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[Rezension] Jordan Castillo Price: Partners (PsyCop #1 + 2)

7. August 2011
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„Once upon a time if you told doctors you heard voices, they’d diagnse you as schizophrenic, put you on heavy drugs, and lock you away in a cozy state institution to keep you from hurting yourself or others.

Nowadays they test you first if you’re psychic.“

Autor: Jordan Castillo Price

Titel: Partners [enthält: Among the Living; Criss Cross]

Reihe: PsyCop, Band 1 + 2

Verlag: Torqueres Press, 2006

ISBN: 1934166561

Preis: ca. 10 €

Seiten: 253

Deutsche Ausgabe: keine

Die Versuchung: Es gibt ja schon wenig Urban Fantasy mit männlichen Helden generell und noch weniger mit schwulen männlichen Helden. Aber genau danach war ich auf der Suche, nachdem Tanya Huffs Tony Foster-Bände bei mir schon eine Weile zurückliegen und ich mal wieder Lust auf etwas in der Art hatte. In einem Forum wurde mir Jordan Castillo Prices PsycCop-Reihe ans Herz gelegt. Letztlich habe ich es aber doch nicht für mich, sondern für eine Freundin zum Geburtstag bestellt. Mittlerweile hat sie es gelesen, für „ganz gut“ befunden und es mir noch einmal geliehen.

Was habe ich erwartet: Ich bin mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen. Es ist in einem Kleinverlag erschienen und hier in Deutschland über Amazon als Print on Demand bestellbar. Kleinverlagsbüchern traue ich dank vieler schwarzer Schafe hier in Deutschland schon mal gar nicht über den Weg und die Tatsache, dass hier zwei „Romane“ gemeinsam einen Umfang von 250 Seiten haben, hat mich nicht positiver gestimmt. Andererseits hatte ich ja mittlerweile bereits zwei Empfehlungen.

Was habe ich bekommen: Zwei simpel gestrickte, übersinnliche Krimis, denen teilweise weniger Sex und mehr Plot ganz gut getan hätten, die aber trotzdem gute Ansätze zeigen und mich ganz gut unterhalten haben.

Vic ist ein Psycop, Teil eines polizeilichen Duos, bestehend aus einem übersinnlich Begabten und einem völlig normalen Menschen. Vic ist der übersinnliche Part, er ist ein starkes Medium und kann deshalb die Geister von Toten sehen und mit ihnen kommunizieren, was für die Polizeiarbeit entsprechend praktisch ist. Aber für Vic ist diese Fähigkeiten mehr Segen als Fluch, sieht er doch überall, wohin er auch blickt, Tote. Deshalb setzt er sich selbst ständig unter starke Medikamente, die seine Fähigkeiten dämpfen.
In Among the Living, dem ersten Kurzroman in diesem Doppelband, beginnt Vic eine Affaire mit seinem Kollegen Jacob Marks. Das ist durchaus mir Problemen verbunden, weil Vic sich an seinem Arbeitsplatz nie geoutet hat und es ihm auch lieber wäre, wenn das so bliebe. Seine Unsicherheit wird noch verstärkt, als er auf eine Mordserie angesetzt wird, bei der die männlichen Opfer vor ihrem Tod Analverkehr hatten. Eigentlich wäre es ganz einfach für ihn, dem Morden ein Ende zu machen, indem er die Geister der Toten befragt, nur, was tut man, wenn da kein Geist ist?
In Criss Cross, dem zweiten Roman, stellt Vic fest, dass seine Geistererscheinungen plötzlich zudringlicher und bedrohlicher werden. Nachdem eine Ärztin ihm einen Leberschaden aufgrund seines Drogenmissbrauchs bescheinigt, kann er auch nicht auf seine gewohnten Medikamente zurückgreifen und ist dem noch stärker ausgeliefert. Plötzlich scheint auch er selbst zwischenzeitlich die Kontrolle zu verlieren. Höchste Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen, denn er wird immer mehr zur Gefahr für sich selbst und auch für seinen Geliebten Jacob.

Zunächst hatte ich ja Vorbehalte wegen der Kürze der Romane, was aber zum Glück kein Problem war, denn die Geschichten sind zwar dicht, aber nicht überhastet erzählt. Among the Living ist der simplere Text von beiden. Der Fall ist extrem durchschaubar, vor allem wenn man eine gewisse „Vorbildung“ durch Buffy und spätere Mystery-Serien hat. Nichtsdestotrotz liest er sich aber doch ganz unterhaltsam.
Der Einstieg in den Roman ist ein wenig unglücklich, denn schon nach wenigen Seiten lernen wir Mark Jacobs kennen, der Vic aus heiterem einen heißen Kuss verpasst und ihm dann an die Wäsche geht. Nicht nur für den Leser sondern auch für Vic selbst kommt das aus heiterem Himmel. Die beiden kannten sich zwar zuvor, aber romantisch-erotische Annäherung hatte es scheinbar nie gegeben. Das wäre ja noch in Ordnung gewesen, hätte es sich hier nur um einen einmaligen Quickie gehandelt. Aber nein, kurze Zeit später schweben schon romantische Schwingungen durch den Raum. Das Ganze wirkt sehr seltsam und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin krampfhaft versucht hat, gleich in den ersten 10 Seiten Sex unterzubringen, damit das Publikum ihr auch ja gewogen bleibt. Es dauert eine Weile, bis man sich an die beiden gewöhnt, obwohl es später sehr schöne emotionale Momente zwischen ihnen gibt. Trotzdem hätte ich lieber weniger Sexszenen gehabt, weil sie dem ohnehin schon dünnen Plot kaum mehr Raum lassen.
Der zweite Roman ist schon deutlich komplexer und erotikärmer. Diesmal ist die Auflösung weit weniger vorhersehbar und so manche Wendung kann überraschen. Allerdings verschenkt die eigentlich tolle Idee viel von ihrem Potential. Man hätte das ganze viel mysteriöser, stimmungsvoller und schauriger machen können als es letztlich ist. Auch die emotionalen Konflikte wie Vics Drogenmissbrauch und seine noch immer etwas wacklige Beziehung zu Jacob hätte man viel besser bearbeiten können. Da verpufft viel Potential und phasenweise war ich fast ein wenig gelangweilt.

Insgesamt fühle ich mich gut unterhalten, aber auch nicht mehr. Vic ist mir persönlich ein etwas zu weinerlicher Held, ich wünschte mir, er hätte etwas mehr Rückgrad. Seltsam, dass das viele männliche Helden der Urban Fantasy an sich zu haben scheinen.
Meine „Kleinverlagsbefürchtungen“ wurden nicht erfüllt. Jordan Castillo Price ist zwar keine virtuose Autorin und die Bücher sind sprachlich sehr einfach gestrickt, aber mir fielen immer wieder Wendungen oder Bilder auf, die mir gut gefielen und Potential versprachen. Ich denke, es wird nicht mein letztes Buch von ihr sein.

Das, was ich gesucht habe, ist es allerdings nicht. So sehr ich mir bei Tanya Huff manchmal wünsche, dass ihre Figuren einfach mal übereinander herfallen, so sehr hätte ich mir hier gewünscht, dass sie einfach mal die Hosen anlassen bzw. ich als Leser nicht ständig mit ins Schlafzimmer genommen werde. Kann mir nicht jemand mal das Mittelding schreiben? Gut geplottete Urban Fantasy mit einem selbstbewussten, schwulen Helden und einem kleinen aber feinen Erotikanteil? Bittebitte?

Mit einem Sympathiebonus vergebe ich:

Wertung: 3,0 (von 5,0)

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