuteln und Täschchen versuch ich mich demnächst am ersten Kissen (Patchworkstyle).🙂

    • 17. Dezember 2014 13:59

      Danke. Das mit dem Rechnen ist echt nicht so schwer, es gibt glaube ich sogar fertige Circle-Skirt-Rechner im Netz.
      Ach, der ist einfach High-Waisted.😀 War auch ein Trend in dem Jahr.
      Ohh, Patchwork. Ich bin ja mal in den Sog von Patchworking-.Youtube-Videos geraten und musste dann ganz schnell wegschalten. Ich bin leider eine Katastrophe im Kombinieren von Mustern, deshalb lasse ich davon lieber auch die Finger.

  2. 16. Dezember 2014 19:05

    Er ist superschön geworden! Ich hätte dafür keinen Nerv😉

    • 17. Dezember 2014 14:00

      Danke.🙂 Ich verlier bei so was auch schnell mittendrin die Lust, aber mit 2 Nachmittagen ging es eigentlich doch ganz schnell.

  3. 17. Dezember 2014 13:10

    Dieses Muster ist einfach irre xD
    Für mich sieht der aus wie gekauft, ich kann nicht mal wirklich nen Knopf annähen <:)

    • 17. Dezember 2014 14:02

      Haha, schon oder.😀
      Da bin ich immer froh, dass ich die Gene meiner Oma geerbt habe, die am Dauerhandarbeiten war, weil das für mich die beste Entspannung ist, die es gibt.

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