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[Rezension] Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

23. Juni 2012


Das Lächeln der Frauen
von Nicolas Barreau

Verlag: Osterwold Audio, 2011
ISBN: 3869520876
Laufzeit: ca. 6 Stunden
Preis: CD: 19,99 € ; Audible Download: 9,99 €

Die Versuchung
Vor einigen Tagen gab es das Hörbuch zum kostenlosen Download auf Audible. Nachdem dieses Buch ja derzeit die Bestsellerlisten anführt, dachte ich, ich teste es einfach einmal an, um zu wissen, warum es so populär ist.

Was habe ich erwartet?
Einen zarten, poetischen Liebesroman. Durchaus massenkompatibel, aber mit einer literarischen Note.

Was habe ich bekommen?
Einen Liebesroman, der so seicht ist, dass er langweilt.

Aurélie hat schon bessere Zeiten erlebt. Nicht nur, dass vor kurzem ihr Vater gestorben ist, jetzt verlässt sie auch noch ihr Partner. Als sie eines Abends niedergeschlagen durch die Straßen von Paris wandert, stößt sie plötzlich in einem Buchladen auf „Das Lächeln der Frauen“, einen Roman, den sie auf Empfehlung des Buchhändlers kauft. Dieses Buch tröstet sie nicht nur in ihrem Kummer, sondern sie entdeckt auch etwas Erstaunliches: Der Autor beschreibt in seinem Buch ihr Restaurant, und auch eine Frau, die ihr selbst sehr ähnlich sieht, kommt darin vor.
Aurélie versucht mit dem Autor Kontakt aufnehmen. Aber dafür muss sie erst einmal an seinem unfreundlichen Lektor André vorbei …

Ich muss zugeben, ich bin vielleicht mit etwas falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Die Aufmachung und die Tatsache, dass es bei Piper erschienen ist, ließen mich einen leichten, aber dennoch etwas literarischeren Roman erwarten. Was ich bekam war nette, aber sehr seichte Liegestuhllektüre ohne Ecken und Kanten. Eine Geschichte wie eine romantische Komödie aus Hollywood. Etwas, wovon man sich berieseln lässt, aber nichts, was Eindruck hinterlässt. Während ich unglaublich gerne mal 2 Stunden mit so einem angenehm seichten Liebesfilm verbringe, vor allem, wenn er pfiffig gemacht ist, sind mir mehrere Stunden Lesen einfach zu viel Zeit, um sie auf einen so einfallslosen Stoff zu verwenden, der auch so gar keine Überraschungen bereithält. Lediglich die Tatsache, dass es in meinem Fall ein Hörbuch war, das ich bequem im Hintergrund laufen lassen konnte, ist dafür verantwortlich, dass ich überhaupt bis zum Ende gekommen bin.

Das Setup der Geschichte ist voll von Zufällen und ziemlich durchschaubar, aber als Aufhänger für einen nette Liebesgeschichte fand ich es gar nicht so schlecht. Zudem gefiel mir, wie die Buchbranche hier dargestellt wird, mit all ihren irgendwie liebenswerten Verschrobenheiten. Das hatte einen gewissen Charme und hat mich zusammen mit der netten Grundidee eine ganze Weile ziemlich für das Buch eingenommen.
Aber all das erfährt keine Steigerung, das Buch verflacht zunehmend. Aurélie und André sind nur oberflächlich charakterisierte und ansonsten relativ blasse Figuren – fatal für eine Liebesgeschichte, wo es doch vornehmlich um zwei Menschen und ihre Gefühle geht. André verliebt sich natürlich, bevor er überhaupt das erste Wort mit Aurélie gewechselt hat, und Aurélie verliebt sich äh … na halt irgendwann, wann es dem Autor ins Konzept passt. Mal wieder finde ich, dass da wenig Romantik und echte Gefühle sind, dafür umso mehr leere Worte und Äußerlichkeiten. Obwohl Aurélie und André viel Zeit miteinander verbringen, habe ich nie das Gefühl, dass da eine Entwicklung oder echte Annäherung da wäre. Der Text möchte zudem gerne poetisch sein, gerät letztlich aber oft nur kitschig – auch dank abgegriffener Wendungen wie „ihr Haar glänzte wie gesponnenes Gold“. Die Dialoge, die normalerweise in so einem Fall viel retten können, wenn sie gut sind, sind zu hölzern und unnatürlich.
Zu allem Überfluss arbeitet das Buch auch noch ständig mit schicksalshaften Vorhersagen. So in der Art: „Aber da wusste ich noch nicht, was mich am nächsten Tag ereilen sollte.“ Ich mag das generell nicht besonders, aber es wäre gerade noch erträglich, wenn es tatsächlich aufregende Wendungen zu bieten hätte. Hat es aber nicht, denn das anfängliche Setup ist die einzige originelle Idee in diesem Buch, so dass sich ziemlich zielgenau vorhersagen lässt, was nun passieren wird. Insofern nehmen diese Ankündigungen sogar noch zusätzlich die Spannung aus dem Geschehen, weil man immer vorgewarnt ist, dass gleich etwas passiert.
Wie oben bereits gesagt: Ich habe kein Problem mit leichten Liebesgeschichten, wenn sie gute Figuren haben oder gute Dialoge oder originelle/süße/witzige Ideen oder wenn irgendwie anderweitig Herz haben. Und am Anfang glaubte ich zumindest einige dieser Dinge auch in „Das Lächeln der Frauen“ aufblitzen zu sehen, aber irgendwann hatte ich nur noch das Gefühl, uninspiriert bekannte Handlungselemente aufgereiht zu bekommen.
Wertung: 2,0 (von 5,0)

2 Kommentare leave one →
  1. 16. Juli 2012 07:34

    Das hab ich befürchtet =( Ich hab das Buch leider gekauft als es ganz neu war, weil es ja doch irgendwie nett klar, fand ich auch – und dann hab ich ein älteres Buch von Barreau gelesen und damit ganz ähnliche Probleme gehabt wie Du bei „Das Lächeln der Frauen“. Deshalb liegt es immer noch ungelesen im Schrank. Ich glaub ich verschenk mein Exemplar lieber, bevor ich mich da durchquäle.

    Ich hatte auch mit Nathalie küsst von David Foenkinos Probleme in der Art. Nicht ganz so sehr, die Charaktere haben mir relativ gut gefallen und mit den Klischees hält er sich auch zurück… Aber ich finde beides ist so gewollt französisch, gewollt ‚Amélie‘. Mittlerweile nervt mich das ein bisschen.

    • 16. Juli 2012 18:33

      Ja, ich habe von anderen auch schon gehört, dass sie mit anderen Büchern von Barreau dieses Problem hatten. Irgendwie schade, weil die Idee mir wirklich gefiel.
      Das mit Amélie lese ich auch nicht zum ersten Mal, auch wenn ich den Eindruck persönlich nicht hatte. Allerdings ist der Film bei mir auch über 10 Jahre her.

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