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Ilona Andrews: Fate’s Edge (Edge #3)

28. Dezember 2011

Titel: Fate’s Edge
Reihe: The Edge, Band 3
Autor: Ilona Andrews
Verlag: Ace, 2011
ISBN: 0441020860
Seiten: 372
Preis: 5-6 €

Hätte man mich gefragt, welches mein am sehnsüchtigsten erwartetes Buch in diesem Jahr ist, dann hätte ich Fate’s Edge genannt. Ich mag die Edge-Serie, eine Mischung aus Romance und (Urban) Fantasy, die in einer Welt zwischen zwei Welten, unserer nichtmagischen und einer magischen, spielt. Die Romane gehören zu den seltenen phantastischen Liebesromanen, in denen der Plot und das Weltenkonzept nicht nur notdürftige Staffage sind, und sie sind deshalb im Prinzip perfekt für mich. Aber Andrews liegt das romantische Genre nicht so gut, wie die actiongeladenen Urban Fantasy und so hatten bislang alle Edge-Teile so ihre Problemchen. Konnte man über diese Probleme bislang noch hinwegsehen, wurden sie in Fate’s Edge allzu offensichtlich. Und deshalb bin ich jetzt vor allem eines: enttäuscht.

Im Mittelpunkt von Fate’s Edge stehen Audrey mit einem Talent zum Schlösserknacken und der clevere Schurke/Geheimagent Kaldar. Kaldar kennen wir schon aus dem vorherigen Roman der Serie, als Cousin der Protagonistin Cerise, der mit seinem Charme mehr oder weniger alles niedermäht. Clever, gewitzt, unfassbar selbstbewusst. So könnte man Kaldar beschreiben. Als ich erfuhr, dass er der Held von Fate’s Edge sein würde, war ich begeistert. Ein ganzes Buch mit Kaldar? Ein Traum.
Am Anfang des Romans stielt Audrey auf Bitten ihres Vaters, zu dem sie ein sehr schwieriges Verhältnis hat, ein magisches Artefakt. Ohne zu wissen, was dieses Artefakt anrichten kann, noch in wessen Hände es geraten wird. Kaldar, der Agent des Mirrors, eines der Geheimdienste in der magischen Welt, wird auf Audrey angesetzt. Er soll den Dieb und das Artefakt aufspüren, denn auch eine andere, bei weitem gefährlichere, Geheimorganisation ist hinter diesem mächtigen Gegenstand her.
Kaldars und Audreys erstes Aufeinandertreffen ist alles andere als harmonisch, wie man sich denken kann, aber schon bald müssen sie gemeinsam kämpfen, denn dieser magische Gegenstand würde großen Schaden für die Bewohner von Edge, der kleinen Welt zwischen den Welten, bedeuten.
Neben Kaldar und Audrey spielen auch noch Jack und George, die jungen Brüder von Rose, der Heldin des ersten Bandes, eine Rolle. Sie stoßen als Sidekicks zu unseren Helden hinzu.
Und da fangen die Probleme schon an: Wir haben die zwei Jungs, wir haben die Geschichte um das Artefakt und wir haben ein Pärchen, das verbandelt werden soll. Jeder bekommt seine eigenen Passagen, es gibt welche aus der Sicht von Jack, welche aus der von George, welche aus Kaldars und Audreys Sicht, und neben einigen anderen auch noch welche aus der Sicht des Bösewichts – was mich schon im letzten Buch ungemein gestört hat. Oft wirken die schnellen Wechsel wie ein ungeschickt eingesetztes erzählerisches Vehikel. Das lässt das Buch seltsam zerfasern, weil es mit 350 Seiten einfach zu kurz ist, um diesen vielen Perspektiven und Figuren gerecht zu werden. (Wer einmal lesen will, wie man geschickt mit Perspektiven und Handlungsfäden jongliert, dem lege ich Robin Hobbs Liveship Traders ans Herz).

Ich verstehe nicht, warum die beiden Jungs eine so wichtige Rolle spielen mussten. Die beiden sind beliebt, ja, aber es ist nach Aussage der Autorin nicht geplant, einen Spin-off mit ihnen zu schreiben. Man müsste diese Figuren also nicht aufbauen. So wie es ist, werden die beiden fast zum Störfaktor der Geschichte, weil ihre Einleitung so lang ist, dass das Hauptpärchen sich erst nach 100 von 350 Seiten das erste Mal begegnet. Und das haben sie eigentlich nicht verdient.

Die Liebesgeschichte an sich ist vielleicht der enttäuschendste Teil des Buches. Audrey und Kaldar haben ihre amüsanten Momente, aber es funkt nicht. Jeder Schritt, den die beiden aufeinander zugehen, fühlt sich unnatürlich an. Als ob die Autorin sich hätte zwingen müssen, die beiden zusammenzubringen. Immer wieder sitzen die beiden Protagonisten für sich da und reflektieren über ihre Gefühle. Ganz plötzlich wird ihnen dann klar, was sie für den anderen empfinden. Fein, dass ihnen das rational klar wird, aber fühlbar ist es nicht. Und zum Ende wird dann mit etwas Kitsch versucht, die Liebe der beiden überzeugender zu machen – was nicht gelingt.

Kurz nach der Hälfte hatte ich das Buch innerlich aufgegeben. Die Story um das Artefakt hat mich ehrlich gesagt nicht sonderlich interessiert, die Perspektivwechsel gingen mir auf den Keks, deshalb habe ich nur noch quergelesen.
Es tut mir so leid um Kaldar, der wirklich eine tolle Figur ist. Es tut mir leid um Jack und George, die ich sehr mag. Und es tut mir leid um das Weltenkonzept, das ich noch immer toll finde. Aber trotz allem, was mir gefiel, und meiner imensen Sympathie für die Autorin, dieses Buch hat für mich einfach nicht funktioniert.
Für den Moment wünsche ich mir, Frau Andrews würde wieder nur noch ein Buch pro Jahr schreiben. Ich habe langsam das Gefühl, dass der Druck, der auf ihr lastet, keinen guten Einfluss auf das hat, was sie schreibt. Mir hat nämlich keines der Bücher, die sie in diesem Jahr veröffentlicht hat wirklich gefallen und ich hoffe, dass das kein Abwärtstrend ist, der sich fortsetzt.

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