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Vorweihnachtliche Nähmaschinensitzungen – Teil 1/?

16. Dezember 2014

Im letzten Jahresrückblick habe ich ja erwähnt, dass ich mir eine Nähmaschine zugelegt habe. Kürzlich wurde die Bitte laut, mal was von meinen Nähprojekten zu zeigen und das mache ich hiermit. Im Laufe des Jahres habe ich diverse Täschchen, Buchhüllen und kleine Geschenke genäht. Ich bin noch immer eine schrecklich unerfahrene Anfängerin, aber kürzlich fühlte ich mich dann endlich bereit dazu, das anzupacken, für das ich mir die Maschine eigentlich gewünscht habe: Kleidungsstücke nähen. Weil mir das Zeug von der Stange hier in Deutschland oft schlicht zu langweilig ist. Das erste Projekt sollte ein Weihnachtsrock werden. Als Stoff habe ich mir diesen Deko-Baumwollstoff ausgesucht, der mit historischen Postkartenmotiven bedruckt ist. Ja, das Ergebnis wird ein wenig aussehen, als hätte ich mir eine Weihnachtstischdecke umgebunden, aber das ist nicht gänzlich unerwünscht. Ich mag Dinge, die aussehen wie Omas Sofakissen. :)

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Bitte beachtet: Das hier ist kein Modeblog ich habe weder die Ausrüstung noch das Know-How, um brauchbare Fotos zu machen. Und bei der Witterung sind die Lichtverhältnisse in meiner Wohnung eh unterirdisch. Also kann ich nur um Verständnis für die miserable Qualität der Bilder bitten. :)

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Buchgeplauder #2/2014

24. November 2014

Heute gibt es mal wieder einen kleinen Überblick über einige der Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen oder gehört habe. Es ist eine recht bunte Mischung aus Genres und Stilrichtungen geworden, wie ich finde.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Offenbarung (Känguru #3)

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Da ich die beiden Vorgänger erst in diesem Jahr entdeckt habe, war für mich die Wartezeit auf diesen dritten Band deutlich kürzer als für viele andere Känguru-Leser. Die Ernüchterung nach dem Hören des dritten Bandes teile ich aber mit vielen anderen.
Es gibt ein paar Elemente, die die vorherigen beiden Bände so gut haben funktionieren lassen. Das ist einmal der Mikrokosmos der Berliner Wohnung und ihrer näheren Umgebung, in dem sich die Handlung abspielte, mit einem wiederkehrenden Personal an Figuren. Es ist die episodenhafte Struktur, bei der es zwar einen losen Handlungsfaden gibt, aber jedes Kapitel für sich eine kleine Geschichte mit eigener Pointe darstellt. Und es ist der bissige, intelligente Humor, der Bezug auf politische und gesellschaftliche Gegebenheiten nimmt.
In der Känguru-Offenbarung wird sich von diesen drei Dingen teilweise verabschiedet. Kling schickt seine Figuren auf Weltreise, also raus aus der Berliner Wohnung, weg vom “asozialen Netzwerk“. Damit geht einher, dass es eine fortlaufende Erzählung gibt und der episodenhafte Charakter größtenteils wegfällt. Und der Plot an sich … Die Pinguine waren toll als Verschwörungstheorie des Kängurus, aber nichts, was ich wirklich zum Leben erweckt sehen wollte. Und was den Humor angeht: Der ruht sich stark auf den Pointen vergangener Episoden aus und ist stellenweise erschreckend platt. Ich bin mir sicher, man kann großartige Witze über Fantasy und den Trash-Historischenschinken-Trend machen, nur dieses Buch enthält keinen davon. Die Wunderhure. Hoho. (Ob das ein Seitenhieb hinsichtlich des Rechtsstreits um „Die Wanderwege der Wanderhure“ war?)
Alles in allem noch immer unterhaltsam, aber vor allem ganz zu Beginn und in der zweiten Hälfte seltsam langatmig und müde.

 


 

Ilona Andrews: Steel’s Edge (The Edge #4)

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Ich hatte mich ja ein bisschen von der Urban Fantasy verabschiedet, mir machten die Bücher einfach keinen Spaß mehr. Aber als ich dann neulich vor meinem Regal stand, habe ich ganz von selbst nach Steel’s Edge, dem vierten und letzten Band der Edge-Reihe, gegriffen. Überraschenderweise stellte sich dieses Mal nicht die sofortige Langeweile ein und ich hatte ein paar nette Lesestunden damit.
Das Konzept von Andrews‘ Welt ist denkbar einfach. Es gibt zwei Welten, das nichtmagische, moderne The Broken und das magische The Weird, zwischen denen ein Streifen Land liegt, der ein bisschen magisch ist: The Edge. Nur die Leute aus Edge können beide Welten betreten. Und diesen Umstand nutzt Richard, um skrupellose Sklavenhändler aus Weird zu jagen. Dabei wird er schwer verletzt und fällt Charlotte de Ney vor die Füße, einer adeligen Heilerin aus Weird, die in Edge ein neues Leben beginnen wollte, nachdem ihr Mann sich wegen ihrer Unfruchtbarkeit von ihr getrennt hat. Damit treffen zwei sehr ungleiche Menschen aufeinander, die aber einen gemeinsamen Feind haben, dem es das Handwerk zu legen gilt.
Ich war wirklich überrascht, wie gut das Buch für mich funktioniert hat. Die Liebesgeschichte hat ein schönes Timing, die Beziehung hat Zeit zu wachsen und ist von Respekt geprägt und die beiden sind angenehm auf Augenhöhe. Die Handlung erfindet nicht gerade das Rad neu, es geht um einen Sklavenhändlerring, dessen Strippenzieher die beiden Helden bis in die Adelskreise in Weird verfolgen und bietet nette Unterhaltung ohne besondere Finessen. Ein schöner Abschluss für die Reihe.

 


 

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen

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Ich kann nicht sagen, wie oft mir dieses Buch schon empfohlen wurde. Aber ich habe fast 10 Jahre gebraucht, bevor ich es jetzt in der Hörbuchversion, gelesen von Fritzi Haberland, gekauft habe. Und was soll ich sagen: Es ist ein Volltreffer.
Der Roman ist 1932 erschienen und spielt auch um diese Zeit. Im Mittelpunkt steht Doris, ein einfaches Mädchen ohne große Bildung, die dem Leser ihre Geschichte erzählt. Die beginnt in einer Kleinstadt, wo Doris als Sekretärin arbeitet und angesichts ihres gespaltenen Verhältnisses zur Zeichensetzung häufig Ärger mit ihrem Arbeitgeber hat und schließlich auch ihren Job verliert, als sie sich gegen die Zudringlichkeiten ihres Chefs wehrt. Sie findet eine Stelle als Statistin an einem Theater und es gelingt ihr sogar, eine bessere Rolle zu ergattern, doch dann stielt sie einer Zuschauerin den Pelzmantel und beschließt, nach Berlin zu fliehen, um dort „ein Glanz“ zu werden. Wie man sich denken kann, wird das nicht ganz so einfach, aber Doris ist vielleicht nicht gebildet, aber sie hat eine Schläue, die sie die Gegebenheiten nutzen lässt. So hält sie sich irgendwie über Wasser – doch bis zum Glanz ist es noch ein weiter Weg.
Manchmal konnte ich gar nicht glauben, dass dieses Buch tatsächlich in den 30ern geschrieben wurde. In mancherlei Hinsicht kommt es mir wahnsinnig modern vor, etwa wie es die Abhängigkeit der Frauen dieser Zeit von Männern zeigt. Wie man fast nebenher das Aufkeimen des Gedankenguts mitbekommt, das später so viel Unheil angerichtet hat. Nebenher, weil Doris keine politisch interessierte Figur ist, was sich dann zum Beispiel so darstellt, dass sie, als einer ihrer Männer sie fragt, ob sie Jüdin sei, lügt und es bejaht, weil sie in ihrer Ahnunglosigkeit glaubt, dass er drauf steht. Es steckt also viel in diesem kleinen Büchlein, das so witzig, so scheinbar schlicht daherkommt – auch durch die Sprache, die die einfache Ausdrucksweise der Protagonistin nachahmt, mit vielen durch „und“s verbundenen Reihungen. Und dennoch sind Doris‘ Beschreibungen von Berlin in den frühen 30ern so lebendig, dass man glaubt, es vor sich zu sehen wie der Blinde, dem sie ihre Umgebung schildert. Denn diese Sprache ist nur scheinbar schlicht, tatsächlich ist jedes Wort wohlgesetzt, gerade die Elemente, die eine Mündlichkeit ausdrücken, und der Roman besitzt einen außerordentlichen Sprachwitz. Kurzum: Ein ganz großartiges Buch.

 


 

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

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Alex Capus vermischt ja unglaublich gerne Tatsachenbericht und Roman. Inhaltlich und auch stilistisch. In diesem Buch geht es um drei Menschen, die sich nie kennengelernt haben, die aber einmal in ihrem Leben, ohne voneinander zu wissen, für einen Moment am gleichen Ort gewesen sein könnten. Da ist einmal eine junge Frau mit der Ambition Sängerin zu werden. Nicht so eine tingelnde Sängerin wie ihre Mutter, die ihr Strumpfband lüpfen muss, um für den Unterhalt der Familie zu sorgen, sondern eine gefeierte Sängerin. Doch sie muss feststellen, dass dafür ihr Talent nicht reicht und so endet sie doch als Strumpfbandlüpferin – und als Spionin. Der nächste ist ein Künstler, der wie sein Vater einem ambitionierten Archäologen seiner Zeit dabei hilft, alte Hochkulturen „herbeizufälschen“. Der Dritte ist ein begnadeter Physiker und überzeugter Pazifist, der letztlich mit seinem Wissen zum Bau der Atombombe beiträgt. Die letzte Geschichte, die von Felix Bloch übrigens, hat mich besonders beindruckt und mich ehrlich gesagt auch belastet. Einerseits, weil es die brutale Dummheit der Anhänger des Nationalsozialismus und die Veränderung des Klimas in Deutschland vor meinen inneren Augen so lebendig werden ließ. Aber auch, weil Bloch sich angesichts dieser Entwicklungen dazu entschließt, das eine große Prinzip seines Lebens aufzugeben, um Schlimmeres zu verhindern.
Ein bedrückendes, aber auch ein beeindruckendes Buch. Alex Capus hat wirklich ein Händchen für interessante Biographien und findet genau die richtige Mischung von Fakten und Fiktion, um die Erzählung nie trocken, aber auch nie zu geschwätzig werden zu lassen.

 


 

Silvia Day: Crossfire

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Man sagte mir, dieses Buch sei besser als Shades of Grey, weil die Heldin keine grenzdebile Türmatte sei, sonst hätte ich es wohl nie angefasst. Außerdem habe ich es umsonst bekommen, weil jemand zu einer Party eine Kiste voller Bücher mitgebracht hatte, die ein neues Zuhause suchten. Dann habe ich es eben doch mal gewagt.
Böser Fehler. Ganz böser Fehler. Ja, die Heldin ist immerhin eine sexuell erfahrene Frau, die ansatzweise einschätzen kann, worauf sie sich einlässt. Aber der Held ist mal wieder ein superreicher Psychostalker, der das Haus besitzt, in dem sie wohnt, und ihre Kreditkartendaten ausspäht, um zu erfahren, wo sie hingeht. Traumhaft. So was kommt also raus, wenn Frau sich einen Phantasiemann backen bzw. schreiben darf.
Die Beziehung darf mal wieder keine spaßige Sexbeziehung werden, sondern der selbsternannte Playboy kürt sie recht früh zu der Frau, mit er es mal probieren will mit der Monogamie (nachdem sie ewig das „ich will dich – nö doch nicht“-Spielchen gespielt hat – wohl damit die sittsame Leserin sie nicht zur Schlampe erklärt). Beide verhalten sich so infantil, dass mich nicht gewundert hätte, wenn er ihr ein „Ja – Nein – Vielleicht“-Zettelchen zugesteckt hätte (und ich schwöre, sie hätte alles davon angekreuzt – gleichzeitig). Und letztlich müssen mal wieder Traumata und sexuelle Gewalt in der Vergangenheit als Erklärung für promiskes Verhalten herhalten. Sprich: Das Buch ist die gleiche verklemmte Ami-Kacke mit Sexgarnierung wie SoG auch. Es ist ein bisschen erträglicher, weil nicht annähernd so dumm und um Welten besser geschrieben ist, aber es ist noch immer Mist. Und nein, ich bin nicht verklemmt (wie oft einem das vorgeworfen wird, wenn man SoG nicht mag :D), ich will einfach nur mal wieder Bücher lesen, in dem zwei Menschen, die sich benehmen wie Erwachsene (!!!), die Respekt voreinander haben und sich gegenseitig gewachsen sind, sich begegnen und Spaß miteinander haben. Und die dürfen es ruhig auch wilder treiben, solange beide drauf stehen. Und die dürfen sich meinetwegen am Ende auch verlieben und eine Horde Kinder zeugen. Oder auch nicht. Einfach nicht die ewig gleiche Mottenkistesoße mit zementierten Geschlechterrollen und -klischees und pseudomodernem Anstrich, die uns dann als „sexuelle Befreiung der modernen Frau“ verkauft wird. Erspart uns doch zumindest Letzteres und sagt: Abgesehen vom Sex ist es ein ganz traditioneller Liebesroman. Das ist nicht modern, aber viele Leserinnen mögen das.
Dann fände ich das Buch zwar immer noch blöd und kontraproduktiv, aber wenigstens wäre das ehrlich.

 


 

Andrea Cremer/David Levithan: Invisibilty

invisibility

Ein Gemeinschaftsprojekt von YA-Paranormal-Romance-Queen Andrea Cremer und Realistic-YA-Autor David Levithan. Wie das wohl funktioniert? Die kurze Antwort: Gar nicht.
Ich war vorgewarnt, aber ich wollte der Sache eine Chance geben. Anfangs war ich auch recht angetan, denn die Prämisse ist spannend: Ein Junge, der seit seiner Geburt unsichtbar ist, lebt nach dem Tod seiner Mutter einsam in einem New Yorker Apartment, bis neben ihm ein Mädchen, Elizabeth, einzieht, die die einzige ist, die ihn sehen kann. Schon spannend, oder? Bis, ja bis Steves Zustand eine natürliche übernatürliche Erklärung bekommt: Er ist verflucht! Halleluja. Und von da an wird daraus eine mäßig originelle und wenig spannende Geschichte um Cursecasters und Curseseekers und was weiß ich noch was. Ich habe der Erklärbärhexe, die ständig die Regeln des magischen Unterbaus des Buches erklärt, irgendwann nicht mehr zugehört. Im letzten Drittel bin ich schließlich eingeschlafen und kurz vor Ende wieder wach geworden, hatte aber kein Bedürfnis den verpassten Teil noch mal nachzuhören.
Levithans Parts aus Steves Sicht sind, typisch für ihn, sehr aufgeladen mit Bedeutung und Gefühlen und ein bisschen salbungsvoll. Ich liebe den Mann, aber jemand sollte ihm mal sagen, dass er nur halb so tiefgründig ist, wie er tut. ;) Wäre das ein Levithan-Buch gewesen, wäre es vielleicht eine Metapher auf den modernen Menschen in der Großstadt geworden. Magischer Realismus in YA. Das wäre auch sinnvoll gewesen, denn die Fluch-Erklärung wirft eine Menge unbeantworteter Fragen zu Steves praktischem Leben auf.
Aber da ist noch Andrea Cremer, und die fährt das volle Geschütz der YA-Romance-Klischeemaschinerie auf. Ihre Heldin Elizabeth ist natürlich nach einer Figur aus einem literarischen Klassiker benannt – oder besser nach zwei, denn sie heißt Elizabeth Jo, wie die Schwestern aus Little Women und natürlich will sie Künstlerin (Comicautorin) werden und ist total begabt. Ihr Bruder heißt natürlich Laurie und ist der einzige mit Hirn und der einzige, den ich ansatzweise ins Herz geschlossen habe. Cremer versucht aus Elizabeth krampfhaft eine starke weibliche Figur zu machen, nimmt ihr aber dabei jegliche menschliche Regung oder glaubwürdige Reaktion. Ich wusste irgendwann nicht mehr, wer mir mehr auf den Keks geht: Der zur Passivität verdammte, weinerlich im eigenen Saft schmorende Steve oder die regungslose Elizabeth, die sich natürlich schon recht früh unsterblich ineinander verlieben. Hexhex.
Das Ende ist relativ offen, aber ich hoffe für beide, dass sie das nicht fortsetzen. Dieses Buch ist unharmonisch und unspektakulär. Lesbar vielleicht, es sind ja beides Profis, aber definitiv das eine Levithan-Buch, das man verpassen sollte (neben dem Wörterbuch der Liebenden vielleicht).

Wer nichts Gutes zu sagen hat, sollte trotzdem nicht schweigen – Über die Notwendigkeit von Kritik

5. November 2014

 

Als ich im Frühjahr so über die Buchmesse Leipzig schlenderte und in meinem Programmheft blätterte, stellte ich fest, dass gefühlt jede dritte Veranstaltung ein „Wie vermarkte ich mich als Selfpublisher“-Workshop war. Gut, dachte ich mir, ist ja gerade Trend und angesichts der haarsträubend unprofessionellen und nichtssagenden Werbemails, die du manchmal von Indie-Autoren bekommst, für einige sicher ganz sinnvoll. Aber wisst ihr, was für eine Veranstaltung mir fehlte? Eine „Wie gehe ich mit Kritik um“-Veranstaltung und eine „Wie verhalte ich mich professionell im Internet“-Veranstaltung. Und zwar nicht nur für Selfpublisher.

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[Tempted by … #2] Nancy Baker: Cold Hillside

25. Oktober 2014

Cold-Hillside-cover

Dear Autor stellte seinen Lesern heute die Frage: Which autors have quit writing who you wish would return?. Ich musste gar nicht nachdenken, meine spontane Antwort war: Nancy Baker. Wer in den 90ern schon Fantasy und Horror gelesen hat, kennt sie vielleicht noch, allen anderen dürfte sie wohl unbekannt sein, denn ihr letztes Buch erschien vor 18 Jahren.

Das kommt vielleicht hier im Blog nicht so stark durch, aber ich besitze eine recht umfangreiche Sammlung von Vampirromanen der Prä-Twilight-Ära. Zu einer Zeit, als kein Verlag Vampirromane machen wollte und die Veröffentlichungen des letzten Booms um 1995 (anlässlich der Verfilmung von Interview with a Vampire) schon alle vergriffen waren, habe ich mir vorgenommen, jeden in den letzten 50 Jahren in Deutschland veröffentlichten Vampirroman in meinen Besitz zu bringen. Ich war ziemlich gut dabei, auch wenn es lange dauerte, bis ich so manches vergriffene Buch zu einem akzeptablen Preis bekam, bis Black Dagger und Twilight eine Schwemme brachten, die mein Unternehmen ziemlich schnell relativ sinnlos machten. Aber bei meiner Sammelwut habe ich einige tolle Autoren entdeckt und vielleicht meine liebste Neuentdeckung ist die kanadische Autorin Nancy Baker mit ihren zwei Romanen um die Studentin Ardeth und den Vampir Rossokow (Blood an Chrysanthemums/Blut und Chrysanthemen und The Night Inside/Blutgesang). Sie gehören noch zur düster-mystischen Sorte mit moralisch nicht ganz einwandfreien Vampiren – entsprechen also nicht mehr wirklich den heutigen Lesegewohnheiten, wo meist entweder viel Romantik oder viel Horror und Action erwartet wird – weshalb wohl auch eine Neuauflage des Heyne-Verlags vor einigen Jahren vom Publikum ziemlich abgestraft wurde (Die Nacht in mir). Mein absoluter Liebling ist aber ihr dritter (und bislang letzter) Roman A Terrible Beauty (deutsch: Der Vamp), ein düster-romantisches Vampirmärchen. Ehrlich gesagt vermisse ich diese etwas schwurbelige 90er-Jahre-Fantasy von Autorinnen wie Tanith Lee oder Constantine Storm oder eben auch Nancy Baker, die vielleicht nicht immer grandios, aber doch irgendwie sehr eigen und sinnlich war, ein bißchen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich dachte mir also, dass Nancy Baker die Autorin ist, von der ich gerne noch mal etwas lesen würde. Also stattete ich ihrer Homepage den obligatorischen jährlichen Besuch ab, nur um überrascht festzustellen, dass der kanadische Verlag ChiZine nicht nur ihre alten Romane als eBook auf den Markt gebracht, sondern auch einen komplett neuen Roman von ihr in der Ankündigung hat, der bereits im November erscheinen wird. Cold Hillside ist dieses Mal kein Vampirroman, sondern ein Fae-Roman, der aber in seiner Ankündigung ähnlich mystisch und märchenhaft klingt wie A Terrible Beauty. Ich hoffe also das Beste und werde dieses Buch definitiv kaufen, sobald es erscheint.

In the remote city of Lushan, they know that the Fey are not fireside tales – but a dangerous reality. Generations ago, the last remnants of a dying empire bargained with the Faerie Queen for a place of safety in the mountains and each year the ruler of Lushan must travel to the high plateau to pay the city’s tribute. When an unexpected misfortune means that the traditional price is not met, the Queen demands the services of Teresine, once a refugee slave and now advisor to the Sidiana. Teresine must navigate the treacherous politics of the Faerie Court, where the Queen’s will determines reality and mortals are merely pawns in an eternal struggle for power. Years later, another young woman faces an unexpected decision that forces her to discover the truth of what happened to Teresine in the Faerie Court, a truth that could threaten everything she loves.

Meine Lieblinge des Tages

15. Oktober 2014

Als ich mit meiner Mutter neulich durch die Stadt lief, meinte sie plötzlich sinngemäß: Warum berichten die Medien eigentlich immer nur über die Leute, die Schlechtes tun und viel seltener über die, die Gutes tun. Und irgendwie musste ich ihr recht geben. Wir schenken den Arschlöchern so viel Aufmerksamkeit, dabei müssten wir den tollen Menschen mehr davon geben, weil das noch mehr Anreiz ist, ein toller Mensch zu sein (obwohl tolle Menschen meist auch ohne Aufmerksamkeit toll sind … für alle anderen gibt es die Ice Bucket Challenge …). Und weil mein letzter Artikel sich mit unangenehmen Zeitgenossen beschäftigte, schreibe ich den hier über 2 tolle Dinge. <3

Eine Freundin linkte mir diesen Artikel aus dem Buchmesseblog des Deutschlandradio kultur:

Cosplay: Schämt euch, so rumzulaufen! von Stefan Mesch

Moment, werdet ihr sagen. Sollte es hier nicht um tolle Menschen gehen und nicht um solche, die anderen erzählen, dass sie sich für ihr Hobby schämen sollen? Nun, der Titel ist provokant, aber er mag vielleicht den ein oder anderen dazu verleiten, den Artikel zu lesen, weil er ausspricht, was sie denken. Und damit lesen es dann genau die Richtigen. Stefan Mesch führt uns nämlich vor Augen, wie vielfältig die Buchwelt ist, vom “Mangamädchen” über zerstreute Lektoren bis hin zum “Suhrkamp-Künschtler”, dass im Prinzip jeder ein Kostüm trägt und deshalb keiner mehr oder weniger berechtigt zum Besuch einer Messe ist.

Und deshalb freue ich mich für jeden Schnösel auf der “Junge Verlage”-Party, der sich einmal in Jahr vor seinesgleichen in Szene setzen darf. Einmal im Jahr erkannt, geschulterklopft, hofiert wird. Jemand ist.

Ich freue mich für jeden Cosplay-Fan, der sein Kostüm, seine Rolle fand. Sich neu erfunden hat und heute auf der Messe fotografieren und feiern lässt!

Für jeden, der sich selbst genügend mag, um über diese Messe zu laufen, selbstbewusst und offen.

[…]

Die meisten Menschen missfallen sich selbst. Und ich bin froh für jeden, der das nicht tut. Und sich zeigt!

AMEN.

Vielleicht sollte das auch mal die Origanisation der Leipziger Messe lesen und sich fragen, ob es so klug war, den ganzen Manga/Comicbereich in eine eigene Halle abzuschieben, die nicht einmal richtig auf dem Messeplan verzeichnet ist, und sich darauf besinnen, dass der große Charme ihrer Messe immer darin lag, dass sie zeigte, wie bunt Lesen sein kann.

Social Justice Classes Pins

(Foto und Idee von Chiparoo)

Diese Aktion hat mich mit sehr viel Glück und Freude erfüllt, denn sie ist die richtige Antwort auf all die, die meinen, “Social Justice Warrior” sei eine Beleidigung. Zur Erläuterung: Ich denke, ihr kennt auch diesen kuriosen aktuellen Trend, jeden, der sich gegen Diskrimierung aller Art einsetzt oder einfach nur versucht, ein besserer und netterer Mensch zu sein, als “Gutmensch” zu beschimpfen. Als wäre ein guter Mensch zu sein, etwas ganz Schlimmes. Nun, in Zeiten der Globalisierung wäre es ein Wunder, wenn sich dumme Ideen nur auf ein Land beschränken würden und so ist das Pendant im englischsprachigen Raum der “Social Justice Warrior”. Und weil es schon ganz schön beleidigend ist, als “Krieger” für die Soziale Gerechtigkeit bezeichnet zu werden, wenn man sich doch eigentlich als Magier, Barde oder Bogenschütze fühlt, hat Chiparoo diese Pins entworfen, die es bislang nur auf einer Con in den USA zu kaufen gab und die leider (noch?) nicht online zu bestellen sind.

Und was soll ich sagen: ICH WILL EINEN HABEN! Ich werde es jetzt erst mal Marke Eigenbau versuchen, weil eine Freundin von mir eine Buttonstampfmaschine besitzt und es Bilder der Rohlinge auf dem Tumblr der Urheberin gibt. Wobei ich eine deutsche Ausgabe auch witzig fände, weil man hier lustigerweise die Rasse zur Klasse machen könne. Ich meine, wer wollte nicht schon immer ein Gutork sein? Ein gutorkischer Social justice bard. Awesome. Ernsthaft, wenn ich irgendein künstlerisches Talent besäße, würde ich die Urheberin fragen, ob ich mir ihre Idee ausleihen darf. Ich finde das so großartig.

Wo Kritik aufhört

12. Oktober 2014

Eigentlich hatte ich einen Artikel über mangelnde Kritikfähigkeit im Netz in Arbeit, aber jetzt stelle ich ihn zugunsten eines anderen Themas, das in den letzten Wochen eine erschreckende Aktualität bekommen hat, zurück. Denn wo es auf der einen Seite die Leute gibt, für die jeder, der ihr Buch, ihren Blogartikel, ihr Video nicht mag, ein aus niederen Gründen agierender „Hater“ ist, kommt auf der anderen Seite immer mehr zum Vorschein, dass es die „wahren“ Hater wirklich gibt, sie scheinbar immer zahlreicher, immer besser vernetzt und immer mehr zu einem Problem werden, das uns alle interessieren sollte.

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Leseempfehlungen ohne Buch #3

18. September 2014

Mal wieder gibt es ein paar Artikel bzw. Fundstücke, die ich gerne teilen möchte. Nicht wundern, einige sind schon etwas älter, weil sie schon eine Weile vergessen in meinen Bookmarks lagen. Ich teste in dieser Ausgabe erstmals, die englischen Zitate auch zu übersetzen. Keine Ahnung, ob das überhaupt nötig ist, aber vielleicht ist es ja ein netter Service?

Editors are not Supervillans von Kelly McCullogh

Dieser kleine Artikel über Lektoren und die Angst von Autoren vor ihnen hat mir ein Lachen und zugleich ein zustimmendes Nicken entlockt.

“Contrary to the opinion of any number of beginning writers, editors are not supervillains hunched over their desks scheming fresh ways to crush the souls of unpublished writers.”

(Entgegen der Meinung unzähliger angehender Autoren, sind Lektoren keine Oberbösewichte, die über ihren Schreibtischen kauern und immer neue Methoden aushecken, die Seelen unveröffentlichter Autoren zu zerschmettern.)

So beginnt der Artikel und fährt dann fort, Gründe zu nennen, warum ein Lektor einfach nur das beste für ein Manuskript will und keinen, aber auch gar keinen Grund hat, ihm zu schaden. Ganz im Gegenteil.
Ein wirklich amüsanter Text mit ein paar netten Details über das Lektorenleben und das launische Geschäft des Büchermachens. Pflichtlektüre für all jene, die noch immer Angst haben, ein Lektorat würde ihren “persönlichen Stil” zerstören.

 The Cost of a good Book von Brian McClellan

Ausgelöst von einer Petition, ins Leben gerufen von Selfpublishing-Krawallbruder und Amazon-Fan Hugh Howey, schreibt McCellan, der sowohl Verlagsautor als auch Selfpublisher ist, darüber, was es kostet, ein gutes Buch zu machen.

“Mr. Howey spends a lot of time talking about how horribly publishers treat their authors and how little they pay us and why Amazon is so much better. Because I don’t have time to say all the things I want to about that petition, I’ll just address the one complaint: payment.”

(Mr. Howey verwendet viel Zeit darauf, darüber zu sprechen, wie schrecklich Verlage ihre Autoren behandeln und wie wenig sie uns zahlen und dass Amazon so viel besser ist. Weil ich nicht die Zeit habe, all das über die Petition zu sagen, was ich gerne sagen würde, beschränke ich mich nur auf eine der geäußerten Beschwerden: die Bezahlung.)

McCellan errechnet ungefähr, wie viel der Verlag in sein Buch investiert hat und stellt es seinem Selfpublishing-Titel gegenüber, den er nur deshalb umsetzen konnte, weil er Freunde hatte, die ihm die meisten anfallenden Arbeiten so gut wie umsonst gemacht haben und kommt zu dem Schluss:

“So, to recap, Orbit pays me the traditional industry standard on my novels because they invested between $34K and $60K into each of my novels. NOT INCLUDING MY ADVANCE. Sure, my self-published short stories and novellas pay me between 35% and 70%. But do you know how much Amazon has invested in me? $0. Would I love for the industry standard to be higher? Of course I would! But I understand why it’s not, and I’m learning to diversify because this is what I do for a living.”

(Also noch einmal zusammengefasst: Orbit bezahlt mir das traditionelle Standardhonorar für meine Romane, weil sie zwischen 34.000 und 60.ooo Dollar in jedes meiner Bücher investieren. MEINEN VORSCHUSS NICHT EINGERECHNET. Klar, meine selbst veröffentlichten Kurzgeschichten und Kurzromane bringen mir zwischen 35% und 70% ein. Aber wisst ihr, wie viel Amazon in mich investiert hat? 0 Dollar. Wünsche ich mir, das Standardhonorar in der Branche wäre höher? Natürlich! Aber ich verstehe, warum es nicht höher ist und ich lerne zu differenzieren, weil ich damit mein Geld verdiene.)

Gender, Family, Nookie: The Speculative Frontier von Kameron Hurley

Dieser kleine Artikel von Autorin und Bloggerin Kameron Hurley, die jüngst zwei Hugo-Awards gewonnen hat, kam mir gerade recht, nachdem ich mal wieder eines dieser Bücher aus der SoG-Kategorie (an)gelesen habe und mich fragen musste, warum der selbstverständlich umwerfend gutaussehende Held mal wieder ein Soziopath erster Güte ist. Und ich musste mich spontan fragen, warum zum Teufel, man sich, wenn man sich schon den literarischen Traummann backen kann, ausgerechnet einen rücksichtlosen Stalker aussucht. Ich meine, selbstbewusst, dominant meinetwegen. Aber Kontrollsucht hat für mich nichts mit Selbstbewusstsein zu tun und besonders attraktiv macht es diesen Heldentypus für mich auch nicht – aber offenbar für ganz viele andere Frauen. Warum ist das so? Hurley liefert in ihrem Artikel einen Ansatz, den ich es wert finde, ihn zu überdenken und weist zudem darauf hin, dass wir selbst in Literatur, die wir in anderen Welten ansiedeln, immer wieder die gleichen bekannten Muster reproduzieren. Es ist kein tiefgehender Artikel und definitiv nicht ihr bester, aber es sind ein paar interessante Gedanken darin.

Kulturkrieg, Kommerz und Sad Puppies von Murilegus rex

Ich hatte hier bereits einmal die Sexismus-Diskussion in der amerikanischen SFF-Szene kurz angerissen. Ich habe das zwischendurch in Teilen weiterhin verfolgt, aber nicht genug, um noch einmal ausführlich darüber schreiben zu können. Was mir auffiel, war, dass diese Auseinandersetzung in anderer Form eigentlich nicht nur im SFF-Bereich stattfand, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Man kann eigentlich überall das gleiche beobachten. Derzeit macht eine (rechts)konservative Meute zorniger Menschen mit ihrem Wüten die Kommentarbereiche der Tageszeitungen und bestimmte Bereiche sozialer Medien zu einem wirklich grusligen Ort. Offenbar reissen Frauen, Homosexuelle, Ausländer und andere Gruppierungen, die um Gleichstellung oder Toleranz werben, die Welt ins Verderben – ebenso wie die Frauen ja angeblich auch die Science Fiction ins Verderben gerissen haben, so dass die jungen Männer Zuflucht bei Videospielen suchen mussten. Und dann kommt schon die nächste Frau und wagt es, zu hinterfragen, ob Frauen im Computerspiel wirklich sehr viel mehr sein dürfen als Sexobjekt und Jungfer in Nöten. Und schon tobt die nächste Meute, droht mit Mord und Vergewaltigung. Jeder, der die guten alten Verhältnisse bedroht, indem er für mehr Gleichberechtigung und Toleranz eintritt, gegen Rassissmus, Sexismus und Homophobie, soll mit einem Schwall von Beschimpfungen zum Schweigen gebracht werden. Die Agressivität des Vorgehens dieser Leute, ihr Hang dazu, sich selbst als Opfer derjenigen zu sehen, die sie gerade wüst beschimpfen und ihre vollkommene Unfähigkeit zu differenzieren oder eine zivilisierte Diskussion zu führen, schlägt mir offen gesagt zeitweise ziemlich aufs Gemüt.

Der hier verlinkte Artikel setzt diese Phänomene in einen Zusammenhang und ich halte ihn für sehr lesenswert. Auch die darin verlinkten Artikel von Laurie Penny und aus der Zeit sind es wert, sich die Zeit zu nehmen, sie zu lesen. Wer etwas in dem Blog stöbert (nachdem ich ihn erst vor einigen Wochen entdeckt habe, bin ich immer mal wieder am Stöbern und finde, dass es sich lohnt) wird auch noch einige ältere Beiträge zu dem Thema finden.

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