Skip to content

Wer nichts Gutes zu sagen hat, sollte trotzdem nicht schweigen – Über die Notwendigkeit von Kritik

5. November 2014

 

Als ich im Frühjahr so über die Buchmesse Leipzig schlenderte und in meinem Programmheft blätterte, stellte ich fest, dass gefühlt jede dritte Veranstaltung ein „Wie vermarkte ich mich als Selfpublisher“-Workshop war. Gut, dachte ich mir, ist ja gerade Trend und angesichts der haarsträubend unprofessionellen und nichtssagenden Werbemails, die du manchmal von Indie-Autoren bekommst, für einige sicher ganz sinnvoll. Aber wisst ihr, was für eine Veranstaltung mir fehlte? Eine „Wie gehe ich mit Kritik um“-Veranstaltung und eine „Wie verhalte ich mich professionell im Internet“-Veranstaltung. Und zwar nicht nur für Selfpublisher.

Die Praxis der Abwertung von Kritik

Das Internet ist großartig, es gibt uns allen die Möglichkeit, unser Können und unsere Ansichten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Was es uns offenbar nicht mitgibt, ist die Fähigkeit, mit Kritik oder auch nur Widerspruch umzugehen, die ein breites Publikum nun mal auch mit sich bringt. Stattdessen beobachte ich allerorts Taktiken des Abwertens von Kritik bis hin zu einem Punkt, an dem alles, was kein Lob ist, was keine 5 Sterne sind, zum „Hate“ deklariert wird und nur mit niederen Beweggründen wie Neid, Missgunst oder einem Mangel an sexueller Aktivität und einer damit einhergehenden Frustration erklärt werden kann. Beliebtes Totschlag-Motto: „Wer nichts Nettes zu sagen hat, soll lieber gar nichts sagen.“ Die Existenz echter Trolle, solche, die tatsächlich Menschen verfolgen, terrorisieren und versuchen, Ihnen Schlechtes anzutun, spielt diesen Leuten in die Hände. (Und umgekehrt.) Wenn man sich selbst zum Opfer einer unbegründeten, unverhältnismäßigen Hassattacke macht, ist jegliche Kritik automatisch nicht mehr sachlich, nicht mehr begründet. Man kann sie von sich weisen, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen – und es werden zunehmend weniger Menschen wagen, Kritik zu äußern, wenn alles, was kein Lob ist, sofort abgestraft wird. Nicht zu vergessen der angenehme Nebeneffekt: Wenn man nur laut genug lamentiert, bekommt man eine Extraportion „Trostlob“ von seinen Fans. Und ja, ich denke, da steckt mittlerweile bei einigen wirklich System dahinter.

Wohlgemerkt, ich spreche hier von Kritik, mit Begründung, meinetwegen auch von Satire oder harscher Kritik (auch ein Verriss kann Kritik sein) nicht von dummen Pöbeleien und Diskriminierung. (Bevor sich hier die „Wird man doch noch sagen dürfen!“-Fraktion bestätigt sieht.)

Es ist, wie gesagt, ein sich ausbreitendes Phänomen. Nicht die Kritikunfähigkeit an sich, die gab es wohl schon immer, vielmehr dieses exzessive nach außen Tragen derselben, das sich in einem allerorts hörbaren eingeschnappten „Mimimi“ äußert. Ich beobachte es in Form von Modebloggerinnen, die glühende Artikel gegen „Cybermobbing“ schreiben, weil jemand wagte zu sagen, dass ihnen der Rock, den sie vorführen, nicht steht, weil „das Muster aufträgt“. In Form von Menschen, die haarsträubende Dinge von sich geben und wenn sie sachlichen Gegenwind bekommen, plötzlich anfangen von „Niederknüppeln“ und „Hetzkampagnen“ gegen sie zu sprechen (wurde mir selbst schon vorgeworfen – und das fand ich schlimmer als jede „du bist dumm und hässlich“-Mail von Fans eines Buches, das ich schlecht besprochen habe, weil es jegliche argumentative Ebene aushebelt und dich als schlechten Menschen dastehen lässt, egal, was du tust). Wir alle erinnern uns noch an einen gewissen Herrn, dessen Name hier lieber ungenannt bleibt, der nur von studierten Rezensenten beurteilt werden wollte und über die Existenz einer „Rezimafia“ mutmaßte. Eine sehr erfolgreiche Amazon-Selfpublisherin beklagte vor einer Weile, nachdem sie ins Amazon-Programm aufgenommen und auf der Startseite gefeatured wurde, dass sie jetzt so viele schlechte Rezensionen bekomme und langsam doch an eine „Rezimafia“ glaube. Ein Blick auf ihre Bücher und ihre Rezensionen: 4,5 Sterne Durchschnitt, auf eine kritische Rezension kommen 50 glühende und der Witz: Die kritischen Rezensionen sind zum größten Teil sehr sachlich und zählen all die gravierenden handwerklichen Probleme auf, die diese Autorin tatsächlich hat. Sie sind vielleicht nicht erfreulich, haben aber mehr Substanz als 90% der positiven Reviews. Nein, das war nicht die Rezimafia, sie hat nur einige kritische Leser dazubekommen.

Und das ist leider keine Seltenheit. Ich höre immer öfter von Bloggern, die schon heftig von Autoren angegangen wurden und wenn es nur, wie hier, um die Vergabe von 3 Sternen geht. Aber es gibt mittlerweile auch schon Berichte von tätlichen Angriffen  und erst vorletzte Woche sorgte der Artikel einer Autorin, die ihre Kritikerin stalkte (hier ein deutscher Bericht) für eine Menge Wirbel. Schnell sind die diejenigen, die die Kampagnen fahren, beleidigend werden und ihre Fans und Freunde auf einen Kritiker hetzen, die Autoren selbst. Dass man in Autorengruppen (oder Bloggergruppen, oder der Youtube-Szene) oft zusammenhockt und sich in dieses „Ungerecht behandelt werden“ hineinsteigert, tut sein Übriges.

Kritik ist schmerzhaft, aber wichtig

Ich verstehe wirklich, dass Kritik weh tut. Dass in einem Buch mitunter viel Herzblut steckt. Aber so leid es mir tut, wenn man nicht nur für die Schublade schreiben will, ist das Publikum genauso Teil des Jobs wie Kreativität, der sichere Umgang mit Sprache und Leidenschaft für die Sache. Das Publikum, das sind keine Marionetten, die nur zur Bestätigung des eigenen Egos da sind, und es hat auch nicht die moralische Verpflichtung, einem Autor die Seele zu streicheln und seinen Mangel an Selbstbewusstsein zu berücksichtigen. Und Blogger sind nicht die Gratiswerbeagentur für Selfpublisher mit klammem Budget – auch wenn einige das so zu sehen scheinen. Wer sich bereit dafür fühlt, für sein Können Geld zu verlangen, muss auch bereit sein, die Meinungen derjenigen zu akzeptieren, die es bezahlen und es ins Gespräch bringen. Wie dieses Akzeptieren aussieht, dafür muss jeder selbst eine Lösung finden. Es ist vollkommen legitim, Rezensionen einfach nicht zu lesen. Man kann es halten wie Frank Schätzing, der in einer Talkshow einmal meinte: die einzige Meinung, die mich interessiert, ist die meiner Frau. Hochnäsig, aber legitim. Oder man macht es wie die amerikanische Autorin N.K. Jemisin und findet einen erwachsenen Umgang damit: Man setzt sich mit der Kritik auseinander, entscheidet, was davon nicht relevant für einen ist und aus was man noch lernen kann. Das ist richtig hart und man muss es wohl erst langsam lernen, aber vermutlich ist es von allen Lösungen die, die einen am weitesten bringt. Denn Kritik ist nicht automatisch Beleidigung und Zurückweisung, sie ist auch eine Chance. Und wir sind zunehmend dabei, das zu vergessen.

Warum wir in der Buchszene Kritik brauchen

Ein Entwurf für diesen Artikel existiert seit einigen Wochen, ich hatte ihn nur zugunsten eines anderen Thema zurückgeschoben, aber wie der Zufall es will, setzte Matt Haig vor einigen Tagen eine Reihe von Tweets ab, die sich ziemlich genau mit meiner Meinung decken:

There is too much positivity in the book world. Esp in book blogs and on YouTube. Books can’t all be good can they?

We need a critical culture in books. We need for people to say what they want about a book, for a healthy book culture.

Books are ideas. They are debate starters. They are conversation starters. They are meant to spark a range of opinion.

Quelle: http://www.matthaig.com/a-blog-about-blogging/

Wir brauchen in der Buchszene kritische Meinungen, die ohne Angst geäußert werden können. Wenn jemandem ein Buch nicht gefällt, dann gefällt es ihm nicht, dann darf er das auch sagen. Es kann wirklich nicht angehen, dass wir zu einer heuchlerischen „Like“-Kultur werden, in der man die Dinge nur noch toll finden oder nichts mehr sagen darf. Es ist schlimm genug, dass die Aussicht auf Leseexemplare zu viele brave, stromlinienförmige Blogger hervorgebracht hat, die kaum etwas anderes machen als gefällige Rezensionen zu produzieren und sich artig für die zur Verfügung gestellten Bücher zu bedanken. Was diese Blogs im Grunde vollkommen nutzlos macht, denn man informiert sich ja, weil man Stärken UND Schwächen eines Produkts (ja, ein Buch ist ein Produkt!) wissen will. Man möchte vielleicht auch mal über Literatur diskutieren und nicht nur die Mittelmäßigkeit feiern, weil man nicht „gemein“ zum Autor sein will.
Ich muss zugeben, es empört mich gewaltig, wenn Autoren, die immer ganz schnell auf ihren Künstlerstatus verweisen, um ihres eigenen Egos willen, das zu unterdrücken versuchen, was ein essenzieller Teil von Kunst und Kultur ist: Diskussion. Kontroverse. Kritisches Denken.
Von einer Umgebung, in der jeder nur noch positive Meinungen veröffentlicht und die negativen aus Angst oder Scham für sich behält, hätten auch die Autoren selbst nichts. Kennt ihr das, wenn jemand in eurer Umgebung Petersilie zwischen den Zähnen hat und jeder sieht es und keiner hat den Mut, es dem Betroffenen zu sagen? Wünscht man sich als Betroffener nicht hinterher, dass es einem nur mal jemand gesagt hätte, bevor man diesen wichtigen Vortrag damit gehalten hat? Nur weil niemand drüber spricht, bedeutet das nicht, dass die Leute, die einen sehen, es nicht wahrnehmen und nicht ihre Schlüsse ziehen. Nur wenn ich weiß, dass die Petersilie da ist, kann ich auch etwas dagegen tun.
Woher weiß ich, ob eine nette Kritik ernst gemeint ist, wenn positive Worte der Standard sind? Ehrliche Kritik tut vielleicht weh, aber ohne sie entwickelt man sich nicht weiter, man verharrt an der Stelle, hat keine Anregungen, an sich zu arbeiten. Es gibt mehr als einen Autor da draußen, der gut daran täte, einmal auf das zu hören, was Leser ihm sagen, und nicht immer auf seinen unantastbaren „Stil“ zu verweisen. Echtes Lob in einer offenen und ehrlichen Umgebung ist das Beste, was einem passieren kann. Aber ohne ehrliche Kritik kann es auch kein ehrliches Lob geben.

Deshalb: Hört nicht auf dieses dumme Sprichwort. Wenn jemand nichts Gutes zu sagen hat, sollte er sich den Mund deshalb nicht verbieten lassen. Gute Arbeit braucht Kritik und Kritikfähigkeit.

Übrigens: Haigs Aussagen haben einige Buchblogger auf dem falschen Fuß erwischt und große Empörung hervorgerufen, bis hin zu kindischen „den bespreche ich jetzt nicht mehr auf meinem Blog“-Reaktionen. Nun, es hat niemand gesagt, nur Buchautoren seien nicht kritikfähig …

Und damit schließe ich diesen Artikel mit John Scalzis (selbst Autor und ein verdammt guter Typ) Reaktion auf die körperliche Attacke eines Autors auf eine Rezensentin:

twitter_scalzi

23 Kommentare leave one →
  1. 6. November 2014 12:28

    Finde ich richtig richtig gut! Klasse, bin genau deiner Meinung! (Auch wenn ich zum Glück noch nicht von den Autoren selber angepöbelt worden bin.)
    Ich verstehe es auch nicht, wieso Autoren keine Kritik zulassen. Ich schreibe selber und irgendwann gibt man sein Buch doch nicht mehr Mama oder Freunden zu lesen, sondern Leuten, die einen das Ding um die Ohren pfeffern. Klar ist Kritik nicht leicht, aber gerade als Autor sollte man damit doch vertraut sein, oder nicht? Man schreibt nun mal nicht von vornherein gute Geschichten. Gut, vielleicht sagt dann einer nicht „Das war scheiße!“ sondern „Die Stelle solltest du noch mal überarbeiten.“ aber Kritik kriegt man doch trotzdem, dachte ich.
    Wobei ich zugeben muss, dass ich auch ein bisschen Bammel vor Rezensionen habe und noch nicht weiß, ob ich mich über wenige Sterne freuen werde. Aber wie du schon geschrieben hast: Entweder nicht lesen, oder sich damit auseinander setzen. Dazu wäre es nur schön, wenn die Rezi dann ein bisschen mehr Inhalt hat, aber das ist erstmal Zweitens.
    Wenn man wirklich ein guter Autor werden will, sollte man die Stimmen der Rezensenten nicht überhören. Perfekt ist nun wirklich niemand ^^

    LG
    Maria

    • 6. November 2014 17:58

      Leicht ist es für niemanden. Ich habe gestern eine Übersetzung von mir aus dem Lektorat zurückbekommen und musste erst mal tief durchatmen, ehe ich mich getraut habe, das Dokument zu öffnen. Aber diese Angst vor Kritik ist in dem Fall ja mein eigenes Prolem und etwas, an dem ich bei mir selbst arbeiten muss und nichts, was ich auf jemand anderen schieben kann. Ich glaube, solange man das weiß und dementsprechen fair zu seinen Rezensenten ist, ist alles in Ordnung. Wie man das macht: nicht lesen, lesen und sich bei der besten Freundin ausjammern, lesen und analytisch auseinandernehmen und was draus lernen, das bleibt jedem selbst überlassen.

  2. 6. November 2014 14:24

    Ich hab die ganze Sache mit der amerikanischen Autorin, die im Guardian über ihr Stalking geredet hat, wirklich intensivst verfolgt und schließe mich deinem Artikel hier ohne wenn und aber an.
    Wir brauchen Kritiken, vor allen Dingen auch die schlechten. Ich lese zum Beispiel keine Bücher, die nur gute Kritiken haben. Mir geht dann als allererstes durch den Kopf: Da ist doch was faul. Gerade wenn ich ein Buch nicht ausstehen konnte und merke, bei Goodreads hat es durchweg 4-5 Sterne bekommen (+ Rezensionen voller übertriebener Gifs), wenn es so offensichtliche plausible Fehler, sei es zeitlich oder kausal, gab. Die schlechten Rezensionen geben mir ein anderes Bild auf das Buch und meist werden erheblich Kritikpunkte, wie z.B. der Umgang mit Sex oder Missbrauch angeprangert. Solche Sachen möchte ich gerne wissen, bevor ich mich durch ein Buch quäle, dessen Ansichten mich dazu verführen würden, es gegen die Wand zu klatschen.

    Kritiken sind wichtig und niemand kann sich dagegen wehren, weil wir alle, immer zu beurteilt und kritisiert werden. Dieses scheinbare Totschlagargument von Autoren, dass Bücher ihre Babies seien kann ich schon allein nicht ernstnehmen, weil manche Autoren ein Buch pro Jahr raushauen und alle gleich verlaufen. Und wenn jemand sein ganzes Leben den Traum hatte ein Restaurant zu eröffnen, es endlich schafft und es dann Kritiken hagelt? Da hat doch auch niemand Mitleid mit und vielleicht steckt genauso viel Herzblut darin. Literatur ist Kunst, aber sobald du davon Leben möchtest, ist es für mich ein Produkt.

    Toller Beitrag – du hast es genau auf den Punkt gebracht.

    Liebe Grüße,
    Susanne

    • 6. November 2014 18:15

      Hale ist echt der Prototyp für diese Ich-bezogene „Jeder will mir was böses“-Haltung. Allein das „catfished“ im Titel des Artikels. Als hätte Blythe sich quasi eine zweite Identität zugelegt, um sie, Katherine Hale, zu diesem Verhalten zu verführen. Meine Güte, Leser haben echt was wichtigeres zu tun, als das Leben von Autoren zu zerstören, die sie nicht mal persönlich kennen.

      Das mit dem „Baby“ entlockt mir auch immer ein Augenrollen, vor allem, wenn das Baby dann oft vor Schreibfehlern nur so strozt und man dann auch noch erwartet, dass darauf Rücksicht genommen wird, dass man „eben nicht so gut in Rechtschreibung“ ist.

      Ich bin gerade durch Hermias Beitrag aufmerksam geworden, dass du auch was über die Hale-Sache geschrieben hast. Ich verlink dich mal im Artikel, dann gibts auch eine deutsche Quelle für alle, die sich nicht durch Hales kleinen Roman lesen wollen.

  3. 6. November 2014 17:30

    Über die amerikanische Stalkerin habe ich bei Suey gelesen, die dazu einen Artikel veröffentlicht hatte. Und ganz ehrlich, ich bin immer noch sprachlos. Was zur Hölle geht in solchen Autoren vor?
    Auch dieses „da wird man doch noch mal drüber reden können“ finde ich einfach schrecklich. Mir ist es bisher nicht passiert, aber ich kenne mich gut – sowas löst bei mir dann Trotz aus und ich kann dann ziemlich schnell auf stur schalten.

    Ich habe vor längerer Zeit mal eine Rezension zu einem deutschen Roman geschrieben und das Buch anschließend mit 3 Sternen bewertet. War ganz nett, aber einfach sehr 08/15 – durchschnitt halt. Die Autorin bedankte sich bei mir im Kommentar. Und stellte einen Link zu meiner Rezi auf ihre Facebookseite – so nach dem Motto, „Seht her, ich bin kritikfähig“. Gut, warum auch nicht – aber diese zahlreichen Trostkommentare, die sie von ihren Fans bekam, die fand ich schon sehr extrem…

    Interessanterweise geht es auch andersherum. Ich habe vor kurzem ein Buch recht positiv besprochen, das aber bei den Fans des Autors fast reihenweise durchgefallen ist. Daraufhin bekam ich eine recht merkwürdige Mail von einer anderen Leserin, das ich dieses Buch einfach unmöglich gut finden darf…😉

    • 6. November 2014 17:50

      Was mich an dem Artikel dieser Stalkerin vor allem schockiert hat, war, wie manipulativ er war. Viele Reaktionen auf den Artikel waren: Oh, die arme Autorin, so sehr wurde sie von bösen Reviewern gequält, dass sie sich nicht mehr anders zu helfen wusste. Und das war zweifellos die Absicht hinter dem Artikel. Und diese Taktiken sind es, die mich mittlerweile echt auf die Palme treiben, weil sie so verdammt unwürdig sind. Wenn man schon auf Rezensionen reagiert (was ich nicht raten würde), dann doch bitte auf sachlicher und inhaltlicher Ebene.

      Mittlerweile findet ja schon eine Automatik statt. Fans sind oft schon so konditioniert, dass sie zum Angriff blasen und/oder Trost spenden, ohne dass der Krititierte noch was dazutun muss. Und das finde ich eine erschreckende Entwicklung.

      Dein letzter Fall ist echt recht kurios. Ist aber wohl eher der seltenere Fall.😀

      • 6. November 2014 18:06

        Genau das hat mich auch an diesem Artikel so sehr gestört und erschreckt – diese zahllosen Kommentare, die volles Verständnis für das Verhalten der Autorin hatten. Die Arme, sie musste sich doch irgendwie wehren! Da bleibt mir echt die Spucke weg.
        Der Fall mit der Weinflasche ist aber auch heftig. Wenn ich mir vorstelle, das mir irgendjemand eine Flasche über den Schädel zieht, weil ich ein Buch nicht mag, dann frage ich mich schon, wo denn da die Verhältnismäßigkeit ist. Ich frage mich wirklich, wie solche Menschen ihr Leben sonst so meistern.

        Bei der Mail konnte ich auch erst mal nur den Kopf schütteln und dann schließlich lachen – ich glaube auch, das sowas eher selten ist.😀

  4. 6. November 2014 22:18

    Dein ARtikel klingt sehr wütend, daher würde mich interessieren, ob du Positivbeispiele nennen kannst – Fälle, in denen sich aus einer Kritik eine sehr fruchtbare Diskusion entwickelt hat usw.

    Ich bekomme negative Reaktionen auf meine Kritiken selten mit, weil die Autoren meistens schweigen. Aber es verletzt mich schon, wenn meine Kritk auf AMazon z.B. abgewertet wird, obwohl ich mir viele Gedanken gemacht habe.

    Interessantes habe ich bei folgendem Fall beobachtet: ich habe eine Kritik zu einem Autor verfasst,die nicht sehr positiv war. Ein paar Wochen später hat sich dieser Autor halb-öffentlich (und ohne Name) über die Kritik beschwert. Das tat weh. Es tat vor allem weh, weil es ein leichtes gewesen wäre, mir ne Mail zu schicken und nachzufragen. Ich habe mich bloßgestelllt gefühlt und mich gefragt, ob ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe nochmal nachgelesen und festgestellt, dass meine Kritk aus meiner Sicht berechtigt war. Es kann nur sein, dass ich nicht den richtigen Ton getroffen habe.

    Diese Verantwortung haben wir als Kritiker. Es ist wichtig, dem Autor zu vermitteln, dass einem die Arbeit am Buch wichtig war, dass man die Mühe dahinter zu schätzen weiß. Egal, wie die Kritik ausfällt.

    Wenn Kritik geäußert wird, fühlen sich Autoren angepisst – das ist ok. Es tut erstmal weh. Aber ich finde es besser, sich hinzusetzen und zu warten, bis die EMotionen abgeklungen sind, damit man antworten kann.

    Es ist ein Stückchen Selbstdarstellungen und es ist das Mindeste, dass man sich – ehrlich! – für die Kritik bedankt. Sowas kann auch abschreckend wirken, wenn sich der Autor z.B. öffentlich negativ ggü. Rezensionen verhält….

    Ich glaube, es geht vor allem um Respekt.

    • 7. November 2014 00:09

      Hmm, sehr wütend vielleicht nicht, vielleicht eher extrem genervt? Ich beobachte dieses Verhalten schon seit einigen Jahren und sehe, wie es immer extremer wird, sehe wie die Leute es sich verinnerlichen und wie wichtige Diskussionen gar nicht mehr stattfinden oder in einem Hickhack enden, in dem die Sache hinter persönlichen Befindlichkeiten verschwindet.

      Hier im Blog fand ich die Reaktionen auf eine meiner ersten Rezensionen (Der Märchenerzähler) ganz interessant. Da haben sich auch Fans zu Wort gemeldet und alles blieb sehr nett und zivilisiert. Und gerade bei solchen Büchern ist es wichtig, sie nicht unreflektiert in sich hineinzulesen, sondern zu hinterfragen: Wie geht der Autor mit sozialen und kulturellen Problemen um? Ist es richtig, sexuelle Gewalt so zu verharmlosen, wie in diesem Buch geschen? Dafür und für vieles mehr ist Kritik und eine gute Diskussionskultur nötig. Es gibt da draußen sicher viele Beispiele, gerade bei den US-Bloggern wird gerne und angeregt diskutiert. Solche interessanten Diskussionen wünsche ich mir hier manchmal auch.

      Ich wurde von Autoren schon als „kleingeistig“ oder „zu dumm, um die komplexen Sätze zu verstehen“ bezeichnet, und wenn ich ehrlich bin, lache ich darüber nur. Getroffen hat mich eigentlich wirklich nur das eine Mal, als eine Autorin bei mir die „böser Mensch“-Taktik angewandt hat und ich dem tatsächlich nachgegeben habe. Was ich nicht noch mal tun würde. Und ich will auch nicht, dass andere das tun, deshalb dieser Artikel.

      „Diese Verantwortung haben wir als Kritiker. Es ist wichtig, dem Autor zu vermitteln, dass einem die Arbeit am Buch wichtig war, dass man die Mühe dahinter zu schätzen weiß. Egal, wie die Kritik ausfällt. “

      Das sehe ich komplett anders. Als Kritiker sehe ich mich nicht in der Pflicht, dem Autor etwas zu vermitteln. Ich möchte Lesern etwas vermitteln, nämlich meine Gedanken zu dem Buch. Und dabei habe ich die Verantwortung, ehrlich und wahrheitsgetreu und vielleicht auch mal schonungslos zu sein. Ich bin nicht die Verbündete der Autoren – das versuchen derzeit viele Autoren aus Rezensenten zu machen und das ist meiner Meinung nach zutiefst falsch, weil es die Rezensenten beeinflusst und manipuliert.
      Sobald ein Buch in die Welt hinausgeschickt wird, gehört es den Lesern und ihrer Interpretation und ihren Gedanken. Und eine Buchgemeinschaft sollte offen und frei über das Buch diskutieren, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das dem Autor gefällt. Deshalb sollten sich Autoren auch niemals in die Diskussionen über ihr Buch einmischen und wenn dann so sensibel wie nur möglich.
      Das einzige, wozu ich mich verpflichtet sehe, ist den Autor nicht als Person unter der Gürtellinie anzugreifen – aber das dürfte sich von selbst verstehen.
      Aber ja, Respekt ist vielleicht das richtige Stichwort hier.

      • 7. November 2014 06:29

        Danke für die Rückmeldung! Ich stimme mit dir in vielem überein🙂 Autoren und Rezensenten als Verbündete? Wäre fr mich nie möglich, mein Ego ist zu groß. Meine Meinung bleibt bestehen, egal, wie sehr sich ein Autor darüber aufregt.

      • 8. November 2014 22:37

        „Als Kritiker sehe ich mich nicht in der Pflicht, dem Autor etwas zu vermitteln.“
        Das sehe ich zum Beispiel nicht so. Du sprichst es im späteren auch selber an, also dass das Buch nach Veröffentlichung den Lesern gehört, aber die Rezension selber, ist ja nicht für den Autor, sondern eben auch nur für den Leser. Gerade die Hale-Geschichte hat auch den Dialog angeregt, wie Rezensionen verfasst werden sollen. Sie sollen sich auf das Buch konzentrieren, das Buch als für sich stehend sehen und den Autor ignorieren. Sie sollen ehrlich sein, die Schreibweise darf auch bissig sein, solang der Autor nicht persönlich angegriffen wird. Ich finde es, wie du sagst, vollkommen in Ordnung, bestimmte Punkte anzuprangern, solang man erklären kann wieso.

        Autoren, wie Maggie Stiefvater es zum Beispiel tut, können Verbesserungsmöglichkeiten aus Rezensionen ziehen, erkennen was funktioniert und was nicht, aber so wirkliches Feedback, das für das rezensierte Buch gezählt hätte, hat der Autor doch schon von seinem Editor bekommen (was bei selbstpublizierenden Autoren wiederum schwierig ist, aber ein Narr ist jeder, der sein Buch nicht betalesen lässt. Niemand findet all seine eigenen Fehler.) Ich finde jegliches Autorfeedback zu einer Rezension schwierig, selbst wenn der Autor sich bedankt – irgendwie hat das immer so einen Beigeschmack davon, dass der Dialog zwischen den Lesern beeinflusst wird. Deswegen habe ich auch so ein unglaublich gemischtes Verhältnis zu Rezensionsexemplaren, die direkt von Autoren kommen. Ich sehe es als schwierig an, diese Bücher ehrlich zu rezensieren ohne jemanden damit vielleicht auf den Schlips zu treten, weil ich dazu erzogen wurde „Wenn du nichts Nettes sagen kannst, dann sage lieber gar nichts.“

        (Und ich finds cool, dass du meinen Beitrag verlinkt hast. Die ganze Hale-Sache [nicht mein Beitrag im Speziellen] verdient viel mehr Beachtung hier in Deutschland, gerade weil man auch hier in der deutschen Szene regelmäßig davon hört, das so mancher Blogger Streit mit einem Autor hatte. Diese Geschichte hat gerade in der amerikanischen Szene die Diskussion ums Rezensieren – den Sinn dieser Arbeit und die Art und Weise, in der es stattfinden sollte – entfacht und mir persönlich hat es geholfen meine eigenen Regeln zu konkretisieren, worüber und wie ich schreiben möchte.)

        Liebe Grüße,
        Suey

        • 8. November 2014 22:55

          Ich bin verwirrt, vielleicht liegt es auch an der Uhrzeit, aber wir sind doch im Prinzip exakt der gleichen Meinung, oder? Ich bin jetzt nicht sicher, inwiefern deine Argumentation meinem Zitat wiederspricht. Oder hast du das mit Evas Beiträgen vermischt, denn das, was du später paraphrasierst, stammt, glaub ich, nicht von mir. Verwirrung.😀

          Ich bin froh, wenn solche Diskussionen auch hier angestoßen werden, denn das Problem wird auch bei uns wohl noch extremer werden und wir können eigentlich nur aus dem lernen, was wir in den USA beobachten.

        • 8. November 2014 23:21

          Ich glaub dass meine Ausführungen auch definitiv so klangen, als wären wir gleicher Meinung, nur hab ichs schlecht ausgedrückt. Ich bin bei deinem Kommentar nur über diesen einen Satz gestolpert, dem ich widersprechen wollte, obwohl du natürlich im Weiterem genau das gesagt hast, was ich eben noch mal wiederholt hab. Also doppelt gemoppelt😀

        • 9. November 2014 06:04

          Das Verhältnis von Autoren zu Rezensenten ist ne gute Frage. Als Rezensent sehe ich das ganz klar: Es ist ein Taushgeschäft, man sollte sich von beiden Setien nicht unter Wert verkaufen und man kann auch nett sein🙂 Ich zweifel immer, ob ich bei befreundeten Autoren netter sein soll, aber das ist nicht notwendig – diese Leuten kennen meine Offenheit und freuen sich über jegliches Feedback. Daher gehört es für mich dazu, sich zu bedanken. Allerdings sollte man bedenken, dass man sich öffenltich darstellt und daher umsichtig agieren – Fauchen, Kratzen und beißen ist kontraproduktive. Für Autor, Rezensent und Leser der Rezenseion.

          Als Leser von Rezensionen kommt bei mir schnell der Verdacht auf „Der ist doch nur so nett, weil er den Autor kennt“ – auch das ist unberechtigt, weil die Rezensenten, die ich kenne, nicht anders werten würden, wenn sie den Autor nicht kennen. Die Situation hat sich so entwickelt, weil die Konkurrenz großer geworden ist und Neid eine große Rolle spielt. Vielleicht auch die Angst mit seiner Meinung alleien dazustehen.

          Was man nicht vergessen darf Kontakte sind wichtig. Bei der Riesn-Anzahl an Büchern und der wenige Zeit, die Rezensenten zur Verfügung haben, muss man auswählen. Und befreundete Autoren bleiben im Kopf. Als Autor weiß man wiederum, was der Blogger kann und dass der mit dem Werk vertraut ist. Das muss die Meinungsfreiheit nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil: Wir sollten Menschen weniger Fieses unterstellen.

      • 9. November 2014 11:49

        So, ich habe jetzt die Verschachtelung etwas aufgehoben, sonst werden die Diskussionen immer schmaler.

        @Evy Man muss gar niemandem was Fieses unterstellen. Wenn man mit Autoren in irgendeiner Weise verbandelt ist, dann beeinflusst das immer irgendwie, selbst bei besten Absichten. Das ist ein Grund, warum ich keine Leseexemplare annehme und niemals das Buch von Autoren rezensiere, die ich persönlich kenne. Nur so kann ich unabhängig bleiben und mich niemandem außer dem Leser verpflichtet fühlen. Ich erwarte nicht, dass andere das auch so machen, ich finde es in Ordnung, wenn jemand mit Lexen arbeitet, aber dann muss man sich tatsächlich genau überlegen, wie man sich positionieren will. Und nicht wenige erliegen der Versuchung, bewusst oder sogar unbewusst glatter zu sein, weil sie sich verpflichtet fühlen oder Angst haben, von dem Verlag nicht mehr berücksichtigt zu werden.

  5. 7. November 2014 14:18

    Eigentlich kann ich da mal wieder nur ein „Amen“ druntersetzen😉 Habe neulich auch einen Blogpost von Maggie Stiefvater gelesen, in dem sie erzählt, dass sie zahlreiche Reviews liest, um sich zu verbessern. Sie will so schreiben, dass es möglichst vielen Menschen gefällt und durch Rezensionen findet sie raus, was großflächig funktioniert hat (oder eben nicht). Fand ich sehr beeindruckend. So ein dickes Fell muss man erst mal haben, dass man sich als Autor dem Internet nähert und danach nicht heulend in der Ecke sitzt.
    Mir persönlich bringen kritische Auseinandersetzungen mit Büchern auch viel mehr. Ich will nicht immer nur sehen „war super, lies das“. Ich will, dass auah mal gemeckert wird, gern auch entgegen meiner eigenen Meinung. Da kommen ja erst die interessanten Gespräche auf. Auf der anderen Seite kann ich es aber auch verstehen, wenn Leute nur for fun lesen und die Geschichten genießen wollen, nicht alles auf die Goldwaage legen. Tja und manche wollen dann halt auch darüber bloggen wie schön sie dieses und wie toll sie jenes fanden. Das ist okay, das steht ja jedem frei🙂

  6. 8. November 2014 10:14

    Ich habe mich auch gewundert, wie sehr das Thema Self… plötzlich Einzug gehalten hat. Am Anfang hat man sich ja doch recht schwer damit getan, aber nun, da offenbar auch Geld damit zu verdienen ist …
    Was es nie als Workshop gibt, jedenfalls habe ich keine Kenntnis davon, ist „Kritik“ als solche. Sie ausüben genauso wie sie einstecken, dabei muss sie ja perse nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Das verstehen leider nur wenige Leute und da wir, so mein Gefühl, generell in einer Gesellschaft leben, in der verschiedene Meinungen nicht gewünscht sind (offizielle Meinungsfreiheit versus „wir distanzieren uns von der Meinung unseres Mitarbeiters und diskutieren seinen weiteren Verbleib in unserer Firma“), wird das wohl eher in eine Richtung laufen, die uns allen nicht gefällt.
    Schon vor Jahren habe ich, was die Bloggerszene anbelangt, genau das kritisiert. Wir sind zu konform und das hat sich leider auch ganz schön zugespitzt. Heute nennt man die Autoren beim Vornamen, kennt sie und gibt auch noch damit an. Wenn ich das in Rezis lese, weiß ich bescheid. Ich selbst bespreche ja seit Jahren keine deutschen Autoren im Blog (außer, wenn ich weiß, die vertragen es), weil ich ebenfalls unschöne Reaktionen darauf hatte. Sei es auch nur ein Minidetail, das zu kritisieren war. Oft waren es solche: „Wenn ich mir so ansehe, was du sonst so liest (Anmerk.: Liebesromane), ist mir das schon klar. Ich meine, KANNST du überhaupt lesen?“
    Inzwischen verdiene ich seit einer ganzen Weile mein Geld mit dem Schreiben und dem Bearbeiten von Texten. Ehrlich gesagt fände ich es sehr gut, wenn es da mal einen Workshop gäbe, in dem es darum geht, wie ein Lektor mit der Kritikunfähigkeit, dem Unwillen, am eigenen Text zu arbeiten des Autors umgehen sollte. Ich weiß von Bekannten, dass das immer mal wieder am Rande mit thematisiert wird, aber nur recht latent und nie tiefergehend. Es ist eine Egosache und nicht leicht zu lernen, aber wenigstens ein bisschen darauf einlassen muss man sich schon. Darum habe ich Hochachtung vor jenen, die sich wirklich näher damit befassen und sich dann verdammt nochmal hinsetzen und versuchen, daran zu arbeiten. Dabei, und das ist mir auch völlig klar, ist es auch nicht immer einfach, Kritik auszuüben. Selbst wenn man noch so sachlich bleibt, Beispiele anführt und Erklärungen bis zum Abwinken, kann man eine Reaktion darauf nie absehen. Ich habe ganz verschiedene Arten ausprobiert und keine scheint das Nonplusultra zu sein, darum mache ich es so, wie ich es für richtig halte und schaue was passiert.

    • 8. November 2014 11:56

      Zum Punkt Meinungsfreiheit: Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man sagen kann, was man will, ohne dass die Umwelt darauf reagiert. Meinungsfreiheit bedeutet, dass man keine staatlichen Repressalien zu fürchten hat, also nicht ins Gefängnis kommt, keine Geldstrafen zu erwarten hat oder um sein Leben fürchten muss, wenn man seine Meinung sagt. Das sehe ich aktuell – von den Extremen, über die ich neulich gesprochen habe, mal abgesehen – nicht in Gefahr. Aber das würde jetzt zu politisch, das genauer auszuführen.😉

      Zum Punkt Lektorat: Das ist eher ein Fingerspitzengefühl, das man im Laufe der Jahre mit der Erfahrung entwickelt. Aber eine ultimative Methode gibt es da wohl nicht, man muss sich auf jeden neu einstellen. Allerdings muss ich auch sagen: Ich finde, es sollte zur Professionalität eines Autors gehören, dass er normal oder freundlich geäußerte Kritik seines Lektors annimmt (noch nicht umsetzt, sondern nur annimmt), ohne ein Drama draus zu machen. Es kann nicht angehen, dass ein Lektor sich fünf mal um sich selbst drehen muss, wenn er den Satzbai eines Autors kritisiert. So viel Drama, wie manche Autoren kultivieren, könnte man sich in keinem anderen Job leisten.
      Ich für meinen Teil äußere meine Kritik immer sehr klar und sachlich und packe auch Kommentare dazwischen, wenn ich etwas gut finde, damit es nicht gar so destruktiv ist. Ich will ja niemanden deprimieren. Wenn der Autor das dann nicht annehmen will, auch nach nochmaliger Erklärung, ist es letztlich sein Problem. Wir sind beide erwachsene Menschen. In den meisten Verlagsverträgen hat der Autor die Texthoheit, als Selfpublisher sowieso. Wenn er also mit der Petersilie zwischen den Zähnen da rausrennen will: Bitte, soll er. Ich kann ihn ja nicht zwingen, meine Ratschläge anzunehmen.

      • 12. November 2014 16:24

        Zum zweiten Absatz nicke ich mal nur. Das Bild mit der Petersilie finde ich super, darf ich die Metapher verwenden?

    • 12. November 2014 16:49

      Klar, kannst du das Bild verwenden.😀

  7. 9. November 2014 10:34

    Hey, ich hab ne Mail bekommen, dass du hier kommentiert hast, aber finde den Kommentar nicht mehr. Ich muss mich echt entschuldigen. Ich hab das „Nicht“ überleen (selbst als ich dich zitiert hab!!), also hab ich an etwas rumgekrittelt was gar nicht da war:/ das passiert mir in letzter Zeit so häufig. Vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast und versucht hast mich zu verstehen, obwohl da gar nichts zu verstehen war, da wir wirklich 100% einer Meinung sind und die Verwirrung und das Missveständnis allein an meiner Lesefähigkeiten lagen!

    Liebe Grüße,
    Suey

    • 9. November 2014 11:33

      Hehe, irgendwie dachte ich mir das schon. Macht doch nix, passiert mir auch manchmal.😀

Trackbacks

  1. Wöchentliche Träumereien #45 - Leseträume - Flüsternde Lettern ferner Welten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s