Bald auch Fanfiction bei Amazon
Ich bringe Amazon ja nicht unbedingt die größten Sympathien entgegen, aber man muss ihnen einfach lassen, dass sie die Augen offen haben für das, was um sie herum passiert, und nicht davor zurückschrecken, ihren Einfluss und ihr Geld in immer neue Ideen und Projekte zu investieren.
Der neueste Vorstoß wird Kindle Worlds sein, ein Portal für Fanfiction. Während Fanfiction bislang so ein halb legales Vergnügen war, das von den meisten Autoren und Verlagen bzw. Produktionsformen weitgehend stillschweigend toleriert wurde, holt Amazon nun Rechte ein und gibt den Autoren damit die Möglichkeit, nicht nur legal zu veröffentlichen, sondern auch zu verkaufen und 35% von den Einnahmen zu erhalten. Und dass man Fanfiction verkaufen kann, das wissen wir spätestens seit Fifty Shades of Grey. Und jetzt müsste man nicht mal mehr die Namen austauschen …
Es wird spannend sein, wie die Fanfiction-Szene darauf reagiert. Wird sich jahrzehntelanger Wildwuchs wirklich domestizieren und für den schnöden Mammon von Amazon vereinnahmen lassen? Und warum sollten die Fanfiction-Leser nun plötzlich Geld für etwas bezahlen, was es überall im Netz gratis zu lesen gibt? Natürlich könnte es sein, dass die “Stars” der Szene irgendwann aus den alten Archiven abwandern und die Möglichkeit nutzen, legal Geld mit ihren Publikationen verdienen zu können. Wie viele Rechte wird Amazon tatsächlich einholen können? Und werden die Rechtegeber dann beginnen, gegen die “illegale” Fanfiction anderswo im Netz vorzugehen, weil sie daran kein Geld verdienen können? Das könnte der Szene tatsächlich einen herben Schlag versetzen.
Aber langsam gewöhnt man sich daran, dass Unabhängigkeit von den Riesen des Online-Business fast nicht mehr möglich ist. Es bleibt ja immerhin auch noch zu erwarten, was Yahoo mit Tumblr anstellt … Ich finde das immer etwas traurig, weil ich das Gefühl habe, dass da viel Kreativität auf der Strecke bleibt. Nicht nur, weil sich alle Teilnehmer den Regeln eines gewinnorientierten Unternehmens unterwerfen müssen, sondern auch, weil die Aussicht auf Einnahmen viel verändert. Das ist sehr interessant auf Youtube zu beobachten, wo mit immer mehr Professionalisierung auch immer mehr Eintönigkeit einhergeht. Aber es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich das alles entwickelt. Noch ist nicht die Zeit für Jubelstürme oder Untergangsszenarien.
Noch bin ich auch nicht überzeugt davon, dass Amazon damit tatsächlich den großen Wurf gelandet hat, denn unter anderem soll Pornographie nicht erlaubt sein. Und mal ehrlich: Wir haben den Krempel doch früher alle zu einem nicht unbeträchtlichen Teil wegen des porn gelesen …
Falls jemand von euch tiefer in der Fanfictionszene ist (mir gibt FF leider so gar nichts, weshalb ich sie seit Jahren so gut wie nicht mehr lese), würde mich seine Meinung interessieren und ich bin dankbar für interessante Artikel aus der Szene zum Thema.
Zum Abschluss noch ein Tweet zum Thema
Dramageplauder #4
Im April standen uns ja eine ganze Menge Neustarts in Haus. So ein richtiger Knaller war allerdings auch bei diesem Schwung neuer Serien nicht dabei. Das einzige, was mich tröstet ist, dass ich sehe, dass ich nicht die einzige bin, die von dem, was derzeit aus Korea kommt, eher unbeeindruckt ist. Hoffen wir, dass ein paar der für Herbst angekündigten großen Namen halten, was sie versprechen.
[Rezension] Vera Hohleiter: Schlaflos in Seoul
[Rezension] Alexandra Pilz: Zurück nach Hollyhill
[Web-Serie] The Lizzie Bennet Diaries
Vor ziemlich genau einem Jahr ging das erste Video der Lizzie Bennet Diaries, einer modernen Adaption von Stolz und Vorurteil im Vlog-Format auf Youtube online. Vor etwa drei Wochen endete die Serie nun mit Video 100 und mir wurde plötzlich bewusst, wie lange sie mich begleitet hat und Teil meines Alltags war. Grund genug, einmal auf diese lange Reise zurückzublicken.
Dramageplauder 3/2013
April ist der Monat mit so vielen Drama-Neustarts wie schon lange nicht mehr. Allderdings setzt sich ein Trend fort, denn nichts davon haut mich im Vorfeld so wirklich aus den Socken. Bleibt nur zu hoffen, dass manches besser ist, als es den Anschein hat.
[TV-Serie] Lost in Austen (ITV, 2008)
„Lost in Austen“ ist eine britische Miniserie aus dem Jahr 2008. Es ist eine von diesen Serien, über die ich immer wieder gehört habe, ohne wirklich Anstalten zu machen, sie anzusehen. Letzte Woche hat dann ein Kommentar auf Youtube den Ausschlag gegeben, dass ich sie plötzlich doch sehen wollte.
Im Mittelpunkt der vierteiligen Serie steht Amanda Price, eine junge Frau aus dem modernen London. Sie ist ein großer Fan des Romans „Pride & Prejudice“ und wünscht sich insgeheim, dass ihr Leben auch so wäre, wie das von Elizabeth. Denn ihr Partner, der ihr betrunken mit der Bierdose in der Hand einen Heiratsantrag macht, ist so weit entfernt von dem zivilisierten Mr. Darcy, wie man nur sein kann.
Doch plötzlich steht Elizabeth Bennett leibhaftig vor ihr. Denn eine alte Tür in Amandas Badezimmer führt direkt in den Dachboden der Familie Bennett. Kurzerhand stößt Elizabeth Amanda durch dieses magische Portal und diese findet sich plötzlich in der Welt ihres Lieblingsbuches wieder. Sie stellt fest, dass sie pünktlich zu Beginn der Romanhandlung eingetroffen ist, gerade hat Bingley Netherfield bezogen. Aber wie soll es weitergehen, wenn doch die Hauptfigur, Elizabeth, fehlt?
Und natürlich geht alles schief. Zwar stellen die Bennetts zum Glück keine großen Fragen, als Amanda als „Lizzies Freundin“ plötzlich in ihrem Haus auftaucht, aber schon der erste Besuch Bingleys läuft nicht wie geplant. Denn ein Blick in Amandas freizügiges Dekolleté und Bingley hat sein Herz an die Falsche verloren. Was Jane wiederum frei macht für Collins und Charlotte … Je mehr Amanda versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen, desto verworrener wird die Lage. Zu allem Überfluss ist Darcy gar kein Traummann, sondern einfach nur ein unfreundlicher Miesepeter. Und noch immer macht Elizabeth keine Anstalten zurückzukehren …
Der letzte Eindruck eines Buches oder Filmes bestimmt immer mehr oder weniger den Gesamteindruck, den man davon hat. Und deshalb fällt mein Urteil über „Lost in Austen“ nicht übermäßig positiv aus. Am Anfang war ich durchaus angetan. Die Serie spielt ganz geschickt mit den Figuren und Motiven der Serie, so dass es sogar gelingt, dass auch Amanda Darcy zu Beginn nicht leiden kann, obwohl sie doch weiß, dass er „in Wirklichkeit“ nett ist. Der Humor ist etwas derbe stellenweise, vor allem im Vergleich zu der sanften Ironie des Originals, aber ich fand, dass das alles in einem Rahmen bleibt, der Spaß macht.
Natürlich muss man beide Augen zudrücken, wenn es um historische Korrektheit geht, vor allem wenn die in jeder Hinsicht modern aussehende Amanda ohne jegliche Irritation bei den Bennetts und in der Gesellschaft aufgenommen wird. Aber es ist klar, dass es sich hier um eine Komödie, fast schon eine Parodie des Originals handelt, und da nimmt man es dann nicht so genau, sondern hat einfach Spaß.
Die zweite Hälfte wirkt dann aber gar nicht mehr so „geschickt“, sondern eher wie ein großes Durcheinander. Dazu schien sich der Autor nicht entscheiden zu können, ob er romantisch oder albern sein will. Er versucht beides und scheitert daran in jeder Hinsicht.
Nichts ist symptomatischer dafür als der Moment, in dem das große Liebesgeständnis durch eine (sogar ziemlich gute) witzige Szene durchbrochen wird. Zumal das Buch genau das nicht schafft, was das Original so gut macht: den glaubhaften Umschwung der Gefühle der Protagonistin, der durch eine Reihe von Erkenntnissen und einem damit einhergehenden Wechsel des Blickwinkels auf Darcy herbeigeführt wird. Es gibt besagtes großes Liebesgeständnis, und plötzlich merkt Amanda: „Ich liebe ihn!“. Ach.
Überhaupt wird viel von Liebe geredet in dieser zweiten Hälfte, aber romantische Gefühle liegen eher nicht in der Luft. Und hier, an der Symbiose von Romantik und Humor – die durchaus funktionieren kann – versagt diese Miniserie für mich komplett. Man kann natürlich sagen, dass die Serie das gar nicht wollte – also romantisch sein. Aber warum dann dieses fürchterlich zuckrige, fangerechte Ende?
Dazu kommt dann natürlich noch die Absurdität der Handlung, der irgendwann jede Logik abhandenkommt. Da wird dann aus einer witzigen Spielerei mit einem Klassiker endgültig plumper Klamauk.
Ich mag Parodien, aber ich mag es, wenn sie clever sind und nicht nur versuchen durch möglichst viel Albernheit und Absurdität eine Menge Krawall zu machen. „Lost in Austen“ hat gute Ideen und spielt durchaus geschickt mit dem Original und der Rezeption der Fans des Stoffes, aber es ist nicht halb so intelligent wie es gerne wäre. Fans lesen Austen nicht nur wegen der romantischen Liebesgeschichten, sondern auch wegen ihrer gelungenen Beobachtungen der Gesellschaft und der sanften Ironie des Textes. Das hätten die Autoren eventuell beherzigen sollen, dann wäre „Lost in Austen“ vielleicht eine bessere Serie geworden.
Bei mir bleiben gemischte Gefühle und damit
2,5 von 5 Punkten.






